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Donnerstag, 05 Juli 2012 13:40

Kuhle Wampe: Biker mit sozialem Gewissen

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Das Klischee, im dem man einen richtigen Biker und ihre Motorradklubs gerne oft sieht, ist schnell erklärt: In der rechten Hand ein Bier, an der linken Schulter hängt ein „blonder Engel“ und unterm Arsch eine Harley Davidson. Das mit der Harley kann Ludwig Greipl schon nachweisen und seine Lebensgefährtin Freya kann auch manchmal ein Engel sein, auch wenn sie nicht blond ist, wie er im Gespräch mit dem „Kurier“ augenzwinkernd versichert. Aber das war’s dann auch schon mit den klassischen Rockerattitüden.

Wir sitzen, wohlgemerkt mit Mineralwasser, in der gemütlichen Küche von Ludwig Greipl in Thanhausen bei Wenzenbach. Zu uns gesellt hat sich Tibor Jharosi, ebenfalls ein leidenschaftlicher Motorradfahrer und, wie Greipl, Mitglied eines der wohl ungewöhnlichsten Bikerclubs Deutschlands. Ungewöhnlich an sich sind eigentlich schon der Name der Vereinigung und ungewöhnlich auch das Tun der Mitglieder. Beim „MC Kuhle Wampe“ stehen nicht die „Easy Rider-Romantik“ von Peter Fonda und Dennis Hopper auf dem Plan, sondern das soziale Engagement und das Hinweisen auf Missstände in unserer Gesellschaft auf der Agenda.

Aber der Reihe nach. Der erste „Kuhle Wampe-Club“ wurde vor gut 30 Jahren in Nordrhein Westfalen gegründet und bald schwappte das „Wampe-Fieber“ auch auf Regensburg über, wo man schnell einen Club gründete. Was war und ist auch heute noch der Grundgedanke von „Kuhle Wampe“?

Gegen Atomkraft und Nazis

Doch erst einmal zum Namen. Während der Wirtschaftskrise Anfang der 30er-Jahre gab es in Berlin eine Zeltdorfkolonie, die eben den Namen „Kuhle Wampe“ (Leerer Bauch) trug. Im gleichnamigen Film von Bertold Brecht wurde in einer Zeit von Massenarbeitslosigkeit und drohendem Faschismus gezeigt, dass die Interessen der Bevölkerung nur von ihr selbst und gemeinsam vertreten werden können.

Die wesentliche Aussage von Brecht animierte die Gründer zu diesem Clubnamen. Ein Blick in die Grundsatzerklärung macht schnell klar, was die Mitglieder wollen. Hier ein paar Auszüge aus dem Papier: „Kuhle Wampe ist für Menschen, die über den Tacho hinaussehen, die sich Gedanken um ihre Umwelt machen, gegen Atomkraft und gegen Faschismus“.

Doch zurück nach Regensburg. Sofort nach der Gründung schließen sich die Mitglieder dem friedlichen Widerstand gegen die geplante WAA in Wackersdorf an. Ende der 90er-Jahre tritt ein Stillstand ein und die Vereinsgeschäfte ruhen für geraume Zeit. Im Jahr 2005 nehmen Greipl und Jharosi an einem Motorradkorso gegen einen Nazi-Aufmarsch in Wunsiedel teil, der vom „Kuhle Wampe-Club“ aus Nürnberg organisiert wurde. Man kommt ins Gespräch und die Franken animieren die beiden, die Regensburger Sektion wieder aufleben zu lassen und so wird „Kuhle Wampe“ Regensburg Ende 2006 wiedergegründet.

Der neue Klub nimmt aktiv an den Demos zum G 8-Gipfel, zum Castor-Transport in Gorleben und dem Nato-Gipfel in Straßburg teil. Aber auch die Verkehrssicherheit ist den Bikern ein großes Anliegen. So ist der Unterfahrschutz bei Leitplanken ein wichtiger Bestandteil des Engagements. Bundesweit übergreifend läuft bei allen KW-Clubs die Aktion „Leitplanken AG“. Ludwig Greipl gehört dem entsprechenden Gremium an. Aber auch das Gesellige kommt natürlich nicht zu kurz. Fast schon legendär sind die Motorrad-Treffen der Regensburger.

Anders wie bei anderen Clubs, bei denen die Treffen immer spektakulärer, die Bands immer größer werden, geht „Kuhle Wampe“ zurück zum Ursprung. Kein Strom und die Möglichkeit, mit der ganzen Familie zu kommen, ist die Maxime, die sich die beiden und ihre Mitstreiter gesetzt haben.

Sich positiv einmischen

Warum zu „Kuhle Wampe“ und nicht zu einem ganz „normalen“ Motorradklub wollen wir wissen? Jharosi bringt es ganz einfach auf den Punkt, indem er meint „zu anderen Klubs gehe ich, weil ich Ruhe vom Alltag haben will, zu Kuhle Wampe gehe ich, weil ich mich in den Alltag einmischen will“.

Ein hehrer Gedanke, dem nichts mehr hinzuzufügen ist!

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