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110 Jahre SPD-Ortsverein Regenstauf

110 Jahre SPD-Ortsverein Regenstauf

4 Minuten Lesezeit (865 Worte)

Regenstauf. Man schrieb das Jahr 1846, die Pfarrkirche bedurfte dringend einer Erweiterung. Der damalige Pfarrer Herdegen bat die Regierung um finanzielle Hilfe. In seinem Schreiben wies er unter anderem auch darauf hin, dass große Arbeitslosigkeit in Regenstauf herrsche und von 40 Maurern nur 8 Arbeit hätten und von den 150 übrigen Handwerkern nur ein Drittel das ganze Jahr beschäftigt sei und als Folge kommunistische Ideen vertreten würden.

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Die Anfänge der Sozialdemokratie in Regenstauf gehen aber auch ins vergangene Jahrhundert zurück. Die ersten Versammlungen waren 1892 in Regenstauf und dem Ortsteil Loch. Die SPD war aber on den Wirten nicht gern gesehen.

1898, wagt es ein Einsamer des Marktes und wird Mitglied der Sozialdemokratischen Partei:Josef Sattler

Von Beruf war Sattler Maurer, seine Freunde nannten ihn „Sturz“. Aus Zeitungsberichten wissen wir über den „Sturz“, dass er in mehreren Vereinen Mitglied war, so z.B. im Unterstützungsverein der Maurer und Zimmerer, im Dramatischen Club „Die Regentaler“. Von 1934 an war er für einige Jahre 1. Vorstand der Mauerer und Zimmerer. Am 5.3.1961 wurde er deren Ehrenvorstand.

In den Jahren von 1900–1914 berichtet der Regentaler Bote („R.B.“) wiederholt von SPD-Versammlungen. Hier ein Ausschnitt aus dem Regentaler Boten: „R.B.“ vom 23. Mai 1903:

„… folgt als dritte gestern Nachmittag die eigentliche Hauptversammlung der hiesigen Zentrumswähler mit ihrem Kandidaten Baron von Pfetten. Nach einer Pause von zehn Minuten meldete sich ein junger Mann, Herr Dollinger aus Regensburg, zum Wort, um für die Sozialdemokratische Partei und deren Kandidaten Herrn Schuhmachermeister Hagen Stimmung zu machen und die Worte des Zentrumskandidaten zu entkräften. Bezüglich der Religion sagte er, dass ein Sozialdemokrat recht wohl ein guter Katholik sein könne …“

„R.B.“ vom 25. Mai 1903:

Das Dreigestirn Josef Sattler, Josef Buchmeier und Max Hopf bildeten die Urzelle des SPD-Ortsvereins Regenstauf und gründeten den Ortsverein im Jahre 1908 mit 11 Mitgliedern.

Am 8. November 1918, nach Kriegsende proklamierte in München der „Arbeiter- und Soldatenrat“ die souveräne „Bayerische Republik“, Ministerpräsident wurde Kurt Eisner (USPD).

Im November 1918 wurde in Regenstauf ein Arbeiter- und Bauernrat gegründet. Die Bauern waren jedoch nicht auf der Seite der Arbeiter.

Ab 1919 waren Versammlungen der SPD nichts Ungewöhnliches mehr.

Aber auch Hunger, Not und Inflation machten sich breit. In Regenstauf wurde eigenes Geld gedruckt. Aus dem Protokollbuch des Marktrates vom 26.8.1923: „…Da eine große Geldknappheit herrscht und von den Banken Bargeld nicht zu haben ist, wird einstimmig beschlossen, für 900 Millionen Mark Notgeld auszugeben.

Eine Zeitung etwa kostete später über 20 Milliarden Mark.

In Regenstauf wurden fünf führende Kommunisten verhaftet. Der erste wurde bereits mit vielen Regensburgern am 17. März verhaftet. Insgesamt gab es aber noch mehr politisch Verfolgte.

Kaum aus dem Krieg zurückgekehrt, begann Hans Graf sen., Bäckermeister in Regenstauf, mit Gesinnungsfreunden – genannt werden Karl Wasner, Am Kobl; Jakob Wolf, Bergstraße; Josef Sattler, Klostergasse – mit der Reorganisation des Ortsvereins

Man kann also mit Fug und Recht sagen: mit Herbstbeginn 1945 gab es wieder einen Ortsverein Regenstauf. 1. Vorsitzender des gemeinsamen Ortsvereins wurde Josef Sattler. Am 1. 1. 1946 hatte der OV wieder 27 Mitglieder.

Die ersten freien Wahlen nach dem Krieg waren dieKommunalwahlen im Januar 1946. In Regenstauf bewarben sich die Sozialdemokraten, die Christlich Soziale Vereinigung und die Kommunisten um die Sitze im Gemeinderat.

Von den insgesamt 15 Mandaten erhielten die Christlichen 8, die Kommunisten 4 und die Sozialdemokraten 3 zugesprochen. BM wurde Ludwig Zirngiebl.

Am 4. und 5. Juni 1955 war ein großes Unterbezirkstreffen hier in der Jahnhalle. Ein Festzug mit der neu angeschafften Fahne am 5. Juni war der Höhepunkt.

Der OV Neutraubling stiftete dazu ein Fahnenband.

Die Fahne wurde vom damaligen Vorsitzenden Dr. Hermann Steger gestiftet.

In den Kreistag konnte erstmals eine Frau einziehen. Frau Emma Graf die Mutter von unserem ehemaligen Marktrat Hans Graf.

1963 war Generalversammlung in der Gaststätte Huber.

Der Fraktionsvorsitzende Huber gab einen Einblick in die aktuelle Marktpolitik. Die Themen waren Errichtung einer neuen Müllabfuhr, der Bau eine Feuerwehrhauses eine Bahnunterführung (wurde 1995 erstellt), Ein Antrag auf die Einstufung von Regenstauf in die Ortsklasse „A“ wurde ebenfalls gestellt, da Regenstauf den Charakter eines Stützpunktes für das Hinterland von Regensburg darstellt. Bei den Neuwahlen wird Max Pesold als Vorsitzender bestätigt.

Am 7. November 1966 besuchte der regierende BM von Berlin und Parteivorsitzende Willy Brandt Regenstauf. Er hielt eine Rede in den Hubertusstuben am Marktplatz, die auch nach draußen übertragen wurde. Er ehrte dabei die beiden ältesten Mitglieder Arnold Koschan und Josef Sattler, den damals 88-jährigen Regenstaufer der seit 66 Jahren Mitglied und seit 1952 Ehrenvorsitzender des OV war.

Eberhard Krüger wurde neuer Vorsitzender der SPD Regenstauf. Er blieb dies bis zum Jahr 2000. Von da ab hieß der neue Vorsitzende Fred Wiegand.

1979 stand die erste Europawahl an. Europa hatte sich entwickelt. Von der Montanunion, über EWG zur Europäischen Union. Nun aber konnten die Bürger aller Mitgliedsstaaten zum 1. Mal das Europäische Parlament wählen.

Aber auch die Frauen waren aktiv. In TB-Heim wurde eine Kreisfrauenkonferenz abgehalten. Rednerin war MdL Christa Meier.

Bei denKommunalwahlen 2008 erhielt Siegfried Böhringer von der SPD 62,66% der Stimmen bei der Stichwahl und wies den amtierenden Bürgermeister von der Tribüne. Zum ersten Mal in der 100-jährigen Geschichte der SPD-Regenstauf, stellte sie den 1. Bürgermeister. 2. Bürgermeister wurde Johann Dechant aus Steinsberg. Diese Ämter haben sie bis heute.

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