Brandanschlag-Gedenkstein Leyla Kellecioglu legte gemeinsam mit ihrer Enkelin Nisanur Blumen am Gedenkstein zur Erinnerung an ihre Familie nieder, die vor 31 Jahren beim Brandanschlag auf das Habermeier-Haus ums Leben kam.

Gedenken an rassistisch motivierten Anschlag mit vier Todesopfern

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Schwandorf. Leyla Kellecioglu legte am Gedenkstein Blumen nieder und gedachte ihrer Familie, die vor 31 Jahren beim Brandanschlag auf das Habermeier-Haus ums Leben kam. Sie war damals schon verheiratet und hatte ihre eigene Wohnung. Ihre Eltern Fatma und Osman Can und ihr Bruder Mehmet dagegen starben, als ein 19-jähriger Rechtsradikaler Feuer im Hauseingang legte. Auch ein Deutscher kam bei dem Anschlag ums Leben.

„Es war der erste rassistisch motivierte Anschlag in Deutschland", erinnerte der Vertreter des türkischen Konsulats in Nürnberg, Serdar Deniz, bei der Gedenkfeier am Dienstag am Schlesierplatz. In der Folgezeit seien muslimische Einrichtungen immer öfter zur Zielscheibe rechtsextremer Kräfte geworden. „Die Zunahme fremdenfeindlicher Tendenzen erfüllt meine Landsleute mit Sorge", sagte Serdar Deniz. Er forderte die politischen Entscheidungsträger in Deutschland auf, die Gründe „soziologisch" zu erforschen und geeignete Gegenmaßnahmen zu ergreifen. Von Schwandorf sieht der Konsul „eine vorbildliche Botschaft der Menschlichkeit" ausgehen.

Oberbürgermeister Andreas Feller distanzierte sich von Fremdenfeindlichkeit und Hass und betonte: „Wir wollen keine Rechtsradikalen in unserer Stadt haben". Feller forderte die Bürger zur Zivilcourage gegen fremdenfeindliche Kräfte auf. In einer ökumenischen Feier sprachen die christlichen Geistlichen Hans Amann und Arne Langbein gemeinsam mit dem Imam der türkisch-islamischen Kulturgemeinde, Yasar Yildiz, Friedensgebete. Die Teilnehmer an der Gedenkfeier steckten Blumen in die Gedenktafel und legten Gebinde am Gedenkstein ab.


Sylvia Sollfrank, Thomas Muggenthaler, Uschi Maxim und Günter Kohl (von links) sprachen bei der Gedenkfeier an der Berufsschule.

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Jedes Jahr gedenkt auch die Berufsschule der Opfer des Brandanschlags vom 17. Dezember 1988. Der Täter machte damals eine Maler- und Lackierer-Lehre. „Wir haben das gefährliche Potenzial von Josef Saller unterschätzt", sagte Lehrer Günter Kohl bei der Gedenkveranstaltung in der Aula des Berufsschulzentrums. Zwölfeinhalb Jahre saß der Neonazi im Straubinger Gefängnis, um anschließend im Osten Deutschlands unterzutauchen und sich erneut der rechtsradikalen Szene anzuschließen.

Der Religionslehrer und Regionalbeauftragte für Demokratie und Toleranz an den Schulen erinnerte an die Opfer von Gewalt, „die nicht in das verworrene Weltbild des rechtsextremen Gedankenguts passten".

Zu ihnen gehörte damals auch die muslimische Familie Can. Die Stadt Schwandorf habe sich lange Zeit schwer getan mit der Aufarbeitung der Ereignisse, sagte Günter Kohl. Heute erinnern Gedenkstein und Wandtafel am Schlesierplatz an die Opfer.

Bei der Gedenkfeier am Dienstag ging es um Zivilcourage und um den Mut, anderen Menschen auch in Ausnahmesituationen beizustehen. Dazu hatte die Berufsschule Thomas Muggenthaler eingeladen. Der Journalist des Bayerischen Rundfunks erhielt für seine Beiträge zum Thema „Polnische Zwangsarbeiter in Bayern" die Auszeichnung „Bene merito" der Republik Polen und den Kulturpreis der Stadt Regensburg. Muggenthaler zeigte den 250 Jugendlichen aus allen Fachbereichen der Berufsschule den Film „Todeszug in die Freiheit", der die Rettung der Häftlinge des Flossenbürger Außenlagers Leimeritz durch tschechische Bürger dokumentiert. Unter Einsatz ihres Lebens bewiesen die Befreier Zivilcourage.

Der Film lief im vergangenen Jahr in der ARD. Er erzählt die Geschichte eines KZ-Transports in den letzten Kriegstagen 1945 quer durch das damalige Protektorat Böhmen und Mähren. Für den Autor ist es ein Dokument von Verbrechen und Schande, gleichzeitig aber auch von Heldenmut und menschlicher Größe. Der tschechischen Bevölkerung gelang es unter Einsatz ihres Lebens, 1500 der 4000 Häftlinge zu befreien und den anderen durch beherztes Eingreifen bessere Überlebenschancen zu sichern.

Autor Thomas Muggenthaler diskutierte mit den Schülern anschließend über die Unterschiede von Zivilcourage im Krieg und im Frieden. Uschi Maxim und Sylvia Sollfrank stellten den Jugendmigrationsdienst der "Katholischen Jugendfürsorge" vor, der die Veranstaltung finanzierte.


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