5334EAD5-3205-4140-89E4-3E49830CDDAA Die rund 1000 Jahre alten sterblichen Überreste in den Iffelsdorfer Gräberfeldern sind sehr fragil. Die Archäologie-Studenten müssen sie deshalb ganz vorsichtig mit Pinsel und Kelle freilegen.

Archäologen bei Iffelsdorf: Gräber im Fokus

3 Minuten Lesezeit (544 Worte)
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Pfreimd. Ganz vorsichtig pinseln die Studenten aus Wien und Bamberg die Knochen. „Sie brechen, wenn man zu stark hinkommt", erklärt ein angehender österreichischer Archäologe, der seit vier Wochen an den Ausgrabungen in Iffelsdorf bei Pfreimd beteiligt ist. Am Freitag war für ihn und seine Kommilitonen der letzte Arbeitstag. Diese Zäsur nutzte Ausgrabungsleiter Dr. Hans Losert für eine Zwischenbilanz. 

Am Rande des Ausgrabungsfeldes informierten sich stellvertretender Landrat MdL Joachim Hanisch, Bürgermeister Richard Tischler, der Vertreter des Landesamtes für Denkmalpflege, Christoph Steinmann, und der für die Ärchäologioe zustände Kreisheimatpfleger Kurt Engelhardt über die jüngsten Ausgrabungsergebnisse. 

Memorialbauten erinnern gewöhnlich an besondere historische Ereignisse. Aus den Funden im Acker der Familie Reil in Iffelsdorf zieht Archäologe Dr. Hans Losert den Schluss, dass es sich hier einen „Memorialbau der Bestattungskultur" handle, den er so an der Naab bei Pfreimd nicht erwartet habe. Die Studenten legten einen gepflasterten Weg, ein Oval und eine Kuppel frei. „Das waren Gräber für Personen, die lange in Erinnerungen bleiben sollten", hat der Dozent der Universität Bamberg den historischen Überlieferungen entnommen. 


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​Mit der Entnahme der Fundstücke aus den Gräbern beginnt erst die eigentliche Arbeit. Die Keramikscherben, Knochenreste, Schmuckstücke und weitere Grabbeigaben müsen die Wissenschaftler nun genau unter die Lupe nehmen, sie den Zeitepochen zuordnen und daraus ihre Schlüsse ziehen. Zahlreiche Gräber hat Dr. Hans Losert mit seinem Wiener Kollegen Professor Erik Szamert und den Studenten untersucht und ist inzwischen auf jüngere Anlagen aus der Zeit um 900 nach Christus vorgestoßen. Ein slawischer Familienverband habe hier über längere Zeit seine Toten bestattet, sind sich die Experten einig.

Seit Anfang September herrschte wieder Hochbetrieb an den Ausgrabungsstätten zwischen Iffelsdorf und Untersteinbach, die seit 2011 im Fokus der Archäologen stehen. Die Studenten arbeiteten sich Schicht für Schicht in die Tiefe des sandigen Bodens vor, der schon manche Überraschung zutage gefördert hat. Jedes Jahr tauchen neue, überraschende Funde auf, die die Wissenschaftler wie Mosaiksteine zusammenfügen und immer genauere Erkenntnisse über das Leben unserer Vorfahren an der Naab gewinnen. 

„Die Gegend um Pfreimd war in der Slawenzeit wohl gut besiedelt", so die Schlussfolgerung von Bürgermeister Richard Tischler. Neben den Gräbern fanden die Archäologen in Iffelsdorf bei Pfreimd Feuerstellen mit Tierknochen. Ausgrabungsleiter Dr. Hans Losert vermutet, dass schon damals eine Art Toten- und Gedächtnismahlzeit stattgefunden habe. Diese Sitte sei von der Kirche später verboten worden, so der Uni-Dozent, „weil es dabei offenbar sehr lustig zuging". Der Brauch, den Abschied von einem Menschen gesellig ausklingen zu lassen, hat sich bis heute im „Leichentrunk" erhalten. 

Die Bamberger Studenten bleiben noch länger. Sie müssen die Gräber wieder zuschaufeln, nachdem alle Funde entnommen worden sind. Dann kann die Landwirtsfamilie Reil den Acker wieder bestellen. „Es wird aber weitergehen", ist Christoph Steinmann vom Landesamt für Denkmalpflege überzeugt. Im nächsten Jahr werde man ein im angrenzenden Areal weitergraben, kündigte der stellvertretende Referatsleiter an. Der Landwirt habe bereits seine Zustimmung signalisiert. 

Eine Vielzahl von Sponsoren sichere die Finanzierung der Projekte. MdL Joachim Hanisch stellte einen staatlichen Zuschuss von 20 000 Euro in Aussicht und versicherte: „Ich bin ganz begeistert von den archäologischen Funden und außergewöhnlichen Exponaten, die hier zutage gefördert werden". Auch der Lions-Club, der Bezirk, die Stadt Pfreimd und einige Banken unterstützen die Arbeiten mit einer Spende und sichern damit den Fortbestand des Projekts, das im nächsten Jahr in eine neue Runde gehen wird.


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