kv1 Bilder von Hans-Peter Weiß

Wackersdorf. Mit einem Gottesdienst in der Pfarrkirche begannen die Feierlichkeiten zum Barbaratag. Nach einem kleinen Umzug, angeführt von der Bergmannskapelle und dem Knappenverein, versammelte sich die Festgemeinde im Pfarrheim. Vorsitzender Jürgen Müller brach eine Lanze für die Kohleförderung im Hambacher Forst. MdL Alexander Flierl hielt die Festrede.

Nach der musikalischen Begrüßung durch die Bergmannskapelle, unter der Leitung von Andreas Königsberger und dem Knappen-Singkreis, dirigiert von Rosemarie Rappel, sprach Vorsitzender Jürgen Müller zu den Gästen. „Ein froh Glückauf dem edlen Bergbau bringen, so begleitete uns jahrzehntelang dieser Gruß, während der Zeit des Braunkohleabbaus täglich. Heute gehört er in Wackersdorf und Umgebung noch zum Wortschatz genauso wie die bergmännische Tradition selbst", sagte der Vorsitzende.

 

Zu Zeiten des aktiven edlen Bergbaus war Wackersdorf in aller Munde. Die innovative Abbau- und Fördertechnik wurde von anderen Tagebauregionen übernommen und weiterentwickelt. Wackersdorf wurde mindestens deutschlandweit zum Begriff, als es um den möglichen Bau einer Wiederaufbereitungsanlage ging. Diese Thematik gewann wieder an Brisanz und Aktualität als dieses Jahr fast zeitgleich der „Wackersdorf-Film" in den Kinos startete und die Räumung der Baumhäuser im Hambacher Forst erfolgte. Es gab Bilder von Demonstranten und Polizeieinsätzen zu sehen, die uns stark an den Taxölderner Forst erinnerten. „Ist der Hambacher Forst ein zweites Wackersdorf?" fragte der Sprecher. Er antwortete mit einem klaren Nein, da das Eine von den Hintergründen her, nicht vom Aktionismus, nicht mit dem Anderen zu vergleichen ist. Müllers Meinung nach befindet sich der Hambacher Forst im Vorfeld des Tagebaues Hambach und muss für den Fortschritt des Tagebaues in Jahresscheiben abgeholzt werden. Das war bereits vor 40 Jahren bei der Erteilung der Genehmigung des Tagebaues bekannt. Im Rekultivierungsplan, der ebenso wie der Abbauplan ein Bestandteil der Genehmigung ist, wurden damals schon Kompensationsmaßnahmen gefordert. Die ausgekohlten Tagebaue mussten verfüllt und rekultiviert werden. Mit der bekannten Sophienhöhe hat sich ein riesiges Freizeitgebiet für Erholungssuchende mit hohem ökologischem Wert entwickelt. Der Bergbau hat seine Auflagen mit enormen Vorleistungen erfüllt. Jetzt muss der andere Teil der Vereinbarung mit dem weitergehenden Kohleabbau eingehalten werden. „Und genau hier sind die Parallelen zu Wackersdorf zu suchen", meinte der Knappenverein-Vorsitzende.

Auch unsere Region lebte vom Bergbau! Wir wurden mit denselben Problemen konfrontiert wie derzeit das rheinische Braunkohlenrevier. Alt-Wackersdorf und Teile Steinbergs mussten dem Abbau weichen, Wälder wurden gerodet und wieder angepflanzt, ausgekohlte Tagebaue wurden wieder verfüllt und rekultiviert, Tagebaurestlöcher wurden geflutet und es bildeten sich große Seen. Nach jahrzehntelangem Leben am Rande einer Kraterlandschaft erfreuen wir uns heute einer Natur- und Freizeitidylle sondergleichen. „Auch diese Zusammenhänge aufzuzeigen, ist die Aufgabe des Knappenvereins beziehungsweise diese bergmännischen Wurzeln zu erhalten, unsere Bergmannstradition nach außen zu tragen", betonte Jürgen Müller abschließend.

Der Landtagsabgeordnete Alexander Flierl zollte in seiner Festrede dem Knappenverein Respekt, der über den Ort hinaus wirkt und große Bedeutung in der Region hat. „Bayern, unsere Heimat braucht Menschen wie Sie, die sich engagieren und einbringen, Verantwortung übernehmen, vielfältige Veranstaltungen organisieren und solche die Herzblut und Enthusiasmus zeigen", sagte der Sprecher.

Das „Wunder von Wackersdorf" war keine hohle Phrase. Wer mit offenen Augen die Entwicklung betrachtet kann darin den wesentlichen Schlüssel für den Aufschwung im Landkreis erkennen. In der heutigen Zeit stellt sich die Frage, ob alte bergmännische Gepflogenheiten wie die Feier des Barbaratages bloße Nostalgie, überkommenes Brauchtum oder nur eine nette Veranstaltung sind? Flierl bekannte sich zu einem klaren Nein. Er glaubt, dass diese Tradition, Geschichte, Überlieferung, Sitten, Gepflogenheiten und Brauchtum beinhaltet. Flierl ist sich sicher, dass gerade in Zeiten der Globalisierung diese Wurzeln der Geschichte, des Herkommens um Heimat zu erhalten und zu gestalten braucht.