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Beitrag zur Unabhängigkeit und Gleichberechtigung

Beitrag zur Unabhängigkeit und Gleichberechtigung

2 Minuten Lesezeit (421 Worte)

„Heute heiraten die wenigsten Frauen aus Gründen wirtschaftlicher Absicherung. Und dennoch: Immer noch ringen wir in Deutschland um Gleichberechtigung, immer noch sind vielfach Frauen im Alter von Armut bedroht. Wer genau hinsieht, der erkennt die Parallelen zu Josefine Haas.“ Das betonte Burglengenfelds 2. Bürgermeister Bernhard Krebs bei der 56. Auszahlung aus der „von Laengenfeld-Pfalzheim‘schen Aussteuer-Stiftung“ im Historischen Rathaussaal.

 

Josefine Haas (1783-1846), Ehrenbürgerin der Stadt Burglengenfeld, habe als Vordenkerin ihrer Zeit jungen Mädchen eine Art Starthilfe für ein selbstbestimmtes Leben geben wollen. „Sie hat gegen alle Widrigkeiten ihr Leben selbst in die Hand genommen – gehen auch Sie selbstbestimmt Ihren Weg.“ Diese Worte gab Krebs den zwölf jungen Frauen mit auf den Weg, die in diesem Jahr ein Brautgeschenk aus der Aussteuer-Stiftung erhielten.

Josefine Haas ist eine der bekanntesten historischen Persönlichkeiten Burglengenfelds, um deren Leben und Wirken sich zahlreiche Legenden ranken. Bei der Feierstunde zur Vergabe der Brautgeschenke brachte Dr. Margit Berwing-Wittl, Leiterin des Oberpfälzer Volkskundemuseums, bei ihrem Vortrag etwas Licht ins Dunkel der Geschichte und erläuterte die historischen Fakten aus dem Leben, aber auch die Umstände, unter denen Frauen Mitte des 19. Jahrhunderts zu leiden hatten. Ein Fazit von Dr. Berwing-Wittl: „Wir können von Josefine Haas nicht nur soziales Bewusstsein und Empathie für die Schwächsten der damaligen Gesellschaft lernen, sondern wir staunen auch darüber, wie klug und im guten Sinne berechnend sie mit ihrem Vermögen umgegangen ist.“

Auch, wenn viele Geschichten nur Märchen sind – zweifelsfrei erwiesen ist, dass Josefine Haas mit dem Diplomaten Franz Graf von Lerchenfeld eine Ehe zu „linker“ Hand einging und bis zu seinem Tode mit ihm zusammenlebte. Danach gründete sie mehrere wohltätige Stiftungen zugunsten benachteiligter Mädchen, denen sie selbst die eigene Armut in der Kindheit ersparen wollte.

Seit der Wiederaufnahme der Stiftung im Jahr 1961 durch die Stadt Burglengenfeld werden jedes Jahr am 25. März (Geburtstag von Josefine Haas) zwölf Mädchen, die die Kriterien für die Vergabe erfüllen, mit einem „Brautgeschenk“ bedacht. In diesem Jahr wurde die Vergabe auf vergangenen Mittwoch verlegt, da der 25. März 2016 auf den Karfreitag fiel.

In diesem Jahr haben zwölf junge Frauen je 800 Euro aus der Stiftung bekommen: Aus Burglengenfeld waren dies Sophie Dechant, Sevgi Demirtas, Hanife Gürleyen, Casu Özdemir, Nebahat Öztürk, Merve Öztürk, Christina Priol und Nelli Schulz; aus Kallmünz Alicia Wehr; aus Maxhütte-Haidhof Jennifer Axinger und aus Teublitz Lena Deml und Anna Schmid.

Für die musikalische Umrahmung des Festaktes sorgte Holger Taiber am Klavier. Einen Sonderapplaus erhielten die Grundschülerinnen Sophia Bäuml und Amelie Ott, die zu Ehren von Josefine Haas ein kleines Gedicht vorgetragen hatten.

 

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