BILDERGALERIE: Werbung in früheren Zeiten

BILDERGALERIE: Werbung in früheren Zeiten

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Für viele ist in der heutigen Zeit die Werbung im Fernsehen ein störendes Übel, vor dem wir uns möglichst abschotten wollen. Es gab aber eine Zeit, in der das ganz anders war. Damals - 1870 bis 1880, als die Industrialisierung einsetzte - hieß sie auch nicht Werbung, sondern Reklame. Eine neue Welt des Konsums zog die Menschen mit bunten Bildern und originellen Texten in ihren Bann. Bei einem Besuch des Reklamemuseums versetzt Sammler Herbert Männer die Besucher in diese Zeit.

Mit Zigarettenschachteln begann Männer als Zehnjähriger seine Sammlerleidenschaft. Reklametafeln, Blechdosen, Aschenbecher, Plakate, Brauereiutensilien und viele andere Gegenstände mehr kamen mittlerweile dazu. Seine große Leidenschaft galt dabei seit ca. 1960 dem Sammeln von Reklametafeln.
Von 1880 bis 1960 wurde der Begriff Reklame verwendet, heute heißt es Werbung, erklärt Männer. „Sie hauten ganz schön aufs Blech“ damals, so Männer, als er die Historie der Reklametafeln erklärt. In diesem Zeitraum war die Reklame ein Bestandteil der Alltagskultur. Durch die Industrialisierung wurden Massenartikel hergestellt. Diese Produkte mussten bis in das entlegenste Dorf bekannt gemacht werden. Dafür wurden dauerhafte Emaille- und Blechschilder verwendet.


Nachdem allerdings die „Blechpest“ überhand nahm, prägten Papierplakate das Reklame-Zeitalter. Später wurden Plastikschilder verwendet, um bei der Bevölkerung den Kaufrausch zu wecken. Nach dem 2. Weltkrieg verschwanden die Reklametafeln aus der Werbewelt und die Sammelleidenschaft wurde geweckt.
Männer erinnert daran, dass in diesem Jahr das 500-jährige Bestehen des Bayerischen Reinheitsgebots gefeiert wird. Das Brauereiwesen ist ein weiteres Spezialgebiet des Sammlers, der im Thansteiner Schloss wohnt. Einst gab es etwa 1000 Brauereien in der Oberpfalz, jetzt schätzt er deren Zahl auf rund 30 bis 40.

Auch in der Gemeinde gab es zwei Brauereien. Mühevoll renovierte der Sammler den ehemaligen „Bräukeller“, in welchem er jetzt Blechtafeln, Krüge, Gläser, Bierdeckel und viele weitere Brauereigegenstände für die Nachwelt erhält.

Herbert Männer freut sich, dass seine Sammelleidenschaft so großen Anklang findet. Meist sind es ältere Menschen, die kommen, um die Reklame-Exponate in der ehemaligen Schule zu besichtigen. Dabei frönen die Senioren nostalgischen Erinnerungen an ihre eigene Kindheit und Jugend.
Zu Männers Besuchergruppen gehören aber auch Schulklassen, Vereine und Gruppen, die von der Art der Präsentation und der Vielfalt der Exponate begeistert sind. Das Zentrum der Ausstellung bilden klassische Blech-, Emaille-Schilder und Tafeln, die für Waschmittel, Bier oder Kakao warben und sich an Scheunen, Zäunen und Tante-Emma-Läden befanden.

 Gerne zitiert Männer auch einige skurrile und makabre Annoncen aus alten Zeitschriften, die bei seinen Gästen für große Erheiterung sorgen. „Plumeyers Bartwuchsbeförderer“ lässt beispielsweise bei den Herren aus kleinsten Härchen einen schönen Schnurbart entstehen.
Die Berliner Firma Schwenkler bot einen pneumatischen Gesichts-Korrektor an, der schon nach wenigen Minuten „Falten, Runzeln, Tränenbeutel entfernt und alle Schlaffheit und scharfe Züge des Gesichts ausgleicht.“

Die „Orientalischen Kraft-Pillen“ der Firma Steiner sollten gegen Magerkeit helfen. „Sie sorgen in kürzester Zeit für eine erhebliche Gewichtszunahme, bewirken blühendes Aussehen, volle schöne Körperform und stärken die Arbeitslust.“ Die  „Eta-Nasen-Kasketten“ sollten rote Nasen beseitigen und die Zahnpasta „Dentisona“ versprach „Gesunde Zähne bis in den Tod“. Ein Totenkopf signalisierte dies in der Reklame.

Die Margarine-Firma Rama schließlich änderte den Namen, um mit „Rahma“ einen Bezug zu Rahm herzustellen. Dabei entstand auch das Wort „buttergleich“. Im März 2015 wurde das Reklamemuseum offiziell von Bürgermeister Walter Schauer, Sammler Herbert Männer und Ansprechpartnerin Elisabeth Lottner (Verwaltungsgemeinschaft Neunburg) sowie mehreren Ehrengästen eröffnet.

Bürgermeister Walter Schauer freut sich, dass der ehemalige Leerstand in der Thansteiner Grundschule nun mit Leben erfüllt wird. Im Rahmen der Dorferneuerung sind auch eine Erweiterung des Museums und die Verlegung in eine andere Örtlichkeit im Gespräch.
Für die Bevölkerung ist das Museum jeweils am ersten Sonntag eines Monats in der Zeit von 14 bis 16 Uhr geöffnet. Sonderführungen können individuell vereinbart werden. Der Eintritt ist grundsätzlich frei. Spenden werden für den Unterhalt verwendet.
Eine Bitte hat Herbert Männer zum Schluss: Bei einer eventuellen Entrümpelung der heimischen Räume Fotos und alte Dokumente aus dieser Zeit nicht einfach wegwerfen!


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