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a3 Inge Jacob, wo sie sich am wohlsten fühlt: unter ihren Gästen. Sie hofft, dass ähnlich gute Zeiten wie auf unserem Archivbild bald wiederkehren. Archivbild: Gleixner

Bodenwöhrer Grande Dame: Inge Jacob feierte den 90.

3 Minuten Lesezeit (588 Worte)
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Bodenwöhr. Inge Jacob ist eine der bekanntesten Persönlichkeiten in Bodenwöhr und Umgebung. Jahrzehntelang prägte sie das Leben in der Hammerseegemeinde mit – als Chefin der Familienbrauerei Jacob und des dazugehörenden Gasthofs mit Hotelbetrieb. Kurz vor Weihnachten wurde sie 90 Jahre alt. 

„So etwas gab es noch nie", meinte sie zur gegenwärtigen Situation des Lockdowns, gerade auch in Bezug auf die Gastronomie und der allgemeinen wirtschaftlichen Misere. Menschen hat sie stets gerne um sich. Und so begrüßt die frühere Münchnerin ihre Gäste mit einem herzlichen „Servus", begleitet von einem erfreuten Lächeln. 

„90 Jahre und kein bisschen weise", wandelt sie einen Klassiker von Curd Jürgens ab. Doch blickt man auf ihren Lebenslauf, wird man schnell eines Besseren belehrt. Ungewöhnlich und herausragend von Anfang an, wird einem schnell klar. Inge Jacob studiert nach dem Besuch der Schule Betriebswirtschaftslehre (BWL) an der Ludwig-Maximilian-Universität (LMU) in München, zu einer Zeit, wo Mädchen eher auf ein Leben als Ehefrau und Mutter vorbereitet wurden. 

Große Liebe auf dem Oktoberfest gefunden

Ihr Studium zur Diplom-Kauffrau schloss sie erfolgreich ab und sollte sich bald als Grundlage für ihren weiteren beruflichen Werdegang erweisen. „Wo lernen sich junge Leute in München kennen?" antwortet sie auf unsere Frage, wo sie ihren Mann kennengelernt habe. „Auf dem Oktoberfest" traf sie Friedrich Jacob, mit dem sie in Altötting vor den Traualtar trat. Zwei Söhne entstammen dieser Ehe, zwei Enkel kamen dazu.

Friedrich Jacob übernahm den elterlichen Betrieb, die Brauerei und die Gastwirtschaft, die bis zum heutigen Tag eine beispiellose Entwicklung durchliefen. Einen hohen Anteil an dieser Erfolgsgeschichte hat Inge Jacob. „Jeder Anfang ist schwer", erinnert sie sich zurück. Doch sei es immer schön, wenn man Arbeit hat und arbeiten kann. Die Ausbildung sei wichtig und bilde die Grundlage für den Erfolg: „So ein Haus braucht Engagement und Wissen."

Nach dem plötzlichen Tod ihres Mannes war sie ganz allein auf sich gestellt. Berater hatte sie keine, sie verließ sich auf sich selber, auf ihre Ausbildung, ihre Erfahrungen und ein Stück weit auch auf ihren unternehmerischen Instinkt. Bewusst war sie sich der Verantwortung gegenüber der Familie und den Mitarbeitern, die ihren Arbeitsplatz brauchen. „Die Geier warten schon", hat ein Gast zu ihr damals gesagt. War es tatsächlich so? „Ja", erinnert sie Inge Jacob an diese nicht leichte Zeit, ohne näher darauf einzugehen. 

Frau in Führungsposition

Über Durchsetzungsvermögen muss man verfügen, vor allem als Frau. Mit einem Bruder aufgewachsen, erprobte sie in ihrer Herkunftsfamilie bereits ihre Durchsetzungskraft. Nach wie vor sind Frauen in Führungspositionen unterbesetzt, damals als sie das Unternehmen leitete, war es noch seltener, gerade auch, was die Brauerei anging.

Zeit zu trauern war kaum, Gäste mussten empfangen werden, der Betrieb musste weiterlaufen. Hineinwachsen in die Aufgabe stand im Vordergrund, Freizeit war stark begrenzt. Hilfsmittel wie Computer gab es damals noch nicht. Vielmehr musste man sich etwas einfallen lassen und kreativ werden und das Beste daraus machen, beispielsweise bei der Erstellung der Speisekarten.

Die Erwartungen der Gäste sind gestiegen, bestätigt Inge Jacob unsere Frage. Die Hotelzimmer wurden entsprechend ausgestattet, der Gasthof umgebaut und modernisiert. „Geht nicht, gibt es nicht", betonte die Jubilarin.

Hoffen auf Normalität


Viele Bekanntschaften haben sich durch ihre Tätigkeit ergeben, Leute, wo man sich immer mal wieder gern dazusetzte. Noch heute rufen viele von ihnen an, worüber sie sich sehr freut. Auch an ihrem Ehrentag war das so. Viele Blumengrüße haben sie auch erreicht. Und doch: „Es ist zu ruhig jetzt", bedauert sie die kontaktarme Zeit. Inge Jacob hat Zeit ihres Lebens die Geselligkeit geliebt und gelebt. Auch sie hofft darauf, dass Corona bald wieder seinen Schrecken verliert und Normalität einkehrt.

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