/** */
Anzeige
Anzeige
Bildschirmfoto-2020-07-08-um-17.54.42 V.l. Dr. Jürgen Helmes (IHK), Finanzminister Albert Füracker, MdB Peter Aumer (beide CSU), Christian Volkmer (BDS).

Corona und die Wirtschaft in der Oberpfalz: Lob und Kritik für die Politik

3 Minuten Lesezeit (689 Worte)
Empfohlen 

Oberpfalz. Hart, aber nicht hoffnunglos - so lässt sich die Analyse der Lage für die regionale Wirtschaft zusammenfassen, die eine hochkarätige Expertenrunde bei der Veranstaltung "digitalDialog - Corona und die Auswirkungen auf die Wirtschaft in der Region" am Mittwochabend, 8. Juli, anstellte. Eingeladen hatte MdB Peter Aumer (CSU), ihre Einschätzungen gaben Finanzminister Albert Füracker (CSU-Bezirksvorsitzender), IHK-Hauptgeschäftsführer Dr. Jürgen Helmes und BDS-Vizepräsident Christian Volkmer ab. Steuer- und Förderfragen, Automobil-Industrie samt Zulieferern sowie Breitband und Mobilfunk waren die Hauptthemen.

Dass die Corona-Einschränkungen richtig waren und sind, machte Füracker am Vergleich mit Ländern fest, die mit lockerer Einstellung in puncto Infektions- und Todesfallraten wesentlich schlechter dastehen als Bayern, so etwa Schweden. Dass die Wirtschaft unter Corona enorm zu leiden hat, zeige der Vergleich der Kurzarbeitszahlen: Waren es 2008 bei der Finanzkrise 1,5 Millionen Kurzarbeiter in Deutschland, sind es nun ebenso viele alleine in Bayern.
Tipps und Trends für Sie

Der Staat helfe, wo er nur kann. Füracker räumte ein - "ohne hier Schuldzuweisungen vornehmen zu wollen" - dass die Soforthilfe nicht so schnell erfolgt sei, wie man sich das von Seiten der Politik gewünscht habe. Dass seine Partei dafür nicht die Ressortverantwortung trägt (die liegt bei FW-Wirtschaftsminister Hubert Aiwanger) verschwieg Füracker aber auch nicht. 

Nun laufen die Überbrückungshilfen des Bundes an, mit denen Unternehmer mit dramatischem Umsatzverlust Teile bestimmter Fixkosten finanzieren können. Experten rechnen damit, dass 5 der 25  dafür vorgesehenen Milliarden Euro in Bayern ankommen, sagte der Finanzminister und appellierte an die Unternehmer der Oberpfalz, im Bedarfsfall Anträge zu stellen.


Anzeige
Dr. Helmes dankte der "Politik im Freistaat". Die habe "richtig gehandelt". Bei der Automobil-Industrie komme zu den Corona-Schwierigkeiten hinzu, dass "Entwicklungen verschlafen" wurden. Er hoffe, dass aus der Krise heraus wichtige Erkenntnisse in Taten umgesetzt werden. So habe er Stunden vor dem digitalDialog von Regensburg aus eine Videokonferenz mit der Nord-Oberpfalz geführt. Dabei sei immer wieder die Leitung zusammengebrochen. Er hoffe, dass die EEG-Umlage in Zukunft deutlich reduziert werde und appellierte an die Politik, an die 13.000 Einpendler aus Tschechien zu denken. Eine Unternehmenssteuerreform sei überfällig. 

Christian Volkmer vom Bund der Selbständigen war nicht so ganz glücklich mit den Krisen-Programmen. Sie gingen zum Großteil an der Lebensrealität der Soloselbständigen mit prekären Einkommensverhältnissen vorbei. Da Unternehmerlöhne und Lebenshaltungskosten nicht gefördert wurden, stehe vielen Mitgliedern das Wasser bis zum Hals. Sehr oft fehlte es diesem Kreis auch an Kinderbetreuung. Kreditprogramme greifen nicht - wer aus dem Entgelt seiner Soloselbständigkeit keine zwei Monate überbrücken kann, der könne auch keine Kredite aufnehmen. Die nun anlaufende Überbrückungshilfe erfordert die Mitwirkung eines Steuerberaters - viele Kleinstunternehmer haben keinen.

Unternehmensberater Jürgen Steinhofer (Mittelstands-Union) zweifelte am Sinn der Mehrwertsteuersenkung. Sie stelle die Unternehmen vor große Herausforderungen, der Effekt sei ihm schleierhaft. Füracker verwies auf die Zuständigkeit des Bundesfinanzministers. Es gehe immerhin um 20 Milliarden, die statt im Steuersäckel im Kreislauf blieben. Die drei Prozent weniger auf Autos helfen auch den Zulieferern der Automobilindustrie. Seine Partei hätte lieber einen Kauf-Bonus auch für Verbrenner gehabt - ein Vorhaben, für das Ministerpräsident Markus Söder große Sympathien von den Gewerkschaften erhalten habe. 

Wann wird denn der Mobilfunk bei uns besser? Eine konkrete Antwort konnte Füracker nicht geben, er verwies aber darauf, dass das Land nicht zuständig sei und die Kommunen die Verantwortung oftmals scheuten. Wenn eine Gemeinde selbst einen Mast bauen würde, bekäme sie bis zu 90 Prozent Förderung vom Freistaat - dennoch wird das Programm nur zögerlich angenommen. 

Die zuständigen privaten Unternehmen deckten natürlich mit Vorliebe nur die lukrativen Ballungszentren ab. Wenn sie in der Fläche bauen wollen, stießen sie aber zudem oft auf Widerstand bei den Baugenehmigungen. Jeder wolle Mobilfunk, aber niemand einen Masten. "Was wir mit staatlichen Mitteln tun können, tun wir", sagte Füracker. Die Privatisierung der Telekommunikation habe vor Jahren niedrigere Preise erzeugt, nun zeige sich die Schattenseite des Wettbewerbs. Füracker merkte ferner an, dass Bayern beim Breitbandausbau in Deutschland an der Spitze liege.

Dr. Helmes ergänzte, das Problem sei nicht die Politik, sondern "die Menschen vor Ort". Die Krise habe die Bedeutung von Mobilfunk und Breitband aufgezeigt. Daher müssten die Bürger dem Ausbau solidarisch begegnen. Lob fand er für Regensburgs OB Gertrud Maltz-Schwarzfischer (SPD). Dadurch, dass die Stadt den Gastronomen zusätzliche Freiflächen gewähre, könnten die den Verdienstausfall durch die Einschränkungen im Innenbereich teilweise einfangen.

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

23. Oktober 2021

Nittenau. Albert Wankerl wurde am 14. Oktober 80 Jahre alt. Zweiter Bürgermeister Albert Meierhofer konnte ihm persönlich gratulieren.

22. Oktober 2021
Schwandorf. Das Landratsamt Schwandorf meldet: Aus den 26 Fällen, die wir am Mittwoch, 20. Oktober, gemeldet hatten, wurden bis zum Ende der Schicht noch 30. Gestern, am Donnerstag, 21. Oktober, wurden 60 neue Infektionen bekannt. Am heutigen Freitag...
22. Oktober 2021

Nittenau. Seit dem Jahr 2007 verleiht das Bayernwerk das „Lesezeichen" für 50 besonders engagierte öffentliche Büchereien in Bayern.

22. Oktober 2021

Nittenau. Am 8. November findet eine Podiumsdiskussion statt. Hier können sich alle BewerberInnen des Jugendparlaments vorstellen.

22. Oktober 2021

Nittenau. Bürgermeister Benjamin Boml konnte am Mittwochabend über 50 interessierte BürgerInnen im Pfarrheim Nittenau begrüßen.

22. Oktober 2021
Wackersdorf. Das Gemeindeplenum ist wieder komplett. Nachdem Stefan Weiherer (Grüne) seinen Rücktritt erklärt hatte, ist nun seine Parteikollegin Ulrike Pelikan-Roßmann nachgerückt. Bürgermeister Thomas Falter vereidigte die Grünen-Vertreterin und ve...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

14. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat seit 1. Oktober einen neuen Kreisfachberater für Gartenkultur und Landespflege. Markus Fuchs aus Ursensollen wurde von Landrat Richard Reisinger, zugleich Kreisvorsitzender der Obst- und Gartenbauver...
11. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Im Landkreis Amberg-Sulzbach wurde der Inzidenzwert von 35 Neuinfektionen mit dem Coronavirus SARS-CoV-2 je 100.000 Einwohner an drei aufeinanderfolgenden Tagen überschritten: Samstag, 9. Oktober 2021 (Inzidenzwert 39,8), Sonntag, 10...
10. Oktober 2021
Amberg-Sulzbach. Ab Montag, 11. Oktober sind im Testzentrum auf dem Parkplatz des Gesundheitsamtes Amberg in der Hockermühlstraße keine kostenlosen Jedermann-Testungen mehr möglich. Darüber informiert das Landratsamt Amberg-Sulzbach in einer gemeinsa...
09. November 2020
Amberg-Sulzbach. Es war der 11. November 2000. Beim Seilbahnunglück von Kaprun sterben 155 Menschen, darunter 20 aus dem Landkreis Amberg-Sulzbach, überwiegend aus Vilseck und Hahnbach, aber auch aus Sulzbach-Rosenberg und Rieden. Erstickt oder verbr...
24. Oktober 2020
Amberg-Sulzbach. Der Landkreis Amberg-Sulzbach hat die 7-Tage-Inzidenz von 35 überschritten. Somit tritt § 24 der 7. Bayerischen Infektionsschutzmaßnahmenverordnung (7. BayIfSMV) ab Sonntag, 25. Oktober 2020, 0 Uhr, in Kraft. Es wird eine M...
23. Oktober 2020
Sulzbach-Rosenberg. Im Rahmen eines kleinen Festaktes bei der Polizeiinspektion Sulzbach-Rosenbach führte in dieser Woche Polizeivizepräsident Thomas Schöniger den zukünftigen stellvertretenden Leiter der Dienststelle, Polizeihauptkommissar Alexander...

Für Sie ausgewählt

Wohnung, Haus und Garten

26. September 2020
Regensburg. Bereits zum 40. Mal veranstaltete der Kreisverband Regensburg für Gartenkultur und Landespflege (OGV KV) heuer seinen Gestaltungswettbewerb. Dabei konnte die Bewertungskommission bei 34 gemeldeten Gärten 19 Auszeichnungen und 15 Aner...
24. August 2020
So schön sonnige Tage unter freiem Himmel sind – Bewohner von Dachwohnungen leiden im Hochsommer vielfach unter überhitzten Räumen. Auch der Spätsommer und ein goldener Herbst können so manches Obergeschoss gefühlt in einen Backofen verwandeln....
08. August 2021
(djd). Muss alles, was nicht mehr ganz taufrisch aussieht, gleich auf den Müll wandern? Lässt sich zum Beispiel das Lieblingsmöbelstück nicht aufbereiten und neu nutzen? Und ob! Upcycling heißt der Trend, der Möbeln und anderen Einrichtungsgegenständ...