Der Bedeutung der Böden auf der Spur

Der Bedeutung der Böden auf der Spur

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„Flüssige Erden“ und fruchtbare Böden standen im Mittelpunkt der jüngsten Exkursion der Akademie für Natur- und Industriekultur Ostbayern – Böhmen. Über moderne Methoden der Bodengewinnung und Bodenverarbeitung referierte Dipl.Ing. Franz Rösl, Inhaber der Firmengruppe Rösl in Regensburg. Er gab Denkanstöße zu einem überaus  zukunftsweisenden Thema. Ein Besuch des Geolehrpfades für Landschaft und Rohstoffabbau auf der früheren Zeche Friedrich rundete die Exkursion ab.

Auf dem ehemaligen Bergwerksgeländer der Braunkohlenzeche Friedrich in Regensburg-Dechbetten hat seit 1968 die Firmengruppe Rösl hier ihren Sitz. Sie ist mit ihrem Geschäftsführer Franz Rösl im wahrsten Sinne des Wortes bodenständig und erdverbunden. Eine Allround-Firma, die Erden (Braunkohle, Ton , Lehm, Kies,  Sand, Gesteine) abbaut, hochwertige Substrate für Garten- und Landschaftsbau herstellt, kompostiert, recycelt, abbricht und transportiert.

In der Firmenzentrale startete die April-Exkursion mit einem hochaktuellen Thema zum diesjährigen Akademie Jahresthema „Erde“. Josef Schönhammer, stellvertretender Vorsitzender der Akademie, und Exkursionsleiter Hans Fischer zeigten sich vom guten Besuch erfreut, bevor sie das Wort Prof. Dr. Thomas Neidhart von der OTH Regensburg erteilten, der über „Flüssige Erden“ referierte. Der Abbau von Sand und Kies ist bereits in Mitteldeutschland ein Problem und kann seiner Meinung nach weltweit zu Konflikten führen. Auch das Thema „Schotter“ ist nicht unendlich. „Für die Verlegung von diversen Leitungen und Kabeln in der Landschaft als auch in Städten sind (waren) Sand und Co. unerlässlich", so der Referent.

Ein neueres Verfahren ist die Verlegung mit einem nicht durchlässigen Flüssigboden. Benötigt werden dafür lediglich Aushubmaterial, Betonit (Tonmineral) und Zement. Dem Gemisch wird erst auf der Fahrt zur Baustelle Wasser in einem Betonfahrmischer beigegeben, einbaufertig gemischt und fließt später in jede Ritze. „Nach zwei bis drei Wochen ist das Material ausgehärtet, kann aber auch wieder problemlos ausgebaut werden“, betonte der Referent. Seit gut zehn Jahren wird diese Methode angewandt. Beton ist nicht geeignet, um alles zu verdichten. Der fließfähige, selbstverdichtende Verfüllbaustoff kann staubarm und erschütterungsfrei auch in schwer zugänglichen Bereichen, wie engen Gassen oder unter Wasser eingebaut werden. Ein geringer Personaleinsatz und eine schnellere Taktung im Baubetrieb zählen zu den großen Vorteilen beim Einbau von Telekommunikationsleitungen, Fernwärmeleitungen oder auch Stromkabel, berichtete Prof. Neidhart von der OTH, der einzigen Hochschule Bayerns, die zu diesem Thema forscht.

Im Anschluss beschäftigte sich Dipl.-Ing. Franz Rösl mit der (Wieder-) Herstellung gesunder und humusreicher Böden. „Wir haben alle mit Böden zu tun. Wir haben ein gravierendes und grundlegendes Problem mit der Erosion und wir haben kein Gefühl für die Dimension, die wir an Nährstoffen weltweit verschwenden“, konstatierte der Bodenfachmann eingangs und gab gleichzeitig zu bedenken, dass 100 Jahre vergehen, bis sich gerade mal ein Zentimeter Boden bildet. Auf seinem Betriebsgelände wird auch seit 1903 Braunkohle abgebaut. Die Kohle wird zu verschiedenen Körnungen gemahlen und als Leonardit bei der Herstellung  verschiedener Mulche und Substrate für den Garten- und Landschaftsbau generell ohne chemische Zusätze beigemischt. Vor 15 bis 18 Millionen Jahren entstand im heutigen Regensburg-Dechbetten diese huminsäurereiche und hochoxidierte Kohle. Leonardit besitzt eine hohe Wasserspeicherkapazität, ist ein sehr guter Nährstoffspeicher und hat einen knapp 40-prozentigen Humusgehalt sowie einen rund 30-prozentigen Dauerhumusgehalt, wusste der Bodenkundler.

Im Humus, der bis zu 58 Prozent aus Kohlenstoff besteht, sind weltweit rund 2500 Gigatonnen gebunden, was der dreifachen Menge des gesamten Kohlenstoffs in unserer Atmosphäre entspricht. Durch den weltweiten Humusabbau wurden in den letzten 60 Jahren jährlich rund 19 Milliarden Tonnen CO2 freigesetzt, genau so viel wie durch die Verbrennung von Kohle, Erdöl und Erdgas. Für Franz Rösl ist der Erhalt des Naturkörpers „Boden“ eine Herzensangelegenheit, und er erhebt auch den Anspruch, etwas ändern zu wollen.

Im Erfahrungsaustauch bei sogenannten „Bodentagen“ versucht er sein Wissen weiterzugeben und appelliert gleichzeitig, auf den Einsatz von Pflanzenschutzmitteln zu verzichten. Allein die Herstellung des Breitbandherbizids Glyphosat, das einst als Rohrreiniger zugelassen wurde, erzielt einen geschätzten Jahresumsatz von 4,6 Milliarden Euro. „Leben kommt nur von Leben“, lautete die Schlussaussage von Franz Rösl, der das Bewusstsein der Menschen schärfen möchte, denn nur ein gesunder Boden kann gesunde Lebensmittel erzeugen, unterstreicht der lösungsorientierte Visionär.

Bei einem Rundgang beziehungsweise einer Rundfahrt durch das weitläufige Betriebsgelände wurde den Exkursionsteilnehmern die Kompostierung und der Einsatz von Leonardit näher erläutert. Auf dem angegliederten Lehrpfad für Geologie, Landschaft und Rohstoffabbau auf der Friedrich Zeche erklärte Dipl. Ing. Franz Rösl die einzelnen Stationen  mit den aufgeschütteten Abbauprodukten.  

Das Geoarchiv „Boden“ gilt neben Wasser und Luft als drittes Element. „Als Lebensgrundlage ist es für Mensch, Tier und Pflanze äußerst wichtig. Es entwickelte sich über Jahrtausende“, berichtete Rösl. Nach einer kleinen Rundfahrt mit einer Grubenbahn durch den Lehrpfad  war das aufgeschlossene Kohleflöz , aus dem die hochwertige Braunkohle gefördert wird, die letzte  Station.


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