Nesch3 Peter Nüesch (rechts) und Eva Herrmann (links) boten den Zuhörern einen unterhaltsamen Abend in der Schwandorfer Spitalkirche. Bilder von Rudolf Hirsch

Ein Abend mit Peter Nüesch

3 Minuten Lesezeit (585 Worte)

Schwandorf. „Endlich bin ich so alt wie ich aussehe", scherzt Peter Nüesch, der kürzlich den 70. Geburtstag feierte. Im Frack steht der Kavalier der alten Schule vor seinem Publikum und empfiehlt den Damen frei nach Otto Reutter: „Nehmen Se`n Alten, einen wohl bestallten". Der Schauspieler nimmt die Zuhörer mit in die Niederungen des „Etablissements".

Die Besucher erlebten am Samstag in der Spitalkirche einen amüsanten Abend mit Peter Nüesch, der zum ersten Mal in Schwandorf gastierte. Seine frühere Mitarbeiterin und heutige Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld hatte den Kontakt hergestellt. Der charmante Unterhalter bewegt sich bei seinen Couplets, Chansons und Zwiegesprächen mit dem Publikum ständig an der Grenze zu Sitte und Anstand, kratzt aber im letzten Moment immer wieder die Kurve.
Der Schauspieler schlüpft in die Rolle eines alternden Paares. Die Szene gipfelt im Vorwurf der zänkischen Ehefrau: „Beim Essen bist du auf Fett erpicht, aber bei der Umarmung magst du es nicht". Im Ehemann reift die Erkenntnis: „Ein verheirateter Mann lebt zwar länger, ist aber eher bereit zu sterben". Und: „Ein ideales Pärchen ist ein fatales Märchen".

Die Schwandorfer Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld (links) war früher Mitarbeiterin von Peter Nüesch (Mitte) und stellte den Kontakt zum Künstler und dessen Klavierbegleiterin Eva Herrmann (rechts) her.

Peter Nüesch greift selbst zum Dirigentenstab, „weil ja der Wengler furt ist". Als „Petrowicz Nüeschopa" leitet er ein imaginäres Sinfonieorchester und beweist dem Publikum, „dass der alte Knabe immer noch gut mit dem Zauberstab umgehen kann". Für seinen Kabarett-Abend wählte der Künstler den Titel „Die Hosen der Jungfrau von Orleans" und interpretierte Schiller auf seine Weise: „Selige Jungfrau von Orleans, warum hast du blecherne Hosen an? Sie sind vorne und hinten zugelötet. Doch es reimt sich besser auf Sardinenmesser, das erweist sich als Dosenöffner".
Bei der Ballade vom untreuen Johnny aus dem Stück von Bertolt Brecht und Kurt Weill schlüpft der Entertainer in eine melancholische Rolle. „Surabaya-Johnny, warum bist du so roh, Surabaya-Johnny, ich liebe dich so". Der Chanson-Sänger wünschte sich mit Cissy Kraner „zum Geburtstag einen Vorderzahn", den ihm ein eifersüchtiger Ehemann ausgeschlagen hatte. Von der Zahnlücke ist nicht weit zum Schlitz im Kleid. Bei der Geschichte von „Frau Potifar, die ungemein erfahren war", sang das Publikum den Refrain „In der Bar zum Krokodil am Nil" mit. Und „sie" machte sich einen Schlitz ins Kleid und pfiff dann auf die Sittsamkeit: „Tirili, tirila..."
„Jetzt gehen wir ins Foyer und trinken grünen Tee". Damit lud Peter Nüesch die Zuhörer zum Pausentee und unterhaltsamen Gesprächen ein. Der Gründer des Turmtheaters schmeichelte den Gästen, als er versicherte: „Ich erinnere mich an jeden einzelnen von euch". Der Schauspieler und Regisseur lud seine Gesprächspartner zur Premiere seines neues Stückes „Sunnyboys" am 25. Oktober nach Regensburg ein. Er verabschiedete sich mit einem „Liebeslied für wundervolles Schlafen" und versicherte Publikum: „Es war ein wundervoller Abend mit Ihnen".

Darf ich vorstellen: "Das ist meine Frau am Klavier". Pianistin Eva Herrmann begleitet Peter Nüesch seit vielen Jahren auf dem Klavier und greift zwischendurch auch zum Akkordeon. Das Duo gastierte am Samstag in der ausverkauften Spitalkirche. Der in der Schweiz geborene Schauspieler, Regisseur und Theaterintendant ist Begründer des Regensburger Turmtheaters und viel herumgekommen auf den Bühnen dieser Welt. In Schwandorf trat er zum ersten Mal auf. Mit im Gepäck hatte er einen Koffer voller Lieder, Couplets, Chansons und Frechheiten, die zusammengewürfelt einen unterhaltsamen Abend ergaben. Das Publikum in der ausverkauften Spitalkirche war begeistert. Es erlebte einen Abend voller Erinnerungen an große, unvergessene Namen wie Hugo Wiener, Friedrich Holländer, Ralf Benatzky, Georg Kreisler. Kulturamtsleiterin Susanne Lehnfeld hatte den Kontakt zum Künstler hergestellt.


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