Anzeige
IMG_3817-11---Kopie Hans Schuierer (r.) im Gespräch mit Oskar Duschinger.

Endlager und AKW-Müllverbrennung - so denkt Hans Schuierer darüber

3 Minuten Lesezeit (538 Worte)
Von unserem Gastautor Oskar Duschinger
Schwandorf. Die Suche nach einem nationalen atomaren Endlager hat begonnen. Im Müllkraftwerk wird "freigemessener" Müll aus dem AKW Grafenrheinfeld verbrannt. Die Geister, die Generationen vor uns gerufen haben, verschwinden also - wie von vorneherein klar war - nicht mit der (zweiten) Entscheidung zum Atomausstieg. Der Journalist und Buchautor Oskar Duschinger wollte wissen, was Hans Schuierer darüber denkt. Der ehemalige Landrat ist die Ikone des Anti-WAA-Widerstands. Er hatte in den 1980ern Jahren bundesweite Berühmtheit erlangt, als er sich weigerte, seine Unterschrift unter die Genehmigung der Wiederaufbereitungsanlage zu setzen, die im Taxölderner Forst gebaut werden sollte.

Die Bundesgesellschaft für Endlagerung (BGE) definierte insgesamt 90 Gebiete in der Bundesrepublik Deutschland, in denen der Atommüll gelagert werden könnte. Seit 2017 arbeiteten 70 Wissenschaftler der BGE an der Liste. Der öffentliche Zwischenbericht weist auch weite Teile Bayerns als möglichen Standort für ein atomares Endlager aus, darunter Teile der Oberpfalz, wo vor mehr als 30 Jahren die erste Wiederaufarbeitungsanlage auf deutschen Boden gebaut werden sollte. Heftige Proteste und gewalttätige Auseinandersetzungen waren damals die Folge, bevor der milliardenschwere Bau 1989 eingestellt wurde. 

Autor Oskar Duschinger setzte sich mit Hans Schuierer, der Symbolfigur des WAA-Widerstands, auf der Terrasse von dessen Haus in Klardorf zusammen, um mit ihm über die Endlager-Pläne zu sprechen. Dabei zeigte sich Schuierer erstaunt darüber, dass die Bayerische Staatsregierung, „die jahrzehntelang eine Verfechterin der Atomkraft war", nun von einem atomaren Endlager in Bayern nichts wissen wolle. Dabei müsse allen verantwortlichen Politikern klar sein, so der ehemalige Landrat des Landkreises Schwandorf, „dass wir ein Endlager brauchen."
Tipps und Trends für Sie
Wenn nach intensiver Erkundung, die Wissenschaft der Meinung sein sollte, dass die Oberpfalz dafür ein geeigneter Standort wäre, so Schuierer, „dürfen wir uns in Bayern nicht einfach querlegen". Allerdings hoffe er, „dass es nicht so kommt wie zu WAA-Zeiten, als die Bevölkerung von Anfang belogen und alles verharmlost wurde". Er erwarte von der Bayerischen Staatsregierung, „dass bei der Endlagersuche nur die Wahrheit zählt". 

Was erwartet Schuierer, wenn die Oberpfalz als Endlager-Standort in den engeren Kreis kommen sollte? Hans Schuierer fällt es schwer abzuschätzen, ob es dann wieder zu ähnlichen Demonstrationen wie vor über 30 Jahren kommen werde. Eines sei jedoch für ihn klar: Irgendwo müsse ein Endlager entstehen. Wenn sich die Wissenschaftler nach intensiven und genauen Prüfungen einig seien und der Standort in der Oberpfalz sein sollte, werde er sich an keinen Demonstrationen dagegen beteiligen. Die Frage der Endlagerung müsse die Wissenschaft entscheiden und nicht die Politik. 


Anzeige

Zutiefst verärgert zeigte sich Schuierer darüber, dass der Bevölkerung vorenthalten wurde, dass radioaktiver Abfall aus dem stillgelegten Atomkraftwerk Grafenrheinfeld im Müllkraftwerk Schwandorf verbrannt wird. Dass der sogenannte „freigemessene Atommüll" gefahrlos sei, könne er nicht nachvollziehen. Schuierer: „Ich sehe durchaus Gefahren!". Als wäre die Belastung durch die „normale" Müllverbrennung für die Bevölkerung nicht groß genug, komme jetzt auch noch die Verbrennung von sogenanntem „freigemessenen Mülls" hinzu. Schuierer: „Ich empfinde das als riesengroße Schweinerei!" Er sei überzeugt, dass die Proteste schon bald einsetzten.

Die Bevölkerung habe erst vor kurzem davon erfahren und sei dabei, sich eine Meinung zu bilden, sich zu orientieren. Schuierer fühlt sich in dieser Sache an WAA-Zeiten erinnert: „Wieder wird seitens der Verantwortlichen verheimlicht, verharmlost, werden die Gefahren nicht offengelegt." Nun sei es notwendig, dass sich Bürgerinitiativen bildeten und sich Fachleute einschalteten, die mögliche Gefahren aufzeigten.

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

10. April 2021
Die geplante Freiflächen-Photovoltaik-Anlage in Neuenschwand ruft breitgestreuten Unmut in der Bevölkerung hervor. Neben der Zerstörung des Lebensraums für Tiere, die dem Artenschutz unterliegen, macht dieser Leserbrief auch auf die Einschränkung des...
09. April 2021
Mit 61 Fällen am Donnerstag steigt die Gesamtzahl der Corona-Infektionen auf 7.149. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die am Mittwoch bei 184,6 lag, liegt laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und Robert-Koch-Institut (RKI) heute bei...
09. April 2021
Maxhütte-Haidhof. Eigentlich sollten in der letzten Sitzung des Stadtrates Maxhütte-Haidhof der Amtsperiode 1. Mai 2014 bis 30. April 2020, diese sollte am 24. April 2020 stattfinden, die ausscheidenden Mitglieder des Stadtrates verabschiedet werden....
09. April 2021
Nittenau. Das Bayerische Rote Kreuz bietet am 11. April von 9 bis 11 Uhr kostenlose Antigen-Schnelltestungen in der Regentalhalle in Nittenau an. Dadurch ist eine wohnortnahe Testung möglich. ...
08. April 2021
Maxhütte-Haidhof. Für Maxhütter Seniorinnen und Senioren, die nicht mobil sind, gibt es ab 15. April 2021 einen Shuttle-Service zum Impfzentrum in die Außenstelle Stadthalle Maxhütte-Haidhof. Organisiert wird der Transport von der Stadt Maxhütte-Haid...
08. April 2021
Landkreis Schwandorf. Mit 89 Fällen am Mittwoch steigt die Gesamtzahl der Corona-Infektionen auf 7.088. Die Sieben-Tage-Inzidenz, die am Dienstag bei 172,4 lag, liegt laut Landesamt für Gesundheit und Lebensmittelsicherheit (LGL) und Robert-Koch...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

09. April 2021
Amberg. In der Stadt Amberg lag der 7-Tage-Inzidenzwert laut Robert Koch-Institut am heutigen Freitag, 9. April 2021, bei 144,5 und damit über der entscheidenden Marke von 100 Coronavirus-Infizierten pro 100.000 Einwohner. ...
08. April 2021
Sulzbach-Rosenberg. Am Dienstagmittag wurde es offiziell. Per Pressemitteilung verkündeten Finanz- und Heimatminister Albert Füracker und sein Kabinettskollege, Kultusminister Michael Piazolo, die Entscheidung, dass am Standort Sulzbach-Rosenberg ein...
25. März 2021
Hirschau. Am Donnerstag Mittag (25.03.2021, 12:50 Uhr) ereignete sich folgenschwerer Unfall, der bei Beachtung der vorfahrtsregelnden Verkehrszeichen nicht passieren hätte dürfen. Auf der B14 aus Richtung Gebenbach und weiter ostwärts unterwegs war e...
23. März 2021
Sulzbach-Rosenberg. Eine der aktuell größten Investitionen des Landkreises geht auf die Zielgerade: An der Walter-Höllerer-Realschule in Sulzbach-Rosenberg begannen im Februar 2019 umfassende Arbeiten zu einer kompletten Generalsanierung des Hauptgeb...
19. März 2021
Amberg-Sulzbach. Nach dem Totalausfall im vergangenen Jahr für die Strecke Ehenfeld-Neukirchen sieht es momentan auch schlecht aus für 2021: Der 36. Landkreislauf in Ambrg-Sulzbach am 8. Mai mit Startort Ehenfeld und Ziel in Traßlberg finde...
19. März 2021
Amberg-Sulzbach. Der 7-Tage-Inzidenzwert für den Landkreis Amberg-Sulzbach lag laut Robert Koch-Institut am Freitag (19.3.) bei 214,5 und damit weit über der entscheidenden Marke von 100, wie das Landratsamt am Vormittag mitteilt. Dies wirkt sic...

Für Sie ausgewählt