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Energiemix bei den Nachbarn

Energiemix bei den Nachbarn

3 Minuten Lesezeit (695 Worte)

Neunburg v.W./Pilsen. Wie wirkt sich die Energiewende in Sachen Kernkraft, Wind- und Solarenergie bei unseren tschechischen Nachbarn aus? Antworten darauf gaben bei einem Symposium Professoren der Westböhmischen Universität Pilsen einer Besuchergruppe der Akademie Ostbayern-Böhmen. Neben verschiedenen Fachgesprächen stand auch die Besichtigung  einer energetischen Müllverwertungsanlage auf dem Programm.

 

Bereits im Februar hatte die Akademie Ostbayern-Böhmen zu einem Symposium nach Schwandorf geladen, wo die Energiewende aus deutscher Sicht im Mittelpunkt stand. Jetzt folgte eine Gegenveranstaltung, zu der die Akademie nach Pilsen unter der Leitung von Programmkoordinator  Hans Fischer reiste. Auf dem Campus der Westböhmischen Universität wurden die Gäste von Ing. Roman Čermák, Ph.D., Prodekan für internationale Beziehungen und Projekte, begrüßt. Beide Seiten lobten das Gelingen der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.

Dr. Ing. Jaroslav Synáč, Lehrstuhlinhaber der Fakultät für Elektrische Energietechnik, eröffnete das Treffen mit einem Vortrag über die Modernisierung von Škoda-Dampfturbinen im Bereich der Kernenergie. Er stellte dar, wie sich die Energieversorgung in der Tschechischen Republik gegenwärtig zusammensetzt. Demnach stammt die Hälfte der Energie noch aus Kohle, ein Drittel aus der Kernkraft und elf Prozent aus erneuerbaren Energien. Dies sind vornehmlich Solarenergie, Biogas und Wasserkraft, wobei die Windenergie derzeit nur etwa  ein Prozent ausmacht. Synáč sagte, dass die Kernenergie derzeit nicht ersetzbar sei. Die beiden Kernkraftwerke Temelín und Dukovany würden laufend renoviert und modernisiert mit dem Ziel, die Effizienz zu optimieren. Die moderne Turbine des Kraftwerks Temelín sei dabei die größte, die je bei Doosan Škoda Power entwickelt worden sei.

Doktorand Ing. Lukáš Richter folgte mit zwei Vorträgen. Zunächst referierte er über Solar-und Windenergie. Er erklärte einige grundsätzliche technische Prinzipien der Photovoltaik, Solarthermie und verschiedener Formen von Windkraftanlagen. Richter betonte, dass jedoch wie in Deutschland Widerstände und Vorurteile in der Bevölkerung vorhanden seien, die sich vor allem bei der Windkraft gegen die Verschandelung der Landschaft, potenziellen Lärm, den stroboskopischen Effekt, die Gefahr für Vögel sowie weggeschleudertes Eis richten. Nach Richter und Synáč habe die Tschechische Republik ein gutes Potenzial zur Nutzung der Wasserkraft, jedoch seien die Möglichkeiten dafür fast ausgeschöpft.

Die verstärkte Nutzung von Solar- und Windkraft zur Energieerzeugung sei noch nicht gesetzlich verankert, da Tschechien die Nutzung fossiler Quellen nach wie vor noch stark unterstütze. Als Binnenland könne man auch keine Off-Shore-Windanlagen nutzen. Darüber hinaus gebe es oft divergierende Diskussionen darüber, ob eine verfügbare Fläche für die Errichtung von Solarenergieanlagen oder für den Anbau von Mais zur Erzeugung von Biogas genutzt werden solle. Synáč stellte dabei jedoch klar, dass man auch in Tschechien, wie in Bayern, vor dem Problem der verstärkten Bodenerosion durch Mais-Monokulturen stünde und prognostizierte, dass die Bevölkerung die Nutzung der Kohleenergie nicht mehr lange dulden werde, denn auch damit gingen starke landschaftliche Zerstörungen einher.

Die Erforschung und Entwicklung eines Schraubenmotors, ein Projekt das in Zusammenarbeit mit der OTH Amberg-Weiden und der tschechischen Firma ATMOS, wurde bei einem weiteren Vortrag näher beleuchtet. „Die Stärkung der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit verschiedener Hochschulen und Forschungseinrichtungen ist dabei ebenso Ziel wie die von kleinen und mittleren Unternehmen, die direkt von der angewandten Forschungsarbeit profitierten, ihre Wettbewerbsfähigkeit verbesserten und dadurch mehr Arbeitsplätze schafften“, so Richter. Der im Rahmen dieser Kooperation entwickelte Schraubenmotor soll im sogenannten „Organic Rankine Cycle“ eingesetzt werden, das heißt, wenn Dampfturbinen mit einem anderen Medium als Wasserdampf betrieben werden, zum Beispiel bei der Stromerzeugung durch Abwärme, Geothermie oder Kraft-Wärme-Kopplung, wie sie im KWK-Forschungszentrum der OTH Amberg-Weiden erprobt wird.

Die Vortragsreihe endete mit einem Beitrag von Ing. Roman Gášpár, Doktorand und Assistent am Lehrstuhl sowie fachlicher Leiter des Forschungsprojekts „Grenzüberschreitende F&INetzwerk für Energieeffizienz und Kraft-Wärme-(Kälte)-Kopplung“, ebenfalls ein Projekt in Kooperation mit der OTH Amberg-Weiden. Ziele der Projekte sind die Schaffung einer grenzüberschreitenden Wissens- und Technologieplattform sowie die Förderung des Wissenstransfers zwischen den Forschungsinstitutionen und kleinen und mittleren Unternehmen. Damit solle ein Forschungs- und Innovationsnetzwerk für Energieeffizienz und Kraft-Wärme-Kopplung in der Grenzregion geschaffen werden.

Im Jahr 2016 wurde die energetische Müllverwertungsanlage der Stadtwerke Pilsen fertig gestellt. Die modernste von vier tschechischen Anlagen wurde mit deutscher Spitzentechnologien gebaut. Die Anlage läuft rund um die Uhr und dient zur Strom- und Wärmeerzeugung aus Müll. Täglich werden rund 240 Tonnen verarbeitet. Die Müllanlieferung aus dem Ausland ist verboten. Durch die Leistung der Müllverwertungsanlage können 80.000 Tonnen Kohle im Jahr eingespart und das angelieferte Müll-Volumen auf 6000 Tonnen Schlacke reduziert werden, erfuhren die Akademie-Teilnehmer.

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