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Erinnerung an den Flugplatz Schafhof

Erinnerung an den Flugplatz Schafhof

2 Minuten Lesezeit (458 Worte)

Außer ein paar vermoosten Betonfundamenten eines Hangars erinnert heute nichts mehr an den Feldflugplatz Schafhof bei Ebermannsdorf. Mit dessen Geschichte befasst sich seit über zwölf Jahren Klaus Schriml. Er hat Zeitzeugen befragt, das Areal erforscht und zahlreiche Dokumente ausgewertet. Jetzt ist sein Buch „Im Fadenkreuz der Alliierten“ erschienen, das den Flugplatz Amberg-Schafhof wieder in den Fokus rückt.


Wer von der Bundesstraße B 85 Richtung Ebermannsdorf abzweigt, kann im Anschluss an das Industriegebiet Schafhof 1 eine riesige Wiese ausmachen. Nichts deutet mehr darauf hin, dass hier während der NS-Zeit einmal ein nicht unbedeutender Flugplatz bestand. Gegenüber sind lediglich die eingewachsenen Fundamente eines Hangars zu sehen.


Für den Hobbyhistoriker Klaus Schriml war es wichtig, den „Einsatzhafen II. Ordnung“, wie er im militärischen Fachjargon genannt wurde, nicht in Vergessenheit geraten zu lassen. „Er ist Teil der Geschichte, die wir nicht vergessen dürfen“, betonte Schriml bei der Präsentation seines Erstlingswerkes. Zahlreiche Bürger und Interessierte ebenso wie Bürgermeister Josef Gilch waren gekommen, um von der akribischen Forschungsarbeit aus erster Hand zu hören.


Anfang des Jahres 1937 ließ das Luftkreiskommando München vor den Toren Ambergs den Gutshof Schafhof anpachten, um das Vorhaben zu tarnen. Nachdem das bewaldete Gelände gerodet war, erfolgte am 1. März 1937 der Spatenstich. Es entstanden drei Flugzeughallen und elf Baracken. Das Areal hatte anfangs eine Größe von 800 mal 600 Meter, später im Jahre 1947 war es 1100 mal 1100 Meter groß. In seinem Fachbuch „Im Fadenkreuz der Alliierten“ beschreibt Schriml die Entwicklungsgeschichte und die Bedeutung des Flugplatzes. Hier wurden bis 1939 über 200 Piloten auf Segel- und Motorfliegern ausgebildet. Anhand diverser Aufzeichnungen konnte der Autor mehr als 5000 Starts und Landungen nachweisen, wenngleich die Zahlen vermutlich viel höher anzusetzen sind, meinte der Sprecher. Daneben wurden während des Hitler-Regimes Jagdflugzeuge eingeflogen. Die legendäre Messerschmitt ME 109 wurde hier vor der Auslieferung an die Luftwaffe auf ihre Flugtauglichkeit geprüft. Allein von dem Jäger BF 109 konnte Schriml 1600 Starts und Landungen beziehungsweise über 800 Einflüge ermitteln. Hier war auch das Kampfgeschwader 300 „Wilde Sau“ stationiert.


Im Herbst 1938 geriet der Flugplatz erstmals ins Fadenkreuz von alliierten Aufklärern. Bis Ende des Krieges wurde das Areal fünfmal bombardiert. Beim letzten Angriff anfang April 1945 wurden mehrere geparkte Flugzeuge auf dem Flugfeld zerstört. Kurz darauf wurde das Gelände von den deutschen Truppen geräumt und zwei Tage später, am 18. April, wurden bis auf zwei Baracken alle Einrichtungen zerstört. Die amerikanischen Besatzungstruppen hatten daraufhin den Flugplatz bis 1948 besetzt, wusste Klaus Schriml zu berichten.


Wie das Gelände einst aussah, zeigten Schriml und sein Forschungskollege Birner in einem von ihnen angefertigten Diorama, welches im Veranstaltungshaus DomCom der Öffentlichkeit präsentiert wurde. Neben zahlreichen Bilddokumenten gab es auch einige Original-Fundstücke zu bestaunen, die bei der Begehung des Areals gefunden wurden beziehungsweise die sich im Besitz von Privatpersonen befinden.

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