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cameringo_20191118_073743 Weiterer Streik vor der Klinik Lindenlohe. Foto von ver.di

Erneuter 24-Stunden-Streik bei Asklepios in Lindenlohe

3 Minuten Lesezeit (684 Worte)
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Schwandorf. Fast 70 Beschäftigte waren dem Streikaufruf der Gewerkschaft ver.di, von heute 6 Uhr morgens bis zum 19.11.2019 um 6 Uhr morgens, im Rahmen eines erneuten 24-Std.-Streik gefolgt.

Bereits am Mittwoch, den 13. November 2019, hatte die Gewerkschaft ver.di die Beschäftigten der Asklepios Klinik Lindenlohe aufgerufen und ihre Sicht der strittigen Punkte dem Ostbayern-Kurier dargelegt. Hier geht´s zum Artikel.

„Heute haben wir unsere Streiks in Lindenlohe ausgeweitet und wir freuen uns, dass sich die Beschäftigten aus allen aufgerufenen Bereichen geschlossen an unserem heutigen Streik beteiligen" freut sich Gewerkschaftssekretärin Karin Wagner von ver.di Oberpfalz im Streiklokal Turmrestaurant Obermeier in Klardorf.

Damit sei das Signal an die Geschäftsführung verstärkt worden, endlich in Verhandlungen mit ver.di für einen Tarifvertrag einzusteigen. Mit den Worten „Wir danken für euer Engagement, euren Mut und eure Entschlossenheit" unterstreicht ver.di-Bezirksgeschäftsführer Alexander Gröbner die Bereitschaft der Streikteilnehmer*innen, nachdem bereits in der letzten Woche u.a. durch die Anordnung von Überstunden die Arbeitgeberseite in verschiedenen Maßnahmen die Belastungssituation für die Beschäftigten erhöht und nach Wahrnehmung von ver.di die ansonsten erfolgreichen Streiks versucht zu unterlaufen. „Das ist nicht selbstverständlich, jedoch ist es die einzige Möglichkeit, die Geschäftsführung wachzurütteln!" so Gröbner unter großem Beifall der Streikversammlung weiter.

Mit großer Sorge nehme ver.di erneut die Umgangsweise der Klinikleitung auch mit dem heutigen Streik war: Die Arbeitgeberseite versuche den Normalbetrieb in der Klinik aufrecht zu erhalten und somit das Streikrecht der Beschäftigten zu unterlaufen.



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„Nachdem die Geschäftsführung die Unterzeichnung der Notdienstvereinbarung verweigert hat, werden wir uns einseitig an die Einhaltung unserer Notdienstvereinbarung halten", so Alexander Gröbner (Geschäftsführer ver.di Bezirk Oberpfalz). Alles weitere bleibe einer rechtlichen Prüfung von Seiten der Gewerkschaft vorbehalten.

Insgesamt sei die Vorgehensweise der Geschäftsführung schwierig, hatte sie doch heute Morgen erneut die Streikposten vom Betriebsgelände verwiesen. „Über Stilfragen lässt sich trefflich streiten. Aus unserer Sicht ist dieses Vorgehen jedoch schon bemerkenswert im negativen Sinne!", betonte Marina Mühlbauer (Gewerkschaftssekretärin ver.di Oberpfalz).

Landesfachbereichsleiter Robert Hinke (ver.di Bayern), eigens aus München zur Streikversammlung angereist, legte als Verantwortlicher im Landesbezirk gemeinsam mit den Streikenden die weitere Vorgehensweise fest. „Wenn Asklepios nicht einlenkt, werden wir den Druck auf das Haus in Lindenlohe weiterhin aufrechterhalten und ggf. auch noch steigern!" so Hinke entschlossen. ver.di werde selbstverständlich im Sinne der Patientinnen und Patienten rechtzeitig über die weiteren Planungen informieren. „Wir wissen um die Schwierigkeit von Pflege-Streiks. Unsererseits haben wir jedoch in den vergangenen Monaten alles getan, um im Wege der Gespräche zu Verhandlungen für einen Tarifvertrag zu kommen. Leider verweigert sich die Geschäftsführung jeglichem substanziellen Gespräch. Deshalb hoffen wir auf das Verständnis der Bürgerinnen und Bürger in unserem Streit. Unser Ziel bleibt es auf dem Verhandlungswege zum Ziel zu kommen und einen tragfähigen Kompromiss zu erreichen!" erläutert Hinke

Neben den Streikenden hatte ver.di auch die politisch Verantwortlichen der Region aller Parteien eingeladen. Karin Frankerl (SPD) war dieser Einladung gefolgt und betonte in ihrem Grußwort die Wichtigkeit eines Tarifvertrages und die Unterstützung der regionalen Verantwortlichen der SPD an der Seite der Streikenden in Lindenlohe.

Hintergrund:

Die ver.di Mitglieder der Asklepios Klinik Lindenlohe haben sich bei der Urabstimmung mit 98,7% sehr eindeutig dafür entschieden, ihrer Forderung nach einer tariflichen Regelung der Arbeits- und Einkommensbedingungen auch über das Mittel des Streiks zu erkämpfen. Die Arbeitgeber hatten die Einladung von ver.di zu Tarifverhandlungen über einen Tarifvertrag wiederholt ausgeschlagen.

Im Vorfeld des Streiks hatte ver.di der Arbeitgeberseite eine Notdienstvereinbarung vorgelegt, um die Sicherheit der Patientinnen und Patienten an Streiktagen zu gewährleisten. Dabei sei die Gewerkschaft ver.di auf verschiedene Anmerkungen der Arbeitgeber in der Notdienstvereinbarung eingegangen.

Vor 15 Jahren wurde die Klinik Lindenlohe vom privaten Krankenhauskonzern Asklepios übernommen. Dieser Wechsel hatte für die Beschäftigten weitreichende Folgen, denn seit dem 01. November 2004 gilt für die Beschäftigten in der Asklepios Klinik Lindenlohe kein einheitlicher Tarifvertrag. Die Kolleginnen und Kollegen werden nach unterschiedlichen Regelungen entlohnt, es gelten verschiedene Urlaubsansprüche und selbst die wöchentliche Arbeitszeit ist nicht für alle gleich.

Regelungen zu Urlaubsansprüchen, wöchentlicher Arbeitszeit und Entgelt werden üblicherweise in Tarifverträgen zwischen den Tarifvertragsparteien – Gewerkschaft und Arbeitgeber - vereinbart. Diese Normalität verlangen auch die Beschäftigten der Asklepios Klinik Lindenlohe von ihrem Arbeitgeber Asklepios. Doch Asklepios verweigert sich Tarifgesprächen mit ver.di.

Tarifverträge in Bayern gibt es mit den Asklepios-Kliniken München-Gauting und Lindau.

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