257021598_290043 Auch am 05. Juli wird es wieder Demonstrationen geben, Symbolbild (c) by Fridays for Future

​Regensburg. Der Protest für ein autofreies Regensburg, das „Fridays for Future" umsetzen möchte, findet am Freitag satt. Einige kleine Änderungen gibt es aber.

​Am morgigen Freitag, den 05. Juli, ist es soweit: Für insgesamt zwei Stunden will „Fridays for Future" eine autofreie Regensburger Innenstadt umsetzen, indem sie mit Demonstrationen und Kundgebungen mehrere zentrale Punkte besetzen. Ziel der Aktion ist es, auf die angeblichen Vorzüge einer autofreien Innenstadt hinzuweisen, etwa auf eine höhere Lebensqualität. Zudem sollen im Rahmen des Aktionstags eine Reihe lokaler Forderungen präsentiert werden, wie ein wirksamer Klima- und Umweltschutz in Regensburg erreicht werden kann. Diese stünden im Einklang mit den Klimazielen von Paris.


Wie berichtet, waren zunächst acht Demonstrationen geplant, die sich entlang des Grüngürtels verteilen sollten. In Gesprächen mit den zuständigen Behörden, die insgesamt positiv verlaufen seien, habe man sich jedoch auf einige Anpassungen verständigt. Von weiteren Änderungen gehe man derzeit nicht mehr aus, denn versammlungsrechtlich seien diese auch nicht mehr angezeigt, schreiben die Organisatoren. Sollten kurzfristig doch noch Änderungen kommen, behalte man sich gegebenenfalls rechtliche Schritte vor. Konkret heißt das: Aus den bisher acht Kundgebungen wurden jetzt sogar neun Aktionen.

Eine Veränderung gibt es vor allem bei der Station, die bisher für die Wittelsbacherstraße vorgesehen war. Auf Wunsch des Ordnungsamts wird diese ein Stück näher an die Altstadt verlegt, so das Bündnis, um dem Wunsch der Behörden nachzukommen und diese für den Verkehr in den Westen freizugeben. Daraus ergibt sich eine neunte Kundgebung an der Helenenstraße; sie wird sich dort dem Thema Klimagerechtigkeit widmen, das stets berücksichtigt werden müsse.


Zwischenzeitlich hat die Stadt aber auch entschieden, dass die Zufahrt zur Altstadt teilweise freibleiben muss. Dem waren intensive Abwägungen vorausgegangen, um die Interessen von Verkehrsteilnehmern und Demonstranten in Einklang zu bringen. Im Einzelnen betrifft das die Jakobstraße, die D.-Martin-Luther-Straße sowie Wöhrdstraße. Wo diese Zufahrten beeinträchtigt sind, müssen entsprechende Umplanungen vorgenommen werden. 


Menschenkette entlang des Allengürtels

Die einzelnen Kundgebungen, die sich über die Regensburger Innenstadt verteilen, werden jeweils von verschiedenen kreativen Aktionen begleitet. Auf der Website futureforregensburg.de werden unter anderem eine Fahrradwerkstatt, eine nachhaltige Stadtführung, das Basteln von Plakaten und Kinderschminken sowie eine Müllsammelaktion angekündet. Für letztere ist um 15 Uhr Treffpunkt am Ostentor.

Darüber hinaus ist eine Menschenkette geplant, welche sich um den gesamten Alleengürtel ausdehnt. „Mit dieser Aktionsform wollen wir zum Ausdruck bringen", heißt es in einer Erklärung, „dass es uns nicht darum geht, einzelnen Autofahrern zu schaden." Vielmehr wolle man aufzeigen, „dass die Klimakrise eine große Gefahr für die gesamte Menschheit und somit auch für das Unesco Weltkulturerbe Regensburg darstellt und deswegen sofort gehandelt werden muss." Der Lückenschluss wird demnach um 16 Uhr erfolgen.

„Umwelt- und Lebensgrundlage" endlich retten

Der Aktionstag selbst beginnt um 14 Uhr, wenn sich die Aktivisten von „Students for Future" am Campus der Universität treffen. Von dort werden sie um 14.15 Uhr mit einem Demonstrationszug in Richtung Ernst-Reuter-Platz ziehen, bevor um 15 Uhr die neun dezentralen Kundgebungen entlang des Alleengürtels beginnen. Nach der Menschenkette, die sich um 16 Uhr schließen wird, führt schließlich ein Sternenmarsch von den einzelnen Kundgebungsorten zum Dom. Hier wird der Protest in einer zentralen Kundgebung münden, welche für 18 Uhr vorgesehen ist.

Mit diesem Protest wolle man die Stadt auffordern, endlich einen wirksamen Klima- und Umweltschutz umzusetzen, schreiben die Organisatoren in einem offenen Brief. „Nicht wir sind verantwortlich für eine Politik, die in den letzten Jahren vollkommen fehl gesteuert hat und uns alle in eine solch schlechte Ausgangslage für die Zukunft gebracht hat", heißt es darin. „Sie sind es, liebe Politikerinnen und Politiker."

Dabei beziehen sie die Stadtregierung in Regensburg ausdrücklich in ihre Kritik mit ein. „Aufgrund Ihrer fehlenden Visionen, liebe bunte Koalition, in den letzten fünf Jahren und der Ihren, liebe CSU, in den Jahren zuvor sind wir jetzt in einer solch verfahrenen Situation", klagen sie in dem offenen Brief. „Niemand scheint in dieser Region in der Lage zu sein, politisch Verantwortung übernehmen zu wollen." Es sei an der Zeit, diesem Problem höchste Priorität einzuräumen „und unsere Umwelt- und Lebensgrundlage zu retten".

Deshalb fordern die Demonstranten:

1. von Stadtrat und Kreistag, die Forderungen des Bürgerbegehrens „Radentscheid" direkt zu übernehmen;

2. kosten- und emissionsfreien öffentlichen Nahverkehr auf Straße, Schiene und Wasser und einen Stopp für große Investitionen in den motorisierten Individualverkehr;

3. Innerorts Tempo 30 in Regensburg;

4. Plus-Energie-Standard in der Bauleitplanung sowie eine höhere Sozialquote beim Wohnungsbau;

5. von allen Immobilienbesitzern, insbesondere von den großen Playern mit besonders ausgedehnten Dachflächen (wie BMW, Maschinenfabrik Reinhausen, Continental, Krones, Osram, Siemens, Infineon und Industrie- und Handelskammer und nicht zuletzt der Region Regensburg), Solaranlagen auf allen Dächern und Parkplätzen zu errichten;

6. Umrüstung der gesamten Straßenbeleuchtung auf LED bis Ende 2020;

7. mehr Grün- und Wasserflächen sowie essbare Pflanzen in öffentlichen Grünflächen und das Freihalten thermischer Entlastungsräume, um Hitzewellen abzufangen;

8. von der öffentlichen Hand und dem Studentenwerk, nur noch nachhaltiges Essen (biologisch erzeugt, regional, vorwiegend vegetarisch-vegan) anzubieten.