Hainsacker: Latentes Explosions-Risiko

Hainsacker: Latentes Explosions-Risiko

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Die Rüstungsaltlast Hainsacker hat in den letzten Jahren immer wieder für Schlagzeilen gesorgt. Hatte dabei in Zusammenhang mit den Altlasten im Boden stets die Wasserproblematik im Vordergrund gestanden, rückte jetzt bei der jüngsten Sitzung der im Dezember 2014 gegründeten Projektgruppe, die sich mit der Aufarbeitung der Altlasten im Boden befasst, ein Experte für Kampfmittelbeseitigung die Aufmerksamkeit auf ein anderes Problem. Bedingt durch mittlerweile Jahrzehnte andauernde Zersetzungsprozesse bei den im Boden lagernden Kampfmitteln verstärke sich zunehmend die Wahrscheinlichkeit, dass auch geringe äußere Einwirkungen Folgen haben könnten, gab Thomas Hennicke (Weimar) vom gleichnamigen Ingenieurbüro zu bedenken. Dies könne seiner Einschätzung zufolge etwa der Fall sein, wenn Forstarbeiten durchgeführt würden oder es zu starken Erschütterungen komme.

Das staatliche Forstamt, ebenfalls Mitglied der Projektgruppe, hat deshalb für den von ihm verwalteten Teil der Waldflächen Konsequenzen gezogen und die Forstarbeiten vorerst ausgesetzt.

Aufgrund dieser neuen Entwicklung fand nun eine gemeinsame Besprechung von Landratsamt Regensburg und Markt Lappersdorf mit dem Sachgebiet Öffentliche Sicherheit und Ordnung bei der Regierung der Oberpfalz statt. Der für Fragen der Kampfmittelräumung zuständige Vertreter der Regierung gab die Empfehlung, eine Fachfirma mit der Erstellung eine Gefährdungsabschätzung zu beauftragen. Dabei soll untersucht werden, ob und wenn ja innerhalb welchen räumlichen Umgriffs mit Gefahren zu rechnen ist. Sollte aufgrund dieses Gutachtens vom Vorliegen einer erheblichen Gefahr auszugehen sein, werden gegebenenfalls sicherheitsrechtliche Konsequenzen zu ziehen sein. Gestützt auf Art. 26 des Bayerischen Landesstraf- und Verordnungsgesetzes könnte vom Markt Lappersdorf etwa das Betreten des Gefährdungsbereichs untersagt werden.

Sofern die angesprochene Gefährdungseinschätzung zu einer erheblichen Gefahr aufgrund von Kampfmitteln kommt, wird außerdem zu prüfen sein, ob anstelle der ursprünglich geplanten (bloßen) Bodensanierung zusätzlich auch eine Kampfmittelräumung durchgeführt werden muss.

Unabhängig von dem zu beauftragenden Gutachten und den sich hieraus gegebenenfalls ergebenden Konsequenzen warnt der Markt Lappersdorf bereits jetzt durch entsprechende Schilder, die an den beiden Wandererparkplätzen angebracht sind, vor den von Kampfmitteln ausgehenden Gefahren. Der Markt wird noch weitere Schilder auf den verschiedenen Zuwegungen zum Areal anbringen. Er wird außerdem die Eigentümer der forst- und landwirtschaftlichen Flächen im Umkreis der ehemaligen Sprengflächen informieren. Bürgermeister Christian Hauner kündigte außerdem an, das Thema in der nächsten Sitzung des Marktgemeinderats anzusprechen.

Das Landratsamt Regensburg und der Markt Lappersdorf warnen in diesem Zusammenhang ausdrücklich davor, Gegenstände auszugraben oder in die Hand zu nehmen. Wer einen verdächtigen Gegenstand findet, soll unverzüglich die nächste Polizeidienststelle oder den Markt Lappersdorf benachrichtigen.

Das Aufstellen von Warnschildern im Bereich der Rüstungsaltlast Hainsacker ist bereits einmal erfolgt, und zwar durch den Markt Lappersdorf – allerdings in einem anderen Zusammenhang. Im Juli 2014 waren Bedenken laut geworden, dass Waldfrüchte und Beeren in diesem Gebiet mit Abbauprodukten der Sprengstoffaltlast belastet sein könnten. Das Landratsamt Regensburg hatte daraufhin Proben aus diesem Waldstück ziehen und durch ein Labor in Wiesbaden untersuchen lassen. Nachdem alle Werte dieser zu diesem Zeitpunkt mit bestmöglichen Messmethoden durchgeführten Untersuchungen unter der Nachweisgrenze lagen, wie Dr. Reinhold Schoierer als Leiter der Lebensmittelüberwachung im Landratsamt damals bekanntgab, konnte Entwarnung gegeben werden.

Hintergrund: Die Projektgruppe „Rüstungsaltlast Hainsacker“ trifft sich in regelmäßigen Abständen und befasst sich mit der Aufarbeitung der vorhandenen Altlasten. Der Projektgruppe gehören das Landratsamt Regensburg als für den Bodenschutz zuständige Behörde, der Markt Lappersdorf als zuständige Sicherheitsbehörde, das Wasserwirtschaftsamt, das Amt für Ernährung, Landwirtschaft und Forsten (Bereich Forsten) sowie die REWAG KG an.


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