Wei-Johann - Johann Weiß fiel im Westfeldzug bei Dünkirchen. Fotos von Hans-Peter Weiß

Heimatkundlicher Arbeitskreis initiierte Vortrag zum Beginn des 2. Weltkrieges

3 Minuten Lesezeit (648 Worte)

Steinberg am See. Als vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg begann, mussten über 60 junge Männer aus Steinberg ins Feld ziehen. Die Geschichte dieser Soldaten, von denen mehr als die Hälfte die Heimat nicht wieder sah, beleuchtete Jakob Scharf, Heimatpfleger und Vorsitzender des Heimatkundlichen Arbeitskreises (HAK), bei einem Vortrag im Braunkohlemuseum.

„80 Jahre - Beginn Zweiter Weltkrieg aus Steinberger Sicht" lautete das Thema eines HAK-Bildvortrages durch seinen Vorsitzenden und Ortsheimatpfleger Jakob Scharf. Dieser erinnerte vor allem an die Gefallenen und Vermissten aus Steinberg, Oder und Holzheim, wobei er an alle appellierte, aktiv für den nicht selbstverständlichen Frieden etwas zu tun und dem aufkeimendem Rechtsradikalismus mit aller Entschiedenheit entgegenzutreten.


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Der Referent ging eingangs auf die politische Situation in den 1930er Jahren ein. Mit Bildern von Wahlkampfplakaten wurde an die freie Wahl von 1932 erinnert, bei der Adolf Hitler an die Macht kam. Rund 37 Prozent der Deutschen gaben damals der NSDAP ihre Stimme, während demokratische Parteien wie die SPD oder das katholische Zentrum zusammen weniger erreichten. Auch die Kommunistische Partei hatte über 14 Prozent erreicht. „So sei Adolf Hitler durch die Ernennung zum Reichskanzler durch Reichspräsident Hindenburg auf legale Weise an die Macht gekommen, obwohl er von der deutschen Bevölkerung dafür nicht gewählt wurde", betonte Scharf.

Man könne in manchen Landstrichen Deutschlands heute insofern Parallelen zur Zeit vor 1933 ziehen, weil auch hier die etablierten Volksparteien zuletzt weniger Zustimmung fanden „als die rechten und linken Ränder", deren Parteien nach Ansicht von Scharf, trotz totaler ideologischer Gegensätze, Ähnlichkeiten zwischen ihren extremistischen Flügeln erkennen lassen." Das abgedroschene Wort vom Lernen aus der Geschichte gilt heute mehr denn je", warnte der Kreisheimatpfleger 80 Jahre nach Kriegsbeginn, ehe er konkret auf die Situation in Steinberg im Jahr 1939 einging.

An einem Septembersonntag traten Schwandorfer Parteifunktionäre plötzlich in das Gasthaus Fenzl, unterbrachen das Kartenspiel und verlasen 20 Namen mit dem Einberufungsbefehl für den Tag darauf. Damit begann auch für die jungen Steinberger der Krieg. 

Der erste Steinberger, der für „Führer, Reich und Vaterland" starb, war Johann Weiß, der mit 27 Jahren in den Gefechten bei Dünkirchen fiel. Schwer getroffen hatte es die Familie Karg. Sie verlor die Söhne Max, Karl und Xaver. Deren Schwester Maria Schmidt kam bei einem Fliegerangriff in Nürnberg ums Leben. Zu den wohl jüngsten Opfern zählten Georg und Alois Mühl. Sie starben im Blütenalter von 17 und 19 Jahren auf dem Feld der Ehre. Ludwig Wagner war mit 30 Jahren der älteste Gefallene. Neun Tage nach seiner Heimkehr in die Heimat starb Xaver Hummel, am 17.November 1945, an seinen schweren Verletzungen. 

„Wie überall in Deutschland hat dieser sinnlose hohe Blutzoll viel Leid über den damals rund 500 Einwohner zählenden Ort gebracht", betonte der Chronist. Fast alle vom Referenten gezeigten Feldpostbriefe an die Eltern oder die Braut schlossen mit „Auf Wiedersehen", das es für viele nicht mehr gab. Von den 61 Kriegsteilnehmern waren am Ende über die Hälfte davon gefallen, beziehungsweise 16 kehrten als Vermisste nicht mehr in ihre Heimat zurück.

Viele Veränderungen gab es auch im Ort selbst. Die beiden Radfahrvereine „Solidarität" und „Concordia" wurden ebenso aufgelöst wie der Katholische Knappenverein in Wackersdorf, während judenfeindliche Aktionen oder Übergriffe durch Nazis im Gemeindebereich nicht zu beklagen waren. Lediglich Benefiziat Alfons Beck wurde wegen einer kritischen Predigt bei der Nazi-Partei denunziert. „Hausdurchsuchungen und Verhöre durch die Gestapo brachten aber nichts Belastendes zu Tage", betonte Jakob Scharf. Im Gemeindebereich Oder jedoch wurden führende Mitglieder der Bayerischen Volksparteidurch bewaffnete SA-Männer verhaftet und ein Sozialdemokrat wurde sogar kurzfristig in ein Konzentrationslager gebracht. 

Von den 200 eingerückten BBI-Bergleuten kehrten 49 nicht mehr aus dem Krieg zurück. Ihnen wurde vor einigen Jahren vor dem Museum ein Denkmal gesetzt.


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