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DSC_0719 Leonie Flachsmann leitet die Schwandorfer Stadtbibliothek.

Herrin der Bücher

4 Minuten Lesezeit (783 Worte)
Empfohlen 

Schwandorf. Leonie Flachsmann ist der neue Kopf der Schwandorfer Stadtbibliothek. Bei ihrer Arbeit hält sie an Bewährtem fest, setzt aber auch neue Schwerpunkte – vor allem bei der Leseförderung. Ein Besuch.

Der Stabwechsel in der Schwandorfer Stadtbibliothek ist geglückt. Vor sieben Monaten trat Leonie Flachsmann dort ihre Stelle als neue Leiterin an, nachdem sich ihr Vorgänger Alfred Wolfsteiner nach fast 36 Dienstjahren in den wohlverdienten Ruhestand verabschiedet hat. Seitdem konnte sich die gebürtige Baden-Württembergerin schon gut in ihre Aufgabe einarbeiten. „Ich bin wirklich superglücklich mit der Stelle", schwärmt sie im Gespräch mit dem Ostbayern-Kurier. „Wir haben hier ein sehr hilfsbereites Team und einen sehr freundlichen Kundenstamm. Da fühlt man sich sofort wohl, wenn man reinkommt." 

Auch beruflich ist die Tätigkeit in Schwandorf für sie ein Glücksfall. Flachsmann hat ihre Begeisterung für das Bibliothekswesen erstmals in der Schulzeit entdeckt – in der dortigen Schulbücherei. Nach dem Abitur und einer kaufmännischen Ausbildung studierte sie dann selbst Bibliotheks- und Informationsmanagement in Stuttgart, es folgten ein Bachelorabschluss sowie ein Master mit dem Schwerpunkt Marketing. In der Großen Kreisstadt, sagt Flachsmann, könne sie beide Profile perfekt miteinander vereinen: die klassische Bibliotheksarbeit und die Leitungsarbeit. „Es ist wirklich unheimlich schön, dieses Wissen kombiniert einbringen zu können", berichtet sie mit spürbarer Begeisterung.

Bewährtes und Innovatives

Rund sechs Wochen hatte sie damals Zeit, an der Seite von Alfred Wolfsteiner die Abläufe in der Schwandorfer Bibliothek kennenzulernen, dann musste sie die Aufgabe pünktlich zum 1. August bereits eigenständig übernehmen. Es ist gewiss kein leichtes Erbe, das die junge Bibliothekarin in der Großen Kreisstadt angetreten hat. In seinen 36 Jahren hat ihr Vorgänger die Einrichtung zu einer wichtigen kulturellen Instanz entwickelt, ja sie mit seinem Herzblut und seiner Leidenschaft entscheidend geprägt. Es war Wolfsteiner, der die Bücherei in vielen Bereichen als Vorreiter etablierte – zum Beispiel bei der gezielten Leseförderung, die ihm seit jeher ein wichtiges Anliegen war.

Doch Flachsmann sind die großen Fußstapfen wohl bewusst, in die sie tritt. Und sie hat durchaus nicht die Absicht, revolutionäre Veränderungen vorzunehmen. Bei ihrer Arbeit setzt sie vielmehr auf eine ausgeglichene Mischung aus Bewährtem und neuen, innovativen Ansätzen. „Bücher werden immer da sein", sagt sie etwa mit Blick auf die zunehmende Verbreitung von E-Books. „Eine andere Welt möchte ich mir gar nicht vorstellen." Dennoch wird das Digitale in der Stadtbibliothek künftig auf zwei Ebenen eine wichtigere Rolle spielen, verrät sie im Gespräch.

Synergieeffekte nutzen

Einerseits sollen interne Prozesse „angepasst und digitalisiert" werden. Als Beispiel führt Flachsmann die Wünsche der Leser ins Feld, die sie der Bibliothek zur Bestellung vorschlagen können. Durch eine digitale Erfassung sollen die Kunden so die Möglichkeit erhalten, den gesamten Prozess – vom Eingang bis zur Entscheidung – direkt nachzuvollziehen. Damit soll das Angebot noch besser auf den jeweiligen Nutzer abgestimmt werden. Andererseits will Flachsmann vor allem bei Kindern auf Synergieeffekte setzen, das heißt auf das Zusammenspiel von digitalen und analogen Medien, um gezielt für Bücher zu begeistern.

Dabei spielen die „Tiger Books" eine wichtige Rolle, ein spezielles App-Angebot, in der Bücher aller namhaften Kinderbuchverlage vertreten sind. Auf dem Tablett oder Smartphone stehen die Titel dann als interaktive Bücher zur Verfügung; sie können durch die jungen Leser also bewusst erkundet werden. In der Stadtbibliothek kann das eigentlich kostenpflichtige Angebot, das unter ihrer Leitung eingeführt wurde, für einen zweiwöchigen Zeitraum gratis genutzt werden, auch bequem von zu Hause aus. „Das ist ein gutes Instrument", ist Flachsmann überzeugt, „um über das elektronische Medium an das Buch heranzuführen."

Leseförderung wird intensiviert

Denn die klassische Leseförderung wird nicht nur ein Schwerpunkt ihrer Arbeit bleiben, sie soll in der nächsten Zeit sogar noch intensiviert werden, wie die Bibliothekarin betont. Dazu sind eine Reihe innovativer Strategien in der Planung oder Umsetzung, etwa die sogenannten Themenboxen, in der für Kinder spannende Bücher zu jeweils einem bestimmten Thema zusammengestellt sind. Es soll die Lust am Entdecken fördern, die Begeisterung, sich in ein gewisses Thema einzulesen. Zudem wird für Schulklassen neuerdings Schritt für Schritt eine eigene Bibliotheksrallye eingeführt: Unter Anleitung eines Mauseprofessors werden die Kinder so auf spielerische, lustige Weise an den Bestand heran- und auf Erkundungsreise durch die Einrichtung geführt. Der Spaß beim Entdecken ist schließlich die beste Grundlage – so der Hintergedanke –, damit die Kinder gerne wieder in die Bücherei kommen.

Es gibt sicher manches, das Flachsmann grundlegend modernisiert, und es gibt sicher manches, das sie anders macht als ihr Vorgänger. Das ist nur natürlich – und sogar notwendig –, um stets eine moderne und gut aufgestellte Bibliothek anbieten zu können, die ihre Nutzer gerne aufsuchen. So viel aber steht fest: Mit Leonie Flachsmann hat Wolfsteiner eine ideale und zeitgemäße Nachfolgerin gefunden, bei der die Stadtbibliothek – auch mit Blick auf zukünftige Herausforderungen – in guten Händen ist. Um deren Zukunft brauchen sich die Schwandorfer nicht zu sorgen.


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