Anzeige
Ausstellung „Blickkontakte“ in der Bezirkshauptverwaltung

Ausstellung „Blickkontakte“ in der Bezirkshauptverwaltung

4 Minuten Lesezeit (790 Worte)

Bis 1. Juli ist in der Bezirkshauptverwaltung in Landshut die Ausstellung „Blickkontakte“ mit Fotografien von Vera Bosdorf aus Landshut und lithografischen Werken des Landauers Thom Kinzel zu sehen. Bei der Vernissage Ende April betonte Bezirkstagspräsident Dr. Olaf Heinrich, die Relevanz des Blickkontakts als zentrales Element der nonverbalen Kommunikation.

„Die gezeigten Werke sind in zwei gänzlich unterschiedlichen Kunstrichtungen angesiedelt. In der Ausstellung fügen sie sich dennoch zu einer stimmigen Gesamtkomposition zusammen: Sie zeigen sowohl die sichtbaren als auch verborgenen Elemente der verbalen und der nonverbalen Kommunikation und die dahinter verborgenen Aussagen.“ 

Vera Bosdorf, gebürtige Düsseldorferin, promovierte Chemikerin und seit acht Jahren als Schmuckkünstlerin mit eigenem Atelier in Landshut tätig, stellt in der Bezirkshauptverwaltung Porträts mit „sprechenden Zensurbalken“ aus. Die Künstlerin hatte für das Fotoprojekt Personen, die ihren Weg kreuzten, aufgefordert, vorbereitete Texte spontan auszuwählen und als Zensurbalken für das Foto zu benutzen. Dabei hatten die Fotografierten die Wahl zwischen zahlreichen Aussagen, Fragen, Befehlen oder auch Abkürzungen aus der Sprachkultur der Jugend. Es interessierte Vera Bosdorf vor allem, welche Sprüche wie oft gewählt wurden und wie die Menschen beim Fotografieren damit umgingen. So entstand eine Reihe einzigartiger Bilder und Collagen mit unterschiedlichen Aussagen. „Die Spontanität stand im Mittelpunkt“, betonte die Künstlerin. Und: „Es fällt auf, dass trotz des Zensurbalkens die Person gut zu identifizieren ist. Da meist die Augen verdeckt sind, werden die anderen Gesichtsmerkmale verstärkt.“ 

Um den Blickt geht es auch bei den Werken, die Thom Kinzel zeigt: „Gerade wenn es um den Blick der Figuren in meinen Bildern geht, sind selbst winzige Veränderungen in der Wirkung gravierend“, sagte der Künstler. Sein Katalog zur aktuellen Ausstellung trägt den Titel „Eine lange Reise“. „Während der Reise kann sich der Blick für die Welt und für die Menschen, verändern. Die Eindrücke, die aufgenommen werden, werden vielfältiger“, so Bezirkstagspräsident Dr. Heinrich. Dem stimmte auch Thom Kinzel zu: „Ich sehe die Kunst als eine Reise. Alles, was ist erlebe, beeinflusst mein Kunstschaffen.“ Der Künstler, der in Landau a. d. Isar geboren und zuhause ist, hat trotz seiner jungen Jahren bereits mehrere Preise gewonnen: Unter anderem den Jugendkulturpreis Dingolfing-Landau und den Sparda-Bank Kunstpreis Amberg. Er studierte an der Universität Eichstätt-Ingolstadt Kunst und Englisch, ist seit 2012 freischaffender Künstler, seit 2014 als Dozent für Lithografie und Grafik an der Universität Eichstätt-Ingolstadt tätig und erweiterte im vergangenen Jahr sein Atelier um den Bereich Lithografie mit der ehemaligen Lithopresse von Günther Filus. 

Der Maler und Grafiker Helmut Seidel, der die Laudatio auf Thom Kinzel hielt, sieht in ihm „den Zeichner, den Maler, den Druckgrafiker, der sich nicht einordnen und nicht kategorisieren lassen will. Als Surrealist wurde er mit vorgestellt. Trotz der vorgefertigten Einordnung waren seine Arbeiten viel mehr Blicke wert. In seinen Gemälden ist hinter und über allem ein Augenzwinkern, ein schelmenhaftes Spiel mit Zeichen, Elementen und Worten. Ein Spiel mit dem Betrachter.“

Mit Sprache spielt Vera Bosdorf, betonte Annette Ody, Leiterin der Keramikschule Landshut, die die Laudatio für Vera Bosdorf hielt. Ody hob die Poesie, den sprachlichem Individualismus, die Kreativität und den Einfallsreichtum von Vera Bosdorf hervor: Dies alles zeige sie bei den Namen für ihre Schmuckobjekte, bei den Ausstellungen in ihrem eigenen Atelier, bei Gesprächen mit Menschen und nun beim Fotoprojekt mit den sprechenden Zensurbalken. „Der schwarze Streifen ist ein bekannter Zensurbalken, der immer auch in einer Verbindung zur Aussage eines Fotos und der dazugehörigen Kommunikation zu sehen ist. Ein Zensurbalken ist eine tragische Figur in der Ikonografie der Fotoberichterstattung“, so Ody. Im Zusammenhang mit aktuellen Medienberichterstattungen und Diskussionen um Daten- und Persönlichkeitsschutz „bekommen die Aussagen auf den Zensurbalken der Fotoportraits von Vera Bosdorf eine ganz eigene Dimension. Die Arbeit ist ein hochpolitisches Werk, das wichtige Denkanstöße gibt.“ Ody verband die Laudatio auch mit der Forderung, die Freyung in Landshut mehr aufzuwerten und Künstlern in der Stadt mehr Möglichkeiten zu bieten: „Vera Bosdorf ist die einzige Kunsthandwerkerin, die an einem der stadtarchitektonisch reizvollsten Plätze in Landshut angesiedelt ist. Es ist schade, dass sie hier die einzige ist. Ich empfinde es als eine Unterlassungssünde, dass die baulich gewachsene Potenz der Freyung immer noch nicht als mögliche touristische Preziose für die Ansiedlung von Kleingewerbe und Kunsthandwerkern erkannt wurde“, so Annette Ody. „Landshut hat bis heute kein Atelierhaus für seine Künstler. Landshut ist seit 1875 eine bekannte Keramikstadt und hat dennoch bis heute keine zentral gelegene städtische Keramikwerkstatt mit Schauraum für die Präsentation des Querschnitts aus den ansässigen Keramikwerkstätten aus dem Landshuter Kreis. Die Freyung würde mit einer eigenen verlockenden Welt aus Galerien, Kunsthandwerkern, Kleinkunst- und Alternativszenerien dem Profil Landshuts ein sehr attraktives Outfit verleihen.“

Die Ausstellung in der Bezirkshauptverwaltung, Maximilianstraße 15, 84028 Landshut, ist bis 1. Juli 2016 zu sehen. Die Öffnungszeiten sind an Werktagen: Montag bis Donnerstag 9 bis 15.30 Uhr, Freitag 9 bis 12 Uhr; zudem am Samstag, 11. Juni von 13 bis 16 Uhr und nach Vereinbarung.

Anzeige

Updates abonnieren Abo beenden Drucken

Ähnliche Beiträge

By accepting you will be accessing a service provided by a third-party external to https://www.ostbayern-kurier.de/

Region Schwandorf

16. Juli 2020

Noch im Juli dieses Jahres beginnen die Sanierungsarbeiten an einem Teilabschnitt der Herbststraße in Wackersdorf.

15. Juli 2020
Lesen und tolle Preise gewinnen! In Wackersdorf und Steinberg am See findet auch in diesem Jahr wieder der Sommerferien-Leseclub statt! Die Anmeldung ist ab sofort möglich!...
15. Juli 2020


In der Nacht von Montag auf Dienstag wurden erneut mehrere Fahrräder auf einem Campingplatz in Blechhammer entwendet.

15. Juli 2020
Steinberg am See. In rekordverdächtiger Zeit ist die Kompletterneuerung der Pfarrer-Gschwendtner-Straße abgeschlossen worden. Bürgermeister Harald Bemmerl und die bauausführenden Firmen zeigten sich bei der Abnahme mit dem Zeitablauf und der Einhaltu...
14. Juli 2020
Nach über vier Monaten Pause startet das OVIGO Theater wieder durch. Mit der „Zeitreise" gibt es ein völlig neues Produktionskonzept für die Theatermacher: geführte Wanderungen zu sagenhaften Orten, garniert mit spannenden Schauspiel-Szenen. Die erst...
14. Juli 2020
Lesebegeisterte in Wackersdorf dürfen sich auf neue Bücher freuen: Die Bücherei Wackersdorf erhält eines von 50 mit jeweils 1.000 Euro dotierten „Lesezeichen". Wolfgang Dumm, Kommunalbetreuer des Bayernwerks, hat den Preis an Christina Kostka, Leiter...
Anzeige

Amberg, Sulzbach-Rosenberg

13. Juli 2020
Sulzbach-Rosenberg. Über die Integrierte Leitstelle Amberg ging am Montagmorgen (13.07.2020) bei der örtlichen Polizeidienststelle die Meldung ein, dass auf der Rosenbachstraße (Staatsstraße 2040) unterhalb der sogenannten Maintenon-Brücke eine Bitum...
12. Juli 2020
Sulzbach-Rosenberg. Alle, die heuer das Corona-Virus um einen oder zwei Küchel auf dem Altstadtfest gebracht hat, erfahren jetzt eine schmackhafte Genugtuung: Am Samstag, 18. Juli, geht es um ganz besonderen Kaffee, Küchel-Genuss zugunsten eines...
08. Juli 2020
Freudenberg. Ein Unbekannter verletzte eine Stute in der Nacht von Montag auf Dienstag (06.07.2020, 22.30, bis 07.07.2020, 6 Uhr) in einem Pferdestall in Hötzelsdorf schwer. Er schlitzte das Tier an mehreren Stellen auf....
02. Juli 2020
Ebermannsdorf/Kümmersbruck: Ein entlaufener Chihuahua sorgte am Montagabend für Aufregung. Bereits zwei Mitteilungen über den Hund gingen bei der Polizei ein, da er in Lengenfeld immer wieder auf der Vilstalstraße umherlief und beinahe überfahren wor...
30. Juni 2020
Sulzbach-Rosenberg: Die Anwohnerin eines Hauses am Luitpoldplatz rief am Dienstagvormittag besorgt bei der Polizei an und bat diese um Hilfe, da es sich ein fremder Schäferhund vor ihrer Haustüre bequem gemacht hatte und keine Anstalten machte, jeman...
29. Juni 2020

Statt sportlich mit dem Auto seine Runden zu drehen ist für Manche nun konventioneller Sport per pedes angesagt. 

Für Sie ausgewählt