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Allerlei skurrile Kundschaft für die Polizei

Allerlei skurrile Kundschaft für die Polizei

4 Minuten Lesezeit (877 Worte)

Bild: (c) rike, pixelio.de  -  „Guten Abend Leute“ - so begrüßte uns der Dienstgruppenleiter zur beginnenden Nachtschicht. Wir, das waren weit über dreißig Männer, die vor rund 40 Jahren bei der Polizeidienststelle in Nürnberg-Ost die Nachtschicht begannen. Und es sollte eine ereignisreiche Nacht werden.

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Die Einsatzmaßnahmen wurden durchgesprochen und wir wurden über aktuelle Ereignisse in Kenntnis gesetzt. Unter anderem waren seit drei bis vier Tagen vermutlich Männer unterwegs, die verchromte Autospiegel abrissen und zum Teil entwendeten. Damals gab es ja noch keine elektrisch einstellbaren, beheizten und einklappbaren Außenspiegel. Die zum Teil sehr massiv angebrachten Spiegel verursachten beim gewaltsamen Entwenden starke Schäden an den Fahrzeugen.

Zurück zur Besprechung, die immer mit der Einteilung der Streifenpartner endete. Mir zugeteilt wurde ein Kumpel. Wir waren auch privat befreundet, da wir im gleichen Ort, rund 120 Kilometer von Nürnberg entfernt, wohnten. Beide wechselten wir uns immer mit den Anfahrten zur Dienststelle und zurück ab. So war auch diese Nachtschicht schon „auf unserer Seite“. Zumindest auf meiner Seite, da Walter - so hieß mein Streifenpartner - ein großer, kräftiger und extrem muskulöser „Hühne“ war.

Warum mich diese Diensteinteilung noch besonders freute, war die Tatsache, dass Walter nicht gerne Auto fuhr, ich hingegen ein autoverrückter Zeitgenosse war. Schließlich kam ich aus der Geburtsstadt des besten und wohl bekanntesten Rallyefahrers der Welt, Walter Röhrl. Allerdings - der hatte ein extrem potentes Gefährt unter seinem Hintern, wir dagegen einen dreigängigen, lenkradgeschaltenen Opel Rekord... Sehr stabile und äußerst robuste Fahrzeuge, die man schon mal auch ohne Kuppeln schalten konnte.

Die Nacht begann ruhig: mit einer nach 22 Uhr etwas lautstarken „Kneipen-Heimkehrergruppe“, die mit ein paar lockeren Worten zum Leisesein aufgefordert werden musste. Einen jungen Zecher, der gerade zu seinem Auto ging und versuchte, seinen Wagen mittels des Schlüssels zu öffnen (ferngesteuerte Türöffnungssysteme gab es damals noch nicht) hinderten wir daran. Nach eindringlichem und auch guten Zureden unsererseits gab er den Schlüssel freiwillig in unsere Obhut. Zum Dank dafür, dass er so kooperativ gewesen war, fuhren wir ihn mit dem Streifenwagen nach Hause.

Es war eine kalte Herbstnacht und an den parkenden Autos konnte man schon die angelaufenen Front- und Heckscheiben wahrnehmen. Die liefen alsbald auch bei uns im grünen Polizeiauto an. Diesmal aber innen. Was war passiert? Walter und ich kurbelten - elektrische Fensterheber gab es noch nicht - die Seitenfenster herunter. Das Anlaufen der Scheiben wurde durch die extreme Ausdünstung des mitfahrenden Probanden verursacht.

Nur der ausgehauchte Alkoholdunst des Mitfahrers war dies wohl nicht, da war doch ein anderer, äußerst starker und - man darf es wohl schreiben - fäkaler Geruch in der grünen „Kapsel“ mit Blaulicht auf dem Dach.

Das war dann auch das Stichwort: „Blaulicht“. Mit Sonderrechten, so nennt man das auch heute noch, „flogen“ wir zum Wohnsitz des „Duftenden“. Schnellstmöglich versuchten wir, ihn los zu werden. Anschließend fuhren wir weiter Streife - mit allen zu öffnenden Möglichkeiten, um uns der für uns ungewohnten Düfte zu entledigen. Das war nicht unser Parfüm.

Der Genuss währte nicht lange. Über Funk kam die Meldung, dass im Bereich der Frauentormauer ein Freier wohl mit den angebotenen Leistungen einer „leichten“ Dame unzufrieden war. Als wir ankamen, hatten sich wohl der „Freund“ und der Freier bereits gütlich geeinigt. Der Freier, so hieß es, sei in das nächste Etablissement verschwunden.

Nach kurzer Feststellung der Personalien der noch Anwesenden, setzten wir unsere Kontrollfahrt fort. Erst als Walter eine rauchen wollte, stellten wird beim Aussteigen fest, dass die blaue Kuppel unseres Blaulichts abgeschraubt worden war!

Gut, wir waren gerüstet, auf der Dienststelle war immer für solche Fälle ein Ersatz vorhanden. Und endlich hatten wir nun das Gefühl, dass die ruhigere Zeit anbrach. Schließlich war es ja schon drei Uhr morgens durch. Doch da lagen wir falsch.

Ein erneuter Funkruf, diesmal an alle verfügbaren Streifenwagen: Der Kollege in der Einsatzzentrale war voller Energie und extrem aufgeregt. Ich glaube, hätte man ihn zu diesem Zeitpunkt gefragt, er wäre selbst in einen Funkwagen gesprungen und mitgefahren. Der „Außenspiegel-Abreißer“ war wieder unterwegs.

Mit Blaulicht, aber ohne Martinshorn und blaue Kappe auf dem Dach fuhren wir in die Richtung, wo der Täter sein Unwesen trieb. Schnell hatten wir die Örtlichkeit erreicht - geneigter Leser, man denke an die ersten Zeilen, ich bin auch in Regensburg geboren, deshalb die schnelle Fahrt.

Mein Streifenpartner entdeckte den Übeltäter sofort, ich hielt an, Walter sprang aus dem Streifenwagen und setzte dem etwas hager wirkenden Mann, hinterher. Ich hingegen befuhr die nächste Seitenstraße - schließlich musste der Wagen von Polizeibeamten anständig geparkt werden - sprang heraus und lief den beiden mit der Pistole in der Hand hinterher.

Ich hielt den Lauf in Richtung des freien, sternenklaren Himmels und bei gleichzeitigem Rufen „Halt, Polizei“, schoss ich in die Luft. Die beiden waren kurz vorher um eine Ecke verschwunden.

Als ich keuchend an die Stelle kam, lag mein Kollege auf dem Bauch vor mir und -ich traute meinen Augen nicht - darunter lag der etwas schmächtigere Mann, in der Hand noch einen verchromten Autospiegel, und atmete schwer unter Last des Kollegen.

Auf der Dienststelle angekommen wurde der Mann den zuständigen Kollegen übergeben. Walter „bedankte“ sich bei mir, mit einem nicht gerade sanften „Pufferer“ und meinte “Des machst net nomal, als der den Schuss gehört hat, is er sofort stehnbliebn“. Na klar, und dann kam die Trägheit der Masse...

 

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