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Bibliotheksleiter Wolfsteiner ist in Ruhestand gegangen

Bibliotheksleiter Wolfsteiner ist in Ruhestand gegangen

3 Minuten Lesezeit (647 Worte)

Schwandorf. 35 Jahre stand Alfred Wolfsteiner an der Spitze der Stadtbibliothek Schwandorf – jetzt hat er zum 01. August den wohlverdienten Ruhestand angetreten. Mit seinem Herzblut und seiner Leidenschaft hat er die Einrichtung auf entscheidende Weise geprägt.

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Alfred Wolfsteiner ist Bibliothekar aus Leidenschaft, ein belesener und engagierter Mensch, dessen Begeisterung ansteckend ist. „Mein Berufswunsch war es schon immer, etwas mit Büchern zu machen“, verrät er im Gespräch mit dem Ostbayern-Kurier. „Das hat mich einfach fasziniert.“ Nach dem Abitur und Grundwehrdienst stand dann schnell fest, dass er eine Laufbahn als Bibliothekar einschlagen wird. An der bayerischen Beamtenfachhochschule für Archiv- und Bibliothekswesen erlernte er das nötige Handwerk, arbeitete später an der Universitätsbibliothek in Regensburg und als Leiter einer Stadtbücherei in Bamberg.

1982 führte ihn sein Weg schließlich nach Schwandorf in die noch junge Stadtbibliothek, die fünf Jahre zuvor gegründet wurde. „Ich bin am Anfang ins kalte Wasser geschmissen worden“, erinnert sich Wolfsteiner, der ursprünglich eine Schwangerschaftsvertretung übernahm. Durch den Ausfall seiner Vorgängerin mussten viele Rückstände aufgearbeitet werden, die Leser lechzten damals nach der neuen Literatur, die lange verpackt im Büro stand. Doch Wolfsteiner gewann bald Boden unter den Füßen, wie er sagt, fühlte sich auch in Schwandorf wohl.

Und er erkannte früh das Potenzial der Einrichtung. Zur damaligen Zeit war die Stadtbibliothek das einzige kulturelle Angebot in Schwandorf, abgesehen von der Volkshochschule. Wolfsteiner ergriff kurzerhand die Initiative und machte sich „mit Feuereifer“ daran, die Bibliothek gezielt für kulturelle Veranstaltungen zu öffnen. Im Laufe der Jahre konnte er zahlreiche bekannte Autoren für Lesungen gewinnen, darunter die Autorin Gudrun Pausewang, den Kabarettisten Toni Lauerer oder den Satiriker Joseph von Westfahlen. Damit legte er einen erfolgreichen Grundstein, der die kulturelle Arbeit der Bibliothek bis heute prägt.

Im alltäglichen „Geschäft“ war Wolfsteiner nicht weniger engagiert: Vor allem die Leseförderung, sagt er, war ihm seit jeher ein wichtiges Anliegen. Fast jeder Schwandorfer Grundschüler dürfte es mindestens einmal erlebt haben, wie er Schulklassen durch die Einrichtung führte und sie für das geschriebene Wort begeisterte. Dabei griff der Diplom-Bibliothekar mitunter auf innovative Konzepte zurück, veranstaltete unermüdlich Klassenführungen, organisierte Vorlesestunden und sogar ein Kindertheater. „Mit diesem Angebot war Schwandorf ein Vorreiter“, sagt Wolfsteiner. „Später ist das Konzept von vielen Bibliotheken kopiert worden.“

Während seiner Amtszeit erlebte das Bibliothekswesen viele grundsätzliche Umbrüche, insbesondere durch das Aufkommen der digitalen Medien. Auch vor Schwandorf machte diese teils rasante Entwicklung keinen Halt. Aber Wolfsteiner ist niemand, der zu Kulturpessimismus neigt. Stattdessen stellte er sich den Herausforderungen, aufgeschlossen und mit dem nötigen Interesse ausgestattet. „Als Bibliothekar darf man sich Neuerungen nicht verschließen“, sagt er, „ob sie einem persönlich gefallen oder nicht“. Da überrascht es kaum, dass die Stadtbibliothek beim Thema Streamingdienste wiederum eine Vorreiterrolle inne hatte: Als eine von nur drei bayerischen Einrichtungen führte sie im Vorjahr für ihre Nutzer die Möglichkeit ein, über den Anbieter „freegal“ kostenlos Musik zu streamen.

Es ist dieses Mischung aus beispielloser Hingabe und Aufgeschlossenheit, die Alfred Wolfsteiners Arbeit in Schwandorf auszeichnet. Sie hat die Bibliothek maßgeblich vorangebracht und als feste Instanz etabliert, die aus dem kulturellen Schwandorf nicht mehr wegzudenken ist. Allein in seiner Dienstzeit wurden rund 7 Millionen Medien ausgeliehen. Nun verabschiedet er sich nach stolzen 35 Jahren in den – zweifellos verdienten – Ruhestand. Ist da nicht eine gewisse Wehmut dabei, nach so vielen Jahren engagierter Arbeit die Pension anzutreten?

Nein, winkt Wolfsteiner ab. „Ich habe das immer sehr gerne gemacht, aber irgendwann muss auch Schluss sein.“ Er gehe mit vielen positiven und wertvollen Erfahrungen, sagt er. „Wenn ich Leuten z.B. durch ein gutes Buch eine Freude gemacht habe, das sie hier gefunden haben, oder durch einen guten Reiseführer, der ihnen geholfen hat, dann hat sich mein Zweck erfüllt.“ Immerhin wird man noch von Alfred Wolfsteiner hören können, selbst wenn er nicht mehr in der Bibliothek arbeitet: Denn im Ruhestand will er sich verstärkt seiner großen Passion widmen, über die er viele wichtige Texte publiziert hat – der Heimatgeschichte.

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