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IMG_4219_ Hans Prechtl mit Kreistagsstimmzettel. Bild: Landratsamt Schwandorf

Briefwahl schützt vor Torheit nicht

2 Minuten Lesezeit (477 Worte)

Kreis Schwandorf. Die Kommunalwahlen samt Stichwahlen sind gelaufen, die Ergebnisse ausgezählt und festgestellt und nach Freude und Enttäuschung kehrt wieder Normalität ein. Oder auch nicht, denn in Zeiten von Corona kann nicht von „Normalität" gesprochen werden. Dabei gab es deutliche Zusammenhänge zwischen Kommunalwahl und Corona: wie bekannt, wurden die Stichwahlen ausschließlich als Briefwahl durchgeführt.

Viele Briefwähler begründen ihre Entscheidung, Briefwahl machen zu wollen, mit dem Wunsch, die Stimmzettel in aller Ruhe zu Hause ausfüllen zu können. Das gilt in besonderer Weise für die Kreistagswahl. „Ein Stimmzettel mit 92 mal 64 Zentimetern, der elf Wahlvorschläge mit insgesamt 520 Namen enthält, ist gewiss eine Herausforderung", zeigt Pressesprecher Hans Prechtl Verständnis für die Zunahme der Briefwahl, „und die Zeiten, wo nur derjenige Briefwahl macht, der krank oder am Wahltag verhindert ist, sind längst vorbei".

Im Landkreis Schwandorf gab es 120.453 Wahlberechtigte, von denen 76.408 gewählt haben. Die Wahlbeteiligung liegt bei 63,4 Prozent.


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Im Durchschnitt fast elf Stimmen verschenkt

Wenn von 76.408 Wählern jeder die maximale Stimmenzahl von 60 für den Kreistag vergeben hätte, wären das 4.584.480 Stimmen. Gültig vergeben wurden aber nur 3.777.740 Stimmen. „Das heißt, dass im Durchschnitt jeder Wähler nur 49,4 Stimmen gültig vergeben hat", berechnet Prechtl. Im Durchschnitt hat also jeder Wähler fast elf Stimmen nicht abgegeben.

Briefwahl versus Urnenwahl

Von den 76.408 Wählern haben 24.129 am Wahlsonntag im Wahllokal gewählt und 52.279 per Brief. Der Anteil der Briefwähler lag damit bei 43,4 Prozent der Wahlberechtigten, aber sogar bei 68,4 Prozent der Wähler. „Von denen, die gewählt haben, haben mehr als zwei Drittel Briefwahl gemacht", bringt es der Pressesprecher auf den Punkt.

Doch wählen Briefwähler auch „besser", also weniger oft ungültig? Prechtl wirft einen Blick hinter die Zahlen.

Bei der Urnenwahl hatten wir insgesamt 24.129 Stimmzettel, davon waren 1.082 Stimmzettel ungültig. Das sind 4,5 Prozent.

Bei der Briefwahl hatten wir insgesamt 52.279 Stimmzettel, davon waren 1.809 Stimmzettel ungültig. Das sind 3,5 Prozent.

Insgesamt hatten wir also 2.891 ungültige Stimmzettel zur Kreistagswahl. „Auch bei der Briefwahl waren auffällig viele Stimmzettel dabei, bei denen mehr als 60 Stimmen vergeben waren", so Prechtl. Diese Stimmzettel waren ungültig.

Auf den ersten Blick haben wir bei der Briefwahl nur eine Ungültigkeitsquote von 3,5 Prozent und damit ein Prozent weniger als bei der Urnenwahl. „Wenn man zu den 3,5 Prozent aber noch diejenigen hinzurechnet, die nicht ungültig, sondern verspätet gewählt haben, dann ist die Abweichung noch kleiner", weist das Landratsamt auf den Umstand hin, dass Wahlbriefe, die erst am Montag oder Dienstag nach dem Wahltag im Rathaus eingegangen sind, von der Statistik überhaupt nicht erfasst sind. Wessen Wahlbrief erst nach dem Wahlsonntag um 18 Uhr eingeht, gilt als Nichtwähler.

Pressesprecher Hans Prechtl fällt ein salomonisches Urteil: „Urnenwähler und Briefwähler sind gleich gut!". Die oft gehörte Meinung, dass bei der Briefwahl generell weniger Fehler als bei der Wahl im Wahllokal gemacht würden, lässt er aber nicht gelten. Denn die Zahlen sagen das nicht aus.

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