Donnerstag, 11.06.2015 - 09:28

Nach knapp 600 Jahren wieder Hussiten in Bodenwöhr

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Bürgermeister Martin Birner zapfte spritzig an. Marcus Jacob riskierte nicht Kopf und Kragen, aber Daumen und Zeigefinger. Bürgermeister Martin Birner zapfte spritzig an. Marcus Jacob riskierte nicht Kopf und Kragen, aber Daumen und Zeigefinger.

Nach knapp 600 Jahren fielen in Bodenwöhr wieder Hussiten ein. Damals verwüsteten sie den Eisenhammer, was die Ur-Bodenwöhrer dazu brachte, 30 Jahre später den Hammersee aufzustauen und den Hammer neu zu bauen. Diesmal steht in der Schadensbilanz lediglich ein verbeulter Messing-Zapfhahn, an dem der Neunburger Bürgermeister Martin Birner im Brauereigasthof Jacob zuviel Beamten-Kraft ausgelassen hat. Brauerei-Chef Marcus Jacob tat es um das blitzende Gerät zwar Leid, er freute sich aber dennoch, dass die Festspieler "Vom Hussenkrieg" aus der Nachbarstadt angereist waren, um das erste Fass "Hussiten-Zoigl" aus Jacob-Produktion anzustechen (und auszutrinken).

Im Frühjahr hatte die Bodenwöhrer Familienbrauerei das Weisse Brauhaus Neunburg, betrieben von den Geschwistern Mehringer, in die Jacob-Familie integriert. Die Mehringers freuten sich sichtlich, dass sie an neuer Wirkungsstätte an die alte Tradition des Hussiten-Zoigls anknüpfen können. Bürgermeister Martin Birner hatte sich persönlich dafür ins Zeug, oder besser gesagt, ins Zoigl gelegt. Als renommierte Festspielstadt braucht Neunburg schließlich sein Hussiten-Bier.

Zum großen Tross der Neunburger gehörten auch Altbürgermeister Wolfgang Bayerl mit Gattin, Tourismus-Chef Werner Dietrich, Hussiten-Wirt Wolfgang Irlbacher aus Penting und natürlich ein großer Haufen Festspieler, angeführt vom Vereinsvorsitzenden Helmut Mardanow. Brauerei-Chef Marcus Jacob ließ die gelungene Eingliederung des Mehringer-Betriebes Revue passieren und dankte Braumeister Steffen Hartmann für das Einbrauen der "gelungenen neuen Sorte". Ein Weißbier ist es geworden mit hohem Anteil an Karamel-Malz, viel Hefe, naturtrüb, dunkel in der Farbe und sanft im Abtrunk. Ein kleines bisschen stärker als ein "normales Weißbier", aber das haut einen Hussiten nicht um, wie vor Ort glaubhaft versichert wurde.

Bei einer gemeinsamen Tafel erklang alsbald vielfach die mittelalterliche Trinklosung "Süße Zeit". Und die hatten die Hussiten dann in Bodenwöhr. Vermutlich mehr, als damals vor knapp 600 Jahren.

Anfang Juli beginnt die neue Festspiel-Saison in Neunburg. Bis dahin können Fans ja schon einmal sich mit der Materie flüssig auseinander setzen. Oder hier lesenderweise.

Letzte Änderung am Donnerstag, 11.06.2015 - 10:22

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