Dienstag, 27.11.2018 - 07:34

Schwandorf bekommt größtes Kinderhaus

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Auf diesem Gelände soll die Kindertagesstätte in Fronberg entstehen. Das bestehende Haus und die Scheune werden dann abgerissen. Auf diesem Gelände soll die Kindertagesstätte in Fronberg entstehen. Das bestehende Haus und die Scheune werden dann abgerissen. Foto: Hartl

Mehr Krippen- und Kindergartenplätze werden in Schwandorf dringend benötigt. Im Bauausschuss wurden jetzt Konzepte für zwei neue Einrichtungen vorgestellt, darunter für das größte Kinderhaus der Stadt, das 136 Plätze bieten soll.

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Es besteht kein Zweifel: Die Stadt Schwandorf braucht dringend neue Krippen- und Kindergartenplätze, um die nötige Betreuungsquote langfristig sicherzustellen. Das wurde bereits in der Hauptausschusssitzung im Juli offensichtlich, als das Amt für Finanzen und Schulen die Ergebnisse einer außerplanmäßigen Bedarfsplanung vorstellte (wir berichteten). Demnach müssen im Krippen- und Kindergartenbereich je fünf zusätzliche Gruppen entstehen, damit die Betreuungsquote von 30 bzw. 100 Prozent erfüllt werden kann. Jetzt wurden am Montag im Bauausschuss zwei Konzepte für neue Einrichtungen vorgestellt, die die Große Kreisstadt – wenn möglich – bis 2021 realisieren möchte: Sie sollen in der Fronberger Straße 44 und in der Industriestraße entstehen.

Die Kindertagesstätte in Fronberg werde auf 491 Quadratmeter Platz für zwei Krippen- und für zwei Kindergartengruppen bieten, erklärte Diplom-Ingenieurin Barbara Hellerbrand, die bei der Stadtverwaltung das Sachgebiet Hochbau leitet. Nach den ersten Planungen soll der Eingang direkt an der Fronberger Straße liegen, die Parkplätze befinden sich auf dem Grundstück, die Eltern müssen also nicht auf der Fronberger Straße anhalten. Insgesamt werden dort 74 Kinder Platz finden, verteilt auf 24 Krippen- und 50 Kindergartenkinder; die geschätzten Gesamtkosten belaufen sich auf rund 2,5 Millionen Euro. Dabei besticht die Einrichtung besonders mit einem großzügigen Gartenbereich, so Hellerbrand, der viel Platz zum Spielen bietet. Die Räume der Gruppen seien alle in Richtung Garten ausgerichtet. Zudem ist ein großer Speisesaal von 50 Quadratmetern vorgesehen, auch um der Tatsache Rechnung zu tragen, dass viele Kinder Mittags in den Einrichtung verpflegt werden müssen.

Platz für 136 Kinder

Deutlich größer noch fällt die zweite Kindertagesstätte aus, die Hellerbrand dem Gremium vorstellte: Sie wird an der Industriestraße entstehen und soll Platz für 136 Kinder bieten, darunter 36 Krippen- und 100 Kindergartenkinder. Mit diesen Dimensionen wird sie bei der Eröffnung das größte Kinderhaus sein, das in Schwandorf besteht. Entsprechend groß sind auch die Ausmaße: Rund 748 Quadratmeter Fläche sind für den Komplex vorgesehen, einschließlich eines Speisesaals, sagte Hellerbrand. Hinzu kommt – wie in Fronberg – eine großzügige Gartenfläche von 1.350 Quadratmeter für die Kindergartenkinder und 600 Quadratmeter für die Krippenkinder, ausgestattet jeweils mit den modernsten Spielgeräten. Die Kosten werden bei rund 4,1 Millionen Euro liegen.

Erschlossen werden soll das Gebäude direkt über die Industriestraße, dort wird sich auch der Haupteingang befinden, der in einen großzügigen Wartebereich mündet. Die Parkplätze werden dagegen beim hinteren Gebäudeteil angesiedelt, sodass Eltern nicht vor dem Eingang parken. Um dorthin zu gelangen, so Hellerbrand, müssen sie mit ihren Kindern einen kleinen Fußmarsch um die Einrichtung herum in Kauf nehmen. Laut den ersten Planungen soll das verhindern, dass die Industriestraße während der Ankunft und Abfahrt der Kinder mit parkenden Fahrzeugen für den übrigen Verkehr blockiert ist.

Parkplatzsituation sorgt für Debatten

Bei den Stadträten fand das grundsätzliche Ansinnen, mehr Betreuungsplätze einzurichten, uneingeschränkte Zustimmung. Fast unisono wurde die gute Planung gelobt, ebenso wie alle Stadträte anerkannten, dass dringender Handlungsbedarf besteht. So war es keine Überraschung, dass das Vorhaben als solches einstimmig abgesegnet wurde. Für kritische Debatten sorgte bei beiden Kindertagesstätten jedoch die Anfahrt der Kinder und die Parkplatzsituation: Viele Stadträte äußerten Zweifel, dass die Parkplätze tatsächlich genutzt werden. Stattdessen bestehe die Gefahr, dass Eltern auf der Straße parken und ihre Kinder schnell aussteigen lassen – eine Situation, die möglichst vermieden werden soll.

„Das wird eskalieren“, befürchtet etwa Jochen Glamsch von den Unabhängigen Wählern mit Blick auf die Industriestraße. Nicht zufällig trage die Straße diese Namen, es herrsche dort viel Verkehr. Ein einziges Kind, das angefahren wird, sei bereits eine Katastrophe, so der Stadtrat. Auch bei den anderen Fraktionen teilte man derartige Bedenken. Als mögliche Alternative wurde diskutiert, den Kindergarten nach hinten zu versetzen oder das Gebäude zu drehen. Das heißt: Die Parkplätze sollen dann vor dem Gebäude angesiedelt werden, damit eine bessere Anfahrt möglich ist, oder das Gebäude soll gleich so gedreht werden, dass sich der Eingang in der Herbststraße befindet. Dann wäre das Problem vollständig gelöst, argumentierten die Stadträte. Für die Fronberger Straße könne es sich zudem empfehlen, regte CSUler Franz Radlinger an, wenigstens eine Haltezone einzurichten.

Bei der Verwaltung stießen diese Anregungen auf offene Ohren. Die jetzigen Entwürfe seien lediglich grobe Planungen, versicherte Oberbürgermeister Andreas Feller (CSU), Änderungen und Anpassungen seien grundsätzlich möglich: Selbstverständlich werde man, sobald die konkreteren Entwürfe erstellt werden, Rücksicht auf die Anregungen des Gremiums nehmen und deren Umsetzbarkeit prüfen. Der Ausbau der Kinderbetreuung im Stadtgebiet Schwandorf hat damit eine weitere große Hürde genommen. Und je eher die Einrichtungen schließlich eröffnen können, gab SPD-Stadtrat Alfred Braun die allgemeine Tenor wieder, desto besser.

Turnhalle der Kreuzberg-Schule wird saniert

Auch eine weitere Bildungseinrichtung in städtischer Hand kann sich über kräftige Investitionen freuen: Neben den Kindertagesstätten stand am Montag auch die Sanierung der Turnhalle in der Kreuzberg-Schule auf der Tagesordnung. Diese ist – gelinde gesagt – in einem angeschlagenen Zustand, sagte Architekt Gruber vom Architekturbüro Hottner, Gruber, Schmidt. Es seien unter anderem marode Einbauten festgestellt worden, zum Beispiel in den Sanitäranlagen, außerdem seien der Boden und die Stromanschlüsse längst nicht mehr zeitgemäß.

Mit einer Generalsanierung soll sich das ändern, sagte Gruber und stellte seine Pläne vor, die den Brandschutz und energetische Aspekte in den Mittelpunkt stellen. In der neuen Turnhalle wird es dann beispielsweise eine Fußbodenheizung geben, eine erhöhte Prallwand sowie einen neuen Fußboden. Statt einem Brettboden, wie er bislang verbaut ist, soll in Zukunft ein flächenelastischer Boden zum Einsatz kommen. Bei den Umkleiden werden darüber hinaus zusätzliche Bereiche geschaffen, um auch Platz für Trainer und Lehrer zu bieten, selbiges ist für den Sanitärbereich angedacht.

Dach wird erneuert

Die größten Änderungen, so Gruber, dürften wohl am Dach bevorstehen: Es soll bis auf die Tragekonstruktion zurückgebaut und durch ein neues ersetzt werden, weil das jetzige Leckagen aufweist. Dennoch soll das Gebäude im Wesentlichen erhalten bleiben: „Am Grundriss möchten wir so wenig wie möglich ändern“, erläuterte der Architekt. Kostentechnisch würden laut Gruber 912.908 Euro anfallen, die Arbeiten selbst werden knapp eineinhalb Jahre in Anspruch nehmen. In der Zwischenzeit müssen die Schüler, aber auch Vereine auf andere Turnhallen im Stadtgebiet ausweichen.

Der Bauausschuss hat das Konzept einstimmig abgesegnet. Stadtrat Jochen Glamsch stellte allerdings grundsätzlich infrage, ob es überhaupt länger zweckdienlich sei, an mehreren städtischen Schulen festzuhalten. Nach der Sanierung in der Lindenschule und der jetzigen Sanierung halte er es für überlegenswert, ob man nicht über ein bereichsübergreifendes Gesamtkonzept nachdenken solle. Unter diesem Begriff fasst er eine Idee zusammen, wonach ein zentraler Schulkomplex errichtet werde – inklusive besserer Anfahrtswege für Eltern und Busse.

OB Andreas Feller erteilte dem eine klare Absage. „Die Devise war immer: Kurze Wege, kurze Beine.“ Grundsätzlich gebe es durch die Sanierung natürlich Einschränkungen. Es sei aber wichtig, wohnortnahe Schulen in den Ortsteilen anzubieten. Bei Glamsch‘ Vorschlag handle es sich hingegen um eine „Kinderfabrik, die weder Eltern noch Lehrer wollen.“

Letzte Änderung am Dienstag, 27.11.2018 - 08:49

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