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Interview mit der neuen künstlerischen Leiterin Marlene Wagner-Müller der Eisenzeitfestspiele

Interview mit der neuen künstlerischen Leiterin Marlene Wagner-Müller der Eisenzeitfestspiele

4 Minuten Lesezeit (817 Worte)

Bodenwöhr. Versonnen schaut die kleine Hexe auf den Hammersee hinaus, der Rabe Abraxas lässt neben ihr die Füße ins kühle Nass baumeln. Die Seewinkl-Arena für die diesjährigen Eisenzeit-Festspiele nimmt bereits deutliche Formen an.

 

Die neue künstlerische Leiterin Marlene Wagner-Müller spricht mit uns am Rande der Probe für das Kinderstück über ihre erste Saison in Bodenwöhr, die kommenden Festspiel-Wochen und ihre Pläne für die Zukunft.

Ostbayern-Kurier: Frau Wagner-Müller, sie kommen vom Landestheater Oberpfalz (LTO), haben hier 2016 ein Gastspiel gegeben und sind geblieben - was reizt Sie am Festspiel-Standort Bodenwöhr?

Frau Wagner-Müller: Schauen Sie auf den See hinaus - diese wahnsinnige Idylle, dieses greifbare Flair: Wer sich in diese Naturkulisse nicht verliebt, dem ist nicht zu helfen. Mir ist es so gegangen, dann habe ich die Leute hier kennen gelernt, die Theater-Begeisterten aus dem Umfeld der Eisenzeit, und hab mir gedacht: Das ist es.

Ostbayern-Kurier: Auf was freuen Sie sich in den nächsten Wochen besonders?

Frau Wagner-Müller: Das sind zwei Sachen. Dass unsere Kinder, die seit Monaten „Die kleine Hexe“ nicht nur proben, sondern regelrecht atmen und leben, endlich ihr Können und ihre Begeisterung vor großem Publikum zeigen können. Die Leute sind auch wirklich gespannt darauf, das höre ich an allen Ecken und Enden. Der Vorverkauf ist so gut gelaufen, dass wir am 25. Juni um 16 Uhr eine Zusatzvorstellung eingebaut haben.

Der andere Aspekt, auf den ich mich besonders freue, ist, dass ich hier, als LTO-Regisseurin die „Lokalbahn“ von Ludwig Thoma aufführen darf.

Ostbayern-Kurier: Die Premiere auf der LTO-Stammburg Leuchtenberg war sehr umjubelt, der ländliche Klassiker und Ihre Inszenierung - sie haben den Stoff in die 1950er Jahre gelegt - erhielt begeisterte Kritiken. Wieso jetzt am Hammersee?

Frau Wagner-Müller: Weil dieses einzigartige Ambiente so gut zu dem Stück passen wird. Wir haben viel Musik dabei, es geht um Eisenbahnen - wie auch hier in den 1950er Jahren - und Thoma hat so viel hintersinnige Lokalpolitik da hinein gepackt: Das passt so gut auf die Kontroversen, wie wir sie gerade im Bodenwöhrer Rathaus erleben.

Ostbayern-Kurier: Hat Ludwig Thoma den Knatsch im Gemeinderat schon vor 120 Jahren voraus gesehen?

Frau Wagner-Müller: Er hat Mechanismen und Menscheleien identifiziert, die heute noch funktionieren und uns allen so einen vergnüglichen Spiegel vorhalten.

Ostbayern-Kurier: Sie sprechen von Musik bei der Lokalbahn - Sie sind bekannt dafür, dass Sie es eher Live mögen…

Frau Wagner-Müller: Aber hallo! Mit dem musikalischen Leiter Holger Popp haben wir Oberpfälzer Liedgut neu getextet und thematisch stimmig eingebaut. Natürlich darf in den 50er Jahren, gerade am Hammersee, auch der Schlager nicht fehlen.

Ostbayern-Kurier: Sie spielen - quasi als Fortsetzung und als „reine“ Bodenwöhr-Variante - im September „Erster Klasse“, ebenfalls nach Ludwig Thoma. Ursprünglich sollte das hier im Seewinkl stattfinden, nun startet der Bummelzug zum Landtag im Jacob-Saal. Wieso diese Umsetzung?

Frau Wagner-Müller: In erster Linie, weil sich während der letzten Wochen hier eine ganz dynamische Entwicklung abgezeichnet hat. Die Eisenzeit-Festspiele stehen an der Schwelle, auch andere Jahreszeiten als nur den Sommer zu erobern - im Tourismus nennt man das Saison verlängernde Maßnahmen. Ich habe den Jacob-Saal vor einiger Zeit kennen gelernt und seitdem fieberhaft überlegt - wie kannst Du diesen urigen Raum, der ja förmlich nach Theater schreit, einbinden? Dazu kommt: Dieser Saal ist quasi Holz und Stein gewordene Bodenwöhrer Geschichte, um die es in den Eisenzeit-Festspielen im Kern ja gehen soll und künftig wieder viel stärker gehen wird. Allerdings nicht allein aus lokal eingeengter Sicht, sondern durchaus mit dem Anspruch, diese Geschichte aus der Perspektive des überregional bedeutsamen Eisen-Standortes zu zeigen - mit allen regionalen Vergnüglichkeiten, die man sich vorstellen kann. Noch ein Novum: Mit der Ersten Klasse geben wir selbst erstmals ein Gastspiel, und zwar in Neunburg vorm Wald.

Ostbayern-Kurier: Es gab im Ensemble zuletzt mehrere Umbrüche. Wie sieht es derzeit aus?

Frau Wagner-Müller: Wir können auf einen Theater begeisterten Stamm aus treuen Eisenzeitlern bauen, aber bereits in den letzten Monaten sind ganz viele neue und neugierige, begabte und vor allem auch furchtbar nette Menschen zu uns gekommen, um mitzumachen. In Bodenwöhr und Umgebung steckt so viel Entwicklungspotential! Was mich besonders gefreut hat: Wir haben auch einige „Wiederkehrer“ bei uns, das ist sehr selten in der heutigen stressigen Zeit. Obwohl jeder in seinem Beruf und privaten Umfeld stark gefordert ist, haben wir dennoch viele fleißige Helfer, etwa für die Tribüne, oder Spezialisten, die etwa ein prima Bühnenbild entwickeln und bauen.

Ostbayern-Kurier: Bleiben Sie also nach dieser ersten Saison den Eisenzeit-Festspielen erhalten?

Frau Wagner-Müller: Von meiner Seite - herzlich gern. Und ich denke, dass der Verein und die Gemeinde ebenfalls Lust haben, mit mir noch ganz viel zu erleben.

 

Ticktes zu den Eisenzeit-Festspielen gibt es auf www.okticket.de, mehr Infos auf www.eisenzeit.net sowie auf Facebook.

Karten sind verfügbar für:

Die kleine Hexe, 22.6., 17 Uhr (öffentliche Generalprobe) und 25.6., 16 Uhr, Zusatzvorstellung

Die Lokalbahn, Gastspiel LTO, 24.6., 20 Uhr

Erster Klasse (im Jacob-Saal), 22./23.9., 6./7.10., jeweils 20 Uhr; Gastspiel am 17.9., 20 Uhr, Alte Seilerei in Neunburg.

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