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Karfreitags-Tragödie Kallmünz: Prozess läuft

Karfreitags-Tragödie Kallmünz: Prozess läuft

3 Minuten Lesezeit (593 Worte)

In der Nacht zum Karfreitag letzten Jahres ereignete sich eine Tragödie, die so gar nicht zum beschaulichen Charakter von Kallmünz passen will. Ein psychisch kranker 29-jähriger Ortsansässiger rastete in den Räumen einer örtlichen Apotheke aus, würgte einen Arzt fast zu Tode, der die Mutter gerade behandelte, demolierte Autos am Marktplatz, bombardierte Polizisten mit Säure und attackierte die Beamten beim Zugriff mit einem selbst gebauten Flammenwerfer. Nun läuft die Gerichtsverhandlung.

Rückblende: Nach dem Großeinsatz mit dem SEK, der Marktplatz war weiträumig abgesperrt, trafen die Beamten nach der Festnahme des Amokläufers in der Wohnung auf ein Waffenarsenal. So fanden sie Schusswesten, eine Machete, eine mit Säure gefüllte Wasserpistole, ein Nachtsichtgerät, Pfefferspray und ätzende Substanzen vor. Am ersten Verhandlungstag schilderte der Arzt stockend, dass ihm der Sohn seiner Patientin mit der Faust ins Gesicht schlug, auf ihn einprügelte, als er zu Boden ging mit den Füßen getreten und sich auf ihn geworfen habe, ihn am Hals massiv würgte, bis ihm die Luft weg blieb.

Unter Todesangst dachte der Arzt, er müsse nun sterben. Wie durch ein Wunder konnte sich der heute noch traumatisierte Arzt mit schweren Verletzungen am Hals und Brust und einem komplizierten Mittelhandbruch im letzten Moment befreien und mit den Angestellten einer Metzgerei in der benachbarten Metzgerei verbarrikadieren. Zwei Beamte wurden beim Zugriff durch die hautreizende Flüssigkeit verletzt, im Hinterhaus brannte es. Der Mann ist seitdem im Regensburger Bezirksklinikum untergebracht. Seit dem 16.02.16 findet die Hauptverhandlung gegen den Mann wegen versuchten Totschlags in zwei Fällen, Sachbeschädigung und gefährlicher Körperverletzung statt. Die nächsten geplanten Termine im Landgericht sind der 29.02., 04.03. und 11.03.2016.

In der bisherigen Zeugenvernehmung wurde klar, dass der Mann schon lange vorher auffällig, sogar gewalttätig war, was man ihm so im Gerichtsaal eigentlich gar nicht zutraut. Im Sommer 2014 drohte der Mann, ein Haus in die Luft zu sprengen. Es dauerte einen Tag, bis die Beamten den untergetauchten 29-jährigen ausfindig machen konnten und mit mehreren Einsatzfahrzeugen fast krimireif beim Nettomarkt fest nahmen. Gut gekleidet, eher unauffällig wirkend zeigte der Beschuldigte bei den dramatischen Schilderungen der Zeugen keine Gefühlsregung.

Während die Eltern im Prozess nicht gegen ihren Sohn aussagten, äußerte sich die Tante, die davon berichtete, dass der junge Mann bereits als Neuntklässler gegen seine Mutter handgreiflich geworden sei. Im Internat der Domspatzen kam es zu destruktiven und beleidigenden Äußerungen, die den Unterricht immer wieder störten. Da flogen schon mal Sachen durchs Klassenzimmer. So habe es auch während des Medizinstudiums in Graz diverse Vorfälle wie einen Kopfstoß gegen den Professor 2011 gegeben. Andere Studenten hatten vor ihm Angst.

Der Angeklagte kam kurzzeitig in Österreich in die Psychiatrie. Die Tante hatte den Eindruck, dass die Eltern Angst vor ihrem Kind hatten. Dieses bestätigte die 23-jährige Schwester unter Tränen. Seit ihrer frühesten Kindheit war in der Familie Streit an der Tagesordnung. Daher ist die Schwester bereits vor Jahren geflüchtet. Immer wieder sei es zu Handgreiflichkeiten des Apothekersohnes gegen beide Eltern gekommen. Türen wurden durchbrochen, Fliesen im Bad zertrümmert, auf den Vater und die Mutter wurde eingeschlagen. Der Aufforderung der Schwester, endlich etwas zu unternehmen und eine Therapie zu machen stimmte der Vater zu, die Mutter war jedoch der Überzeugung, dass es sich doch noch ohne ärztliche Hilfe zum Guten wendet.

Eine für den behandelnden Hausarzt fast tödliche Falscheinschätzung. Nun ist zu prüfen, ob der Mann eine Gefahr für die Allgemeinheit ist. Für die Taten im letzten Jahr scheint er schuldunfähig zu sein. Für den Vorsitzenden Richter käme anstatt des versuchten Totschlags auch versuchter Mord als Tatbestand in Frage. Dem Beschuldigten droht die langfristige Einweisung in die Forensik, was er mit seinem Anwalt unbedingt verhindern möchte.

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