BBV-Khthal-5 Die Traktortour mit der der BBV für regional erzeugte Lebensmittel wirbt, stößt auf breite Zustimmung. Bild: © Sabine Norgall, Markt Regenstauf

Regenstauf. Großer Redebedarf herrschte bei den Teilnehmern der Traktortour des Bayerischen Bauernverbandes (BBV), als der Traktor, der für gesunde Lebensmittel aus Bayern wirbt, beim Nebenerwerbsbetrieb der Familie Knipfer in Kühthal bei Regenstauf Station machte.

Zum einen, das machte Kreisobmann Johann Mayer deutlich, wolle der BBV mit der Aktion das Bewusstsein für regionale Erzeuger fördern. Zum anderen prasselten mit der aktuellen Klimadiskussion Extremforderungen auf die Landwirtschaft herein. Da, sagte Mayer, helfe es nicht zu schmollen, da müsse man selbst aktiv Öffentlichkeitsarbeit betreiben und die Situation aus der Sicht der Landwirte schildern.

Wie wichtig Vertreter der Politik die Anliegen der Bauern nehmen, zeigte die Gästeliste bei der Veranstaltung. Neben den Bundestagsabgeordneten Peter Aumer und Marianne Schieder kamen auch Landrätin Tanja Schweiger sowie Bürgermeister Josef Schindler mit Marktgemeinderätin Paula Wolf und Marktgemeinderat Christian Engl zu der Veranstaltung.

Wie Helmut Melchner, Bereichsleiter Landwirtschaft beim Amt für Landwirtschaft und Ernährung Regensburg, berichtete, reagierten die Landwirte fortlaufend auf aktuelle Anforderungen von Politik und Gesellschaft. Vor zwei Jahren habe der bunt beklebte BBV-Traktor, der jetzt für gesunde Lebensmittel unterwegs ist, für Blühstreifen geworben. Heute bauten die 600 Landwirte, die es im Landkreis Regensburg gibt, bereits auf einer Fläche von rund 100 Hektar Blühstreifen an. Die Diskussion um gesunde Lebensmittel bezeichnete Johann Mayer als .noch viel wichtiger". Viele Verbraucher setzten die unbegrenzte Verfügbarkeit von Nahrung quasi als gegeben voraus. Immer mehr Bürger nähmen auch nicht mehr wahr, dass der Erhalt der Natur vor Ort und die Pflege des Landschaftsbildes Nebenprodukte der Landwirtschaft seien.

Kreisbäuerin Rita Blümel schilderte engagiert die Angst vieler Landwirte vor der Zukunft. Die Bauern, sagte Blümel, versuchten bei ihrer Arbeit sowohl die Anforderungen der Gesellschaft zu erfüllen als auch die Grenzen einzuhalten, die ihnen die Politik setze. Doch die Frage, wie in Zukunft überhaupt Lebensmittel

produziert werden sollen, mache ihnen große Sorgen. Dabei, betonte die Kreisbäuerin, würden für Lebensmittel, die in Bayern produziert werden, höchste Qualitätsanforderungen gelten. Sie berichtete vom Engagement der Landfrauen, besonders von deren Öffentlichkeitsarbeit in den Schulen: „Nicht nur die Kinder wissen heute nicht mehr, wo die Lebensmittel herkommen." Kreisobmann Johann Mayer versicherte: „Wir Bauern produzieren das, was die Leute essen wollen. Das ist für uns kein Problem. Allerdings müssten die Landwirte davon leben können."

Angst vor der Zukunft

„Rentieren tut sich das schon lange nicht mehr", sagte Nebenerwerbslandwirt Josef Knipfer. Die Familie bewirtschaftet 35 Hektar Ackerfläche und Grünland. Mit der Nachzucht stehen 45 Stück Vieh im Stall. Gerne würde die Familie den Hof in der nächsten Generation weiterführen. Da ihre Tiere allerdings in Anbindehaltung gehalten werden, glaubt Familie Knipfer nicht an eine Zukunft des Betriebs. „Wenn die Anbindehaltung verboten wird, hören wir auf", sagen Josef und Renate Knipfer. Die Ausgaben für einen neuen Freilaufstalles rentieren sich, trotz Fördermittel, für ihren Betrieb nicht.

Josef Wittmann, BBV-Geschäftsführer für die Landkreise Regensburg und Schwandorf, zu der aktuellen Diskussion in Sachen Klimaschutz: „Da werden an die Landwirte Extremforderungen gestellt, die passen auf keine Kuhhaut." Wer Rinderhaltung ablehne, weil die Tiere Methan produzieren, müsse beantworten, wie ohne Rinder Grünland effektiv genutzt werden solle. Wiesen, die von Bauern gepflegt werden, gebe es nur in Verbindung mit Rinderhaltung. Wittmann weiter: „Ökologischer Anbau braucht Zeit und muss honoriert werden."

Politik ist in der Pflicht

MdB Peter Aumer warb dafür, das Bewusstsein zu stärken, dass Nahrungsmittel aus der eigenen Heimat die besten seien. Die Sicherung von Nahrungsmitteln, forderte er, sollte selbstverständlich sein. „Allerdings", so die Meinung von Aumer „müssen Landwirte von dem, was sie produzieren, leben können." Dafür müsse die Politik die Rahmenbedingungen schaffen.

MdB Marianne Schieder argumentierte ähnlich: „Was in der Landwirtschaft für Verdruss sorgt, sind die Ausflüsse notwendiger politischer Entscheidungen."

Landrätin Tanja Schweiger bedankte sich beim BBV für die pfiffige Kampagne. Sie forderte dazu auf, neue Ideen weiterzuentwickeln, die den Wert der heimischen Lebensmittel betonten. Wie zuvor Helmut Melchner nannte sie die Regionaltheken als Beispiel. Mit der Vermarktung von Lebensmitteln ab Hof, aktuell auch mit Automaten, die rund um die Uhr zur Verfügung stehen, gingen Landwirte neue Wege. Besonders im Bereich der Gemeinschaftsverpflegung, ist Landrätin Tanja Schweiger überzeugt, liegt viel Potenzial für regionale Anbieter. Sei es in Kantinen oder bei der Mittagsverpflegung in Schulen.

Bürgermeister Josef Schindler betonte, dass die Landwirtschaft in der Region nur gemeinsam mit der Gesellschaft, den Kommunen und Bürgern eine Chance habe. Besonders beim Schutz des Trinkwassers müssten Kommunen und Landwirte zu einer Lösung kommen, die für beide tragbar sei. Josef Schindler: „Es kann nur miteinander gehen."

Landwirtschaft in Bayern

Im Jahr 2020 bewirtschafteten in Bayern rund 84 600 Betriebe knapp 3,1 Mio. Hektar landwirtschaftlich genutzte Fläche. Den Großteil der Agrarbetriebe bildeten mit 92,3 Prozent die zumeist familiengeführten Einzelunternehmen. Diese Betriebe werden zu knapp 55 Prozent im Nebenerwerb geführt.



Renate und Josef Knipfer aus Kühthal waren auf ihrem Hof Gastgeber für die Traktortour.       Bild: © Sabine Norgall, Markt Regenstauf