Luitpold-Hütte zieht unter Ogepar-Führung großen Auftrag an Land

Die Ogepar-Gruppe aus Luxemburg kann Eisenguss. Emmanuel Froidbise, der am Montag beim Ortstermin in der Luitpold-Hütte in Amberg die Inhaber-Familie vertrat, ließ daran keinen Zweifel. 250 Millionen Euro Umsatz machte das 35 Jahre bestehende Unternehmen in 2015 in der Branche, 14 Millionen betrug der Gewinn. Ende des Jahres kauften die Luxemburger das insolvente Oberpfälzer Traditionsunternehmen, an dem bis dahin mit 26 Prozent der Freistaat Bayern beteiligt war. 360 der ursprünglich 475 Arbeitsplätze wurden gerettet. Nun geht es laut Geschäftsführer Olivier Babilon darum, Produktivität und Qualität zu erhöhen. Millionenschwere Investitionen seien bereits geplant, ein "richtig großer" Auftrag sei jüngst an Land gezogen worden. Finanzminister Dr. Markus Söder und Staatsekretär Albert Füracker kamen zum Loben vorbei.

Söder unterstrich zunächst, dass der Freistaat auch heute noch viele Unternehmen besitzt. Sein Ministerium sei für jährliche Bilanzsummen von 800 Milliarden verantwortlich, sagte. Die Luitpold-Hütte sei ein kleiner, aber vom Infratrukturellen her wichtiger Betrieb gewesen. 1882 beschloss der Landtag, hier einen Hochofen zu bauen, der 1883 angeblasen wurde. Den Namen des Prinzregenten gab es 1911, ab 1952 war der Freistaat nur noch Minderheitsgesellschafter. Dass der Karren zuletzt in die Pleite gerutscht war, machte der Finanzminister am letzten Mehrheitseigentümer fest. Angebote des Freistaats, zu sanieren, modernisieren oder investieren, seien nicht angenommen worden.

Im Insolvenzverfahren sei es gelungen, einen starken, international aufgestellten Partner nach Amberg zu bringen, der den Weltmarkt mit "anspruchsvollen Guss-Produkten" beliefert. Söder lobte den Einsatz und das Engagement von Belegschaft und Betriebsrat. Die 360 verbliebenen Arbeitskräfte haben Einschnitte in den tariflichen Leistungen hinnehmen müssen, 115 Kolleginnen und Kollegen mussten den Gang in die Qualifizierungsgesellschaft antreten. "Wir hoffen, dass die Zukunft gesichert ist", sagte er und lobte Albert Füracker, der mit dem Thema Luitpold-Hütte über Monate hinweg täglich im Einsatz gewesen sei.

Eher nebenbei erwähnte der Minister, dass der Freistaat dem Investor in Sachen Altlasten entlasten wolle. Auf Nachfrage konkretisierte Staatssekretär Füracker, dass es - falls in Zukunft Altlasten auftauchen sollten, was bisher nicht der Fall sei - der Freistaat einen bestimmte Quote der Sanierung tragen werde, die umso höher ausfallen würde, je teuerer die Sanierung käme. Als Obergrenze seien 10 Millionen Euro für den Fall der Fälle vorgesehen.

Emmanuel Froidbise berichtete von 1300 Mitarbeitern, die die Ogepar-Gruppe weltweit beschäftigt, 1000 davon in Europa (Frankreich, Belgien, Deutschland).  "Wir entscheiden sehr schnell", beschrieb er die Firmenpolitik. Ewout Vandamme, Direktor in der Ogepar-Gruppe, ergänzte, dass das Familienunternehmen eine "Langzeitvision" verfolge. Zwei Gießereien in Frankreich sowie weitere Betriebe in Belgien und Deutschland gehörten zum Konzern. Dutzende Firmen mit Finanzierungsbedarf seien aufgekauft, aber niemals wieder abgestoßen worden. Bei Ogepar gebe es keine Dividenden, der Gewinn werde reinvestiert. Die einzelnen Unternehmen in der Gruppe seien voneinander unabhängig. "Wir glauben an die Stärke der Luitpold-Hütte, sie ergänzt sehr gut unser Angebot auf dem Markt", schloss er.

Olivier Babilon unterstrich, dass er als Geschäftsführer der hiesigen und zweier weiterer Gießereien in Frankreich Technik, Prozesse, Qualitätsstandards und Preise der Branche kenne. Früher habe die Luitpold-Hütte das Markt-Niveau gesetzt. Dahin müsse man nun wieder kommen. Um die Wettbewerbesfähigkeit wieder zu steigern, investiere Ogepar heuer drei Millionen in die Sandaufbereitung und die Erhöhung der Formkästen, was ein breiteres Produktspektrum ermöglichen wird.  Nächstes Jahr sollen wohl weitere zwei Millionen fließen - weitere Investitionen in dieser Größenordnung dann auch in den Jahren bis 2020 folgen. Konkretere Zahlen wollte Babilon nicht nennen. Er verwies darauf, dass dies wohl auch vom wirtschaftlichen Erfolg in Amberg abhänge.

Betriebsratsvorsitzender Christian Zwack ("bin überglücklich über die Weiterführung") freute sich gemeinsam mit ihm über den eingangs erwähnten großen Auftrag. Zuvor hatte er die Opferbereitschaft der Belegschaft und die Bedeutung der Luitpold-Hütte als Wirtschaftsfaktor für die Region betont.