Märchengestalten im Klosterhof zum Leben erweckt

 

Eine Lesung aus dem reichen Schatz der Sagen und Märchen von Franz Xaver Schönwerth ist an sich schon etwas Besonderes. Wenn sie jedochim romantischen Ambiente des Klosterinnenhofs in Ensdorfstattfindet, glaubt man bei Agnes O. Eisenreichs bildhaftem Vortrag die Sagengestalten zu erahnen, sie zu spüren.Am Manuskripthalter flackerten Kerzen, dazu noch von musikalischen Klangmalereien derbeiden Vollblutmusiker Stefan Huber von der Umwelt-Musik-Werkstatt des Ensdorfer Klosters und Koma Lüderitzbegleitet und umrahmt,erzählte Agnes O. Eisenreich Geschichten über die „Wilde Oberpfalz“.

Abgehackte Köpfe, abgerissene Gliedmaßen, Menschenfresser. Wenig haben die Märchen von Franz Xaver von Schönwerth mit den Weichspülversionen der Gebrüder Grimm zu tun. Für die „Geschichten aus der wilden Oberpfalz“ tauchte Eisenreich in das Leben von Franz Xaver von Schönwerth ein. Im 19. Jahrhundert erforschte der gebürtige Amberger das Leben der Oberpfälzer Bevölkerung. Zeichnete Sagen, Märchen, Schwänke sowie Sprichwörter auf. Beobachtete das Leben der Bevölkerung beschrieb den bäuerlichen Alltag und Brauchtum.

Die Stimme klar und hervorragend akzentuiert, Mimik und Gestik wohldosiert, so führte Agnes O. Eisenreich ihr Publikum in die Welt ihrer schlitzohrigen Figuren ein. Sie erzählt von einfältigen und eitlen Dorfbewohnern, die denken für den Tod der Dorfältesten verantwortlich zu sein. Sie wenden sich Hilfe suchend an den armen Lehrer, der aus der Misere seiner Mitmenschen ordentlich Profit schlägt und zu dem Schluss kommt, „dass sich Bildung eben doch auszahlt“. Da kommt auch schon mal die Pechmarie à la Schönwerth verstümmelt zu ihrer gierigen Mutter zurück. Oder es werden zwei Märchen zu einem: Dornröschen wird nicht wach geküsst, sondern muss einen großen, schmutzigen Pudel küssen, der natürlich der verzauberte Prinz ist. Und, das erführt so nebenbei das erstaunte Publikum „Pudel waren damals ganz große Hunde, so richtige Wachhunde“.

Die ehemalige Reporterin und Moderatorin bei OTV in Amberg ist aber auch dialektsicher, beweist dies mit einer Erzählung aus der nördlichen Oberpfalz. Viele dieser Märchen und Sagen Schönwerths aus der alten Oberpfalz sind heute nahezu vergessen, doch seit ein paar Jahren werden sie wieder belebt. Im Besonderen vom Trio Agnes O. Eisenreich als Erzählerin und Stefan Huber und Koma Lüderitz als Musiker. Die beiden entwickelten für Schönwerts Geister und Märchengestalten ein besonderes Klangkonzept. ließen durch Dudelsack, Autoharp, Ukelele, Bariton-Saxophon, Schlagwerk, Akkordeon, Wassergeige, und Dubcimer eine ganz eigenartige Klangwelt entstehen. Untermalten, verstärkten die Spannung des bildhaften mit sparsamen Gesten unterstrichenen Vortrags von Agnes O. Eisenreich. Dass das Ambiente des Klosterinnenhofs genial zu den Geschichten und der Musik passten, fanden die vielen Besucher auch und dankten Erzählerin und Musikern mit einem kräftigen, lang anhaltenden Schlussapplaus.