Marmorkrebse-im-Murner-See Immer wieder stoßen Taucher im Murner See auf Exemplare des Marmorkrebses. Durch seine sehr kleinen Scheren und die Musterung seines Panzers ist er leicht zu identifizieren. Bild: © Manuel Lukas

Wackersdorf/Schwarzenfeld. Im Murner See wurde eine wachsende Population des sogenannten Marmorkrebses festgestellt. Die Krebsart zählt in der EU gemäß „EU-Invasiven-Verordnung" zu den invasiven Arten, d.h. sie verdrängt heimische Krebse aus deren Lebensraum und überträgt zudem mit hoher Wahrscheinlichkeit die Krebspest, eine für einheimische Krebsarten tödliche Krankheit.


Gemeinsam mit dem Landesamt für Umwelt und lokaler Fischerei- und Naturschutzbehörden haben die Gemeinde Wackersdorf und der Markt Schwarzenfeld deshalb Maßnahmen zur Eindämmung einer weiteren Ausbreitung umgesetzt.

„Unser Ziel ist zu verhindern, dass der Marmorkrebs seinen Weg in andere Gewässer mit heimischen Krebspopulationen findet", erklärt Wackersdorfs Bürgermeister Thomas Falter. Sein Schwarzenfelder Amtskollege, Peter Neumeier ergänzt: „Wir ziehen dabei an einem Strang". Im Murner See stellt der Marmorkrebs derzeit keine direkte Bedrohung für die Tierwelt dar. Aufgrund des sauren pH-Werts von 3,6 bis 3,7 leben dort keine heimischen Krebsarten – andererseits aber auch keine möglichen natürlichen Fressfeinde. Im Fokus jetzt abgeschlossener Untersuchungen stand somit das direkte Gewässer-Umfeld des Murner Sees. Nach derzeitigem Kenntnisstand besiedeln die Marmorkrebse den kompletten Murner See sowie den Nahbereich der direkt mit dem See verbundenen Gräben. Nicht direkt angebundene Gewässer sind derzeit noch nicht besiedelt. Bei keinem der bisher untersuchten Krebse wurde die Krebspest festgestellt. Ein Bericht des Bayerischen Landesamts für Umwelt zur aktuellen Situation am Murner See enthält u.a. Handlungsempfehlungen zum Management der invasiven Art. Zum einen sollen die umliegenden Gewässer konsequent durch Fangreusen und Wasseruntersuchungen überwacht werden, Taucher entnehmen im Murner See regelmäßig Exemplare zu Untersuchungen. Zum anderen sollen in den Ableitern des Murner Sees Krebssperren installiert werden, z.B. am Edelmannsee oder Südgraben. Ein gezielter Einsatz von möglichen Fressfeinden kommt – aufgrund des genannten niedrigen pH-Werts des Murner Sees – aktuell nicht in Frage.

Bade- und Freizeitgäste des Murner Sees werden den Marmorkrebs in der Regel übrigens nicht zu Gesicht bekommen. Die Krebse leben vorwiegend unter der Wasseroberfläche und sind daher höchstens eine interessante Begleiterscheinung für Taucher. Allgemein appellieren die Anliegerkommunen Wackersdorf und Schwarzenfeld aber an alle Besucher*Innen, darauf zu achten, dass der Krebs nicht wissentlich oder versehentlich exportiert werde. Larven des Tiers können sich beispielsweise auch in Wasserresten an Sand- oder Wasserspielzeugen und Wassersportgeräten befinden.

Der Marmorkrebs

Der Marmorkrebs erreicht eine Länge von rund 12 Zentimetern und besitzt verhältnismäßig kleine Scheren. Wie schon sein Name vermuten lässt, ist seine gelbliche Färbung durch eine dunkle Marmorierung gezeichnet. Nicht nur das saure Wasser des Murner Sees stellt für die Krebsart kein allzu großes Problem dar. Stehende oder fließende Gewässer, 8 oder 30 Grad Wassertemperatur: Allgemein ist der Marmorkrebs extrem anpassungsfähig. Eine weitere Besonderheit ist, dass er sich klont. Es gibt keine männlichen Tiere, jedes Weibchen kann sich eigenständig vermehren – und das mit einer vergleichsweise hohen Reproduktionsrate. Der Marmorkrebs ist ein Allesfresser, er ernährt sich vorzugsweise von Pflanzen und Schnecken. Die Wege seiner ursprünglichen Herkunft führen bis nach Florida, wo er in der Aquarienzucht durch die Mutation einer „normalen" Flusskrebsart entstand. Bereits seit Mitte der 90er Jahre ist die Art in der deutschen Aquaristik bekannt, in freier Natur wurden erste Tiere vor bald 20 Jahren in der Nähe von Karlsruhe entdeckt. Seitdem verbreitet sich das Krustentier. Es wird davon ausgegangen, dass die Krebse ursprünglich von Aquarianern ausgesetzt wurden.