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Mehr Geld für die Marke Oberpfalz

Mehr Geld für die Marke Oberpfalz

5 Minuten Lesezeit (958 Worte)

Der Verein „Oberpfalz Marketing“ positioniert den Bezirk als Marke, als attraktiver Raum zum Leben und Arbeiten. Auf Antrag hat der Landkreis Schwandorf jetzt beschlossen, die Mitgliedsbeiträge zu erhöhen – wenn auch nicht um die gewünschte Summe.

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Ein Blick in die Statistiken beweist es: Die Oberpfalz ist eine Boom-Region. Einst als das Armenhaus Bayerns bezeichnet, kann sich der Regierungsbezirk heute über prosperierende Verhältnisse freuen. Die stetig steigende Zuwanderung sowie die hohe Zufriedenheit der Bürger sind ein Ausdruck dieser Entwicklung. Während sich im gesamten Freistaat beispielsweise 45 Prozent der Menschen vorstellen könnten, für einen Beruf umzuziehen, liegt die Quote im Bezirk mit gerade einmal 15 Prozent deutlich niedriger.

„Die Oberpfalz ist nicht mehr die Abwanderungsregion, die sie früher einmal war, sondern sie floriert“, sagte Christoph Aschenbrenner am Montag vor dem Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik. Er ist Geschäftsfrüher von „Oberpfalz Marketing“, eines Vereins, dem alle Oberpfälzer Landkreise und kreisfreien Städte sowie zahlreiche Unternehmen angehören. Sein Ziel ist simpel: Er soll die Oberpfalz gezielt als Marke präsentieren, als attraktiven Raum zum Leben und Arbeiten. Vor allem Fachkräfte sollen so für die Oberpfalz gewonnen werden, erklärte Aschenbrenner. Dazu bediene man sich verschiedener innovativer Strategien, die eines gemeinsam haben: Die Maßnahmen spielen sich „fast ausschließlich“ online ab.

PR-Offensive für die Oberpfalz

Neben einer Jobbörse schließt das auch eine eigene Website, Profile in den sozialen Medien und die Nutzung von Messenger-Diensten ein, zum Beispiel WhatsApp oder den Facebook-Messenger. Dabei erziele man jeweils hohe Reichweiten, sagte Aschenbrenner: Allein auf Facebook hätte man diese von zwei Millionen auf 2,7 Millionen steigern können; ein eigenes Werbevideo im 100-Sekunden Format habe zudem über 72.000 Aufrufe erzielt. Aschenbrenners Plan umfasst die modernsten Strategien der Werbebranche, ja es ist eine regelrechte PR-Offensive für die Oberpfalz. Um diese Aufgabe gerecht zu werden, erhält der Verein derzeit einen Mitgliedsbeitrag in Höhe von 12 Cent pro Einwohner (inklusive Inflationsausgleich), im Landkreis Schwandorf also rund 17.000 Euro. Das reiche aber nicht aus, um das volle Potenzial auszuschöpfen, so der Geschäftsführer. Mit seinem Team hat er nachgerechnet, dass mindestens eine Vervierfachung um 48 Cent je Einwohner nötig wäre. Die zusätzlichen Mittel sollen aufwendet werden, damit die bisherige Tätigkeit noch deutlich ausgebaut werden kann.

Skepsis bei Kreisräten

Konkret ist angedacht, diese für Kooperationen mit Institutionen wie dem Oberpfälzer Seenland aufzuwenden, um mehr Reichweite für das dortige Angebot zu generieren. Das heißt: Durch eine gezielte Präsentation im Internet, insbesondere in den Sozialen Medien, soll die Attraktivität des Landkreises mit seinen Seen und vielfältigen kulturellen Angeboten besser dargestellt werden. ,„Die Oberpfalz besticht mit ihrer Vielfalt“, sagte Aschenbrenner. „Das wollen wir mehr kommunizieren, als Dienstleister für die Region.“ Im Landkreis Schwandorf hat der Werbespezialist nun erstmalig für sein Konzept samt Erhöhung geworben, die weiteren Landkreise und kreisfreien Städten werden demnächst folgen. Beim Ausschuss für Kreisentwicklung, Umweltschutz und Touristik hinterließ der Plan zwar durchaus Eindruck. „Das kann sich sehen lassen, und das ist alles sehr professionell“, lobte Landrat Thomas Ebeling (CSU). Weil man im Marketing aber immer mehr machen könne, empfahl er dem Gremium die Zustimmung. Damit hätte der Landrat das nötige Mandat, um bei der Abstimmung mit allen Vereinsmitgliedern die Erhöhung auf 48 Cent zu unterstützen. Doch der Kreisausschuss war sichtlich skeptisch, offenbar auch, weil das Konzept nicht unbedingt der Mediennutzung der Räte entspricht. „Das ist ein Haufen Geld, und das ist für mich schwer zu fassen“, brachte Ulrike Roidl (SPD) die allgemeine Haltung auf den Punkt.

Kompromiss, mit dem alle leben können

Für die CSU sprach Maria Baumer sogar von einem „Bauchgrummeln“, das die Erhöhung bei ihr wecke. Immerhin würde das Ausgaben von rund 63.000 Euro bedeuten, würde man dem Wunsch entsprechen. Die Mehrheit der Räte sah das ähnlich, auch wenn sie grundsätzlich den Bedarf anerkannten. Nach einer intensiven Debatte zeichnete sich jedoch bald ein Kompromiss ab, mit dem beide Seiten leben können – die Räte ebenso wie der Geschäftsführer. Statt einer vierfachen Erhöhung soll der Beitrag demnach lediglich um das Dreifache auf 36 Cent pro Einwohner erhöht werde. Das stellte einen für alle gleichermaßen akzeptablen Mittelweg dar, der von den Räten einstimmig beschlossen wurde. Unmittelbare Konsequenzen hat das Votum indes nicht, zumindest vorläufig: Die Entscheidung sollte Landrat Ebeling bloß die nötige Ermächtigung erteilen, wie er im Verein „Oberpfalz Marketing“ als Landkreis Schwandorf abstimmen darf. Davor aber muss Geschäftsführer Aschenbrenner erst einmal in den anderen Landkreisen und kreisfreien Städten die Werbetrommel rühren, dass diese eine Erhöhung ebenfalls unterstützen. Die endgültige Entscheidung fällt dann im Verein. Doch große Zweifel hat Landrat Thomas Ebeling nicht, dass dem Geschäftsführer das gelingen wird: „Wenn sie das so gut machen wie bei uns“, sagte er, „sollte das kein Problem werden.“

Landkreis unterstützt Tarifbremse in Cham

Im Sinne der Oberpfalz dürfte auch eine Kooperationsvereinbarung mit dem Landkreis Cham sein, der am Montag ebenfalls auf der Tagesordnung stand. Er sieht die Umsetzung einer sogenannten Tarifbremse im Geltungsbereich des VLC-Tarifs vor. Dieser betrifft hauptsächlich den Landkreis Cham, hat jedoch auch Ausläufer im Landkreis Schwandorf – zum Beispiel in den Bereichen Neunburg vorm Wald, Oberviechtach und Schönsee. Mit der Tarifbremse soll sichergestellt werden, dass die Preise für die Nutzung des ÖPNV auf einem konstanten Niveau bleiben, selbst wenn die Regierung eine Tariferhöhung genehmigt. Die Differenz bezahlt der Landkreis dann an das Eisenbahnunternehmen, sodass sich für die Bürger keine finanziellen Änderungen ergeben. Für den Landkreis Schwandorf bedeutet das, weil er teilweise im VLC-Tarif liegt, eine jährliche Maximalbelastung von 4.450 Euro. Die Kosten werden gemäß den Personenkilometern aufgeteilt, die auf beide Landkreise entfallen, sagte Landrat Ebeling. Grundsätzlich könne er Bedenken verstehen, zumal für den Kreis zusätzliche Kosten entstehen. „Aber ich denke, wir sollten Cham hier nicht im Wege stehen“, sagte er. Auch den Kreisräten leuchte die Sinnhaftigkeit dieses Unterfangens ein, schließlich kommt das auch einigen Bewohnern des Landkreises zugute. Sie votieren deshalb einstimmig für eine Unterstützung der Tarifbremse. Damit dürfte der Umsetzung im Landkreis Cham nichts mehr im Wege stehen.


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