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„Mieterbund hat eigene Sichtweise auf die Dinge“

„Mieterbund hat eigene Sichtweise auf die Dinge“

3 Minuten Lesezeit (590 Worte)

Regensburg. Anton Sedlmeier, Leiter des Amts für Stadtentwicklung, weist eine Verantwortung der Stadt für die Überhitzung des Mietmarkts von sich und kritisiert den Mieterbund. TITELTHEMA Februar

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Herr Sedlmeier, der Mieterbund vermutet, dass in Regensburg mit erschlossenem Baugrund spekuliert und dadurch der Wohnungsmarkt zusätzlich angeheizt wird. Die Stadt tue nichts dagegen, kritisiert Werner Hinreiner. Was sagen Sie dazu?

 

Spekulation kann es im Einzelfall sicherlich geben und es gibt auch Kapitalanleger, die verkaufen wollen. Eine Baugenehmigung erhöht immer den Wert eines Grundstücks. Ich glaube jedoch nicht, dass viele Spekulationsobjekte dabei sind. Baugenehmigungen sind mit hohen Kosten verbunden. Es werden verschiedene Gutachten, zum Beispiel zum Schallschutz benötigt und die kosten Geld. In Regensburg haben wir außerdem eine hohe Kluft zwischen Eigentum und Miete. Wenn die Preise für den Erwerb von Eigentum hoch sind, die Mieten aber nicht entsprechend mit ansteigen, wirkt das als Bremse für Spekulationen.

Wie erklären Sie den hohen Überhang an Baugenehmigungen, der in den vergangenen Jahren auf mittlerweile 3.587 Wohneinheiten angewachsen?

Der Überhang ist völlig normal und nichts anderes als eine Momentaufnahme am jeweiligen Jahresende. Die Summe setzt sich aus einer gewissen Anzahl an Wohnungen zusammen, die noch nicht gebaut sind und einer Anzahl jener, die bereits gebaut werden. Wohnungen werden nie im selben Jahr fertiggestellt, in dem die Baugenehmigung erteilt wird. Hinzu kommt, dass die Baubranche derzeit völlig ausgelastet ist und daher Bauvorhaben manchmal länger benötigen als zunächst gedacht. 2014 hatten wir übrigens in Regensburg die bisher höchste Zahl fertiggestellter Wohnungen. Der Wohnungsmarkt ist in Bewegung und damit steigt auch die Zahl der Baugenehmigungen.

Das erklärt aber doch noch nicht die hohe Differenz zwischen Baugenehmigungen und Fertigstellungen, die sich angesammelt hat. Wird hier alles dem freien Markt überlassen?

Die Stadt geht derzeit davon aus, dass pro Jahr 1.500 Wohnungen gebaut werden müssen. Das wird aber zeitnah abnehmen. Derzeit werden viele Wohnungen fertiggestellt und der Überhang langfristig wieder abnehmen. Die Baugenehmigungen werden hin und wieder auch an gewisse Bedingungen geknüpft, wie zum Beispiel einen festen Zeitraum, innerhalb dem gebaut werden muss.

Der Standort Regensburg ist nach wie vor sehr attraktiv für Unternehmen. Osram baut das Werk weiter aus, was weitere Fachkräfte nach Regensburg ziehen wird. Drückt das nicht weiter auf den Wohnungsmarkt?

Wir wollen den Ansatz der Werkswohnungen wieder stärker verfolgen. Große Unternehmen können sich bei bestimmten Baugebieten Belegungsrechte von Wohnungen sichern, die öffentlich gefördert wurden. Zusammen mit dem Immobilien Zentrum haben wir das Förderprojekt FairWohnen initiiert (Anmerkung der Redaktion: Das Immobilien Zentrum ist eines der drei Bauträger-Unternehmen, die im Zentrum der Korruptionsaffäre stehen). Dadurch soll ein günstiges Mietpreisniveau in diesen Bauten gewährleistet werden, was insbesondere von der Einkommensstufe 3 in Anspruch genommen werden kann - also Krankenpflegern, Polizeibeamten und dergleichen.

In der Nibelungenkaserne wird dieses Modell als erstes umgesetzt werden. Die Kirchmayerstraße, die Südseite des Dörnbergviertels und die Grunewaldstraße sollen folgen. Allerdings dauern diese Projekte derzeit etwa vier Jahre bis zum Baubeginn, da die Bürokratie sehr umfangreich ist.

Laut Mieterbund droht eine Unterversorgung gewisser Stadtgebiete und ein Sterben der Dörfer im Einzugsgebiet. Werner Hinreiner sieht eine gewisse Verantwortung bei der Stadt und ihrer Standortpolitik. Hat man es verschlafen, die Konzentration auf die Altstadt zu entlasten?

Der Mieterbund ist eine ganz besondere Einrichtung, die ein eigenes Weltbild hat, das auf die Stadtgesellschaft projiziert wird. Schon öfters ist er damit aufgefallen, Dinge zu behaupten, die nicht stimmen. Es ist zum Beispiel eine Fehleinschätzung, die Mieten in der Altstadt seien im Vergleich zum Rest der Stadt überteuert. Das zeigt auch ein Blick in den aktuellen Mietspiegel, wo der Zuschlag zur Altstadt im Vergleich zur Gesamtstadt nicht höher geworden ist.

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