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Mit 85 nach 40 Jahren wieder in der Heimat

Mit 85 nach 40 Jahren wieder in der Heimat

4 Minuten Lesezeit (779 Worte)

Tegernheim. Vor 40 Jahren hat der Tegernheimer Oldtimerliebhaber Rudi Engl seinen Tatra 57, Baujahr 1933, von Prag nach Tegernheim überführt. 1975 lernte er und seine Christl in Podgora an der damaligen jugoslawischen Markarska- Rivera das tschechische Ehepaar Pokorny aus Prag kennen. Es entstand eine Freundschaft mit gegenseitigen Besuchen. Auf die Frage von Milan Podgorny, Rudi, mit was kann ich dir eine Freude machen, kam die Antwort klar, alte Sachen und junge Frauen.

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Bei junge Frauen, meinte Ing. Milan, bekomme ich Probleme mit deiner Christl, alte Sachen, das kann man erfüllen. Bei einem Besuch in Prag noch im gleichen Jahr, war der Kfz.- Meister sofort Feuer und Flamme, als sich im Straßenverkehr die alten Autos noch voll in der historischen Stadt bewegten. Seine Begeisterung spornte somit seinen tschechischen Freund sofort an, für den bayerischen Eng(e)l  ein geeignetes Gefährt zu suchen. Ein Cabrio sollte es sein, so der Wunsch des Tegernheimers.

Nach weiteren Kontakten war es 1978 soweit, ein Tatra 57 Cabrio, Baujahr 1933, mit 1100ccm und 18 PS im Stile einer Kutsche, hatte Milan beschafft. Zwar ziemlich verbraucht, der rote Lack war verblasst, die Sitzbezüge stark abgenützt, und der Motor hatte nur noch auf einen Zylinder Kompression. 2000 DM war der Preis für das „gute“ Exemplar und musste über den Zoll in Pilsen ausgeführt werden und dort bar mit DM bezahlt werden. Nach einem schönen Abend und einer kurzen Nacht in der Nähe von Prag auf der Datscha von Milans Eltern, der Vater war Bankdirektor, umgeben von alten Java- Motorrädern, wurde der Tatra auf den Anhänger geladen und die Reise Richtung Pilsen angetreten.

Nach erfolgreicher Ausfuhrgenehmigung ging es dann über Furth in Wald zurück nach Tegernheim. Die Restaurierung des Schmuckstücks wurde bald begonnen. Zunächst wurde nach der technischen Instandsetzung das alte Stück in der Farbe rot lackiert, einige Zeit später aber auf Wunsch eines bekannten Regensburger Fotografen, der damit dem Cabrio heiraten wollte, weiß lackiert. Seitdem diente der Tatra vielen verliebten Paaren als Hochzeitskutsche.

Heuer am 01. Juli wurde das gute Stück 85 Jahre alt, ein Anlass für Rudi Engl ihn besonders zu ehren. Außerdem sind es 40 Jahre, dass der Oldtimer in Tegernheim sein neues zu Hause hat. Die Marke Tatra, ist einer der ältesten Automarken der Autogeschichte. Im Jahr 1850 war die Unternehmensgründung in Nesselsdorf, als Böhmen noch bei Österreich war, zunächst als Kutschen-  und Schlittenbau. Heute heißt der Ort Koprivice. Das höchste Gebirge im Land, die Hohe Tatra, war für die Namensgebung der Fahrzeuge der Anlass. Hans Ledwinka, der Konstrukteur des Tatra 57 war mit Ferdinand Porsche befreundet, als er 1932 das Fahrzeug baute. 4000 Stücke wurden gebaut, das Fahrzeug war ein Volkscabrio mit hervorragender Fahreigenschaft und erhielt dafür den Namen „Hadimrska“, das so viel heißt, wie schlängelt sich, wie eine Schlange.

Der Motor ist als luftgekühlter Boxermotor, ein Vorläufer des legendären VW – Motors. Der 25 Liter Tank befindet sich direkt über dem Vergaser, einem Fallstromvergaser, der dadurch keine Benzinpumpe braucht. Dafür hoppelt er am Berg schon, wenn wenig Benin vorrätig ist. Bis 1999 wurden Pkw der Marke Tatra gebaut, seitdem nur noch Lkw. Früher war Tatra , der Mercedes des Ostens, sagte man. Ein Tatra- Museum im heutigen Tschechien zeugt dafür.

Rudi Engl legte den schon lange gefassten Entschluss, am 01. Juli seinen Tatra noch einmal ursprüngliche Heimatluft atmen zu lassen. Um 8 Uhr früh wurde am Tegernheimer Mittelberg der luftgekühlte Motor gestartet. Der geplante Weg über Falkenstein, Cham und Furth im Wald nach Tschechien war das Ziel, sowie 1978 der Heimweg war. Die Atmosphäre war blendend, vorbei an frischgemähten Vorwaldwiesen, die schon nach jungen Heu rochen, war die Strecke ein unvergessliches Erlebnis. Herz und Seele des Oldtimerpiloten blühten auf. Die Staatsgrenze, die nach 40 Jahren ein völlig anderes Bild präsentierte, war eigentlich gar nicht mehr vorhanden. Die damals strenge Ostrepublik präsentiert sich heute völlig frei, vor allem mit sauberen Straßen und schmucken Häusern.

In der Nähe von Domazlice wurde nach zirka zwei Stunden Fahrt ein Restaurant angesteuert und eine Pause eingelegt. Sofort entstand mit den Anwesenden Kontakt, der Tatra hat in seiner Heimat noch immer einen guten Ruf. Vor allem die Schräglenker- Hinterachsen der Lkw´s sind eine Legende. Gegen Mittag war der Start zur Rückfahrt, diesmal von Falkenstein über Wörth an der Donau. Natürlich war bei  zirka 60 km/h Durchschnittsgeschwindigkeit, bei möglichen 80 km/h eine folgende Kolone unvermeidbar, aber ein bestimmter Respekt vor dem Alter schadet nicht.

Kurz nach 14 Uhr war der Geburtstags-Jubilar Tatra wieder in der Engl-Garage in Tegernheim angekommen, rechtzeitig zur weiteren Fußball-WM-Verfolgung. Insgesamt wurden 200 km in einer Fahrzeit von vier Stunden zurückgelegt, damit war Dank und Anerkennung für all die gemeinsamen schönen Stunden gewürdigt. Neue Pläne mit seinen anderen Oldtimern für die Zukunft  sind bereits gefasst.

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