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Kopie-von-Tagebau-Steinberg-West-2 Tagebau Steinberg West. Archiv Heimat- und Braunkohlemuseum.

Neues Kozept für Heimat- und Braunkohlemuseum

4 Minuten Lesezeit (855 Worte)
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Steinberg am See/Wackersdorf. 1982 schloss die Bayerische Braunkohlen Industrie ihre Pforten – nach 76 Jahren Kohleabbau im Raum Wackersdorf/Steinberg, in denen rund 180 Millionen Tonnen Kohle aus 36 Tagebauen gefördert und 88 Milliarden Kilowattstunden Energie erzeugt wurden. Um diese die Region bis heute prägende Zeit der Nachwelt zu erhalten, wurde zwöf Jahre später in Steinberg das Heimat- und Braunkohlemuseum eröffnet. Die Museums-Macher nutzen die Corona-Vernaufpause, um dem Stück Heimatgeschichte mit einem neuen Konzept zusätzlichen Pep zu geben.


Der damalige Bürgermeister Jakob Scharf, selbst Bergmannssohn, hatte damals die Initiative zur Umgestaltung des ehemaligen Pfarrhofes ergriffen und in Heinrich Korn, einem ehemaligen Bergmann und ausgesprochenen Fachmann, den idealen Partner gefunden. Beide trugen Hunderte von Exponaten zusammen und ordneten die BBI-Geschichte in mehreren Räumen auf zwei Stockwerken verteilt. Dabei beginnt der Braunkohleabbau nicht erst mit Gründung der BBI 1906, sondern bereits in Jahre 1800, als der Schneidermeister Andreas Schuster beim Brunnengraben auf schwarze Erde stieß. 

In der Folgezeit suchte man in der Umgebung Kohlenvorräte, baute Stollen und Schächte und musste die ersten tödlich verlaufenen Bergwerksunglücke verzeichnen. 1845 wurden diese Bemühungen wegen Absatzmangel und Unrentabilität wieder eingestellt. Erst 1902 gab es einen Wiederbeginn im Feld Steinberg/Süd und Bodenuntersuchungen in Wackersdorf. Am 5.Februar 1906 hat die neugegründete „Bayerische Braunkohlen – Industrie" 135 Arbeiter, 13 Angestellte und zwei Lokomotiven von je 40 PS.

Tipps und Trends für Sie
Das Museum.

In den folgenden 76 Jahren gab es nicht nur die Aufschlüsse verschiedener Tagebaue, sondern vor allem die Fortentwicklung der Technik vom Handbetrieb mit Pickel und Schaufel bis hin zu riesigen Schaufelradbaggern. Die Förderbahntechnik (ein Exponat am Steinberger See!) wurde hier „erfunden" und trat den Siegeszug um die ganze Welt an. Die Umsiedlung von Wackersdorf 1950/52 wird zu einem damals spektakulären Ereignis, da ganz „Alt-Wackersdorf" weggebaggert wurde, sogar die Toten umgebettet wurden. Es folgten 32 Häuser von Steinberg sowie die Orte Oder und Holzheim – heute mit 184 Hektar der Steinberger See. Das blühende Oberpfälzer Seenland lässt nichts mehr an die ehemalige Mondlandschaft erinnern. 

Der aufwändig restaurierte Altar der ehemaligen Oderer Kapelle ist ebenso im Museum zu bestaunen wie Dioramen aus der Anfangszeit zu Beginn und der Mitte des vorigen Jahrhunderts oder die Bergmannstrachten, Minerale, Karten und unzähliges Fotomaterial. Neben dem Braunkohleabbau ist aber auch die Ortsgeschichte festgehalten mit alten Berufen, Häuser-, Schul- und Kirchengeschichte sowie „Reminszenzen" an die beiden Weltkriege und die alte Fahne des 1821 gegründeten Krieger- und Veteranenvereins. 

Betreiber dieses Museums sind ausschließlich ehrenamtliche Kräfte des Heimatkundlichen Arbeitskreises. Der derzeitige Museumsleiter Christian Scharf und Dr. Wolfgang Neiser (Nabburg) erarbeiten seit einiger Zeit ein neues Museumskonzept. Viele Diskussionen, Arbeitsgruppen und Workshops sind seit 2019 bereits erfolgt.. Dabei sind die Pflege der Sammlungsbestände, deren wissenschaftliche Erforschung sowie die Vermittlung und Präsentation die Kernaufgaben. 

Phantasie und Vernetzung

Die inzwischen sehr umfangreiche Sammlung der BBI – und Ortsgeschichte will man als kulturelles Erbe für künftige Generationen bewahren. Dazu wird nicht nur ein überarbeitetes Präsentationskonzept vorbereitet, sondern man will alle Exponate, Fotos und Dokumente inventarisieren, archivieren und möglichst digitalisieren. Kreativität und Phantasie werden dabei gefragt sein, wobei eine möglichst enge Vernetzung mit Kultureinrichtungen in der Region angestrebt wird. 

Eine Präsenzbibliothek und das bereits umfangreiche Archiv mit konventionellen und digitalen Datenträgern sollen für alle interessierten Besucher zur Verfügung stehen. Auch wenn das Museum in den Wintermonaten für Besucher geschlossen ist, arbeiten vereinzelte Mitarbeiter des Museums sehr fleißig an der Umgestaltung zweier Räume. So wird der bisherige Vorführraum zu einer "Visitenkarte" des Museums umgestaltet, in dem der Besucher einen ersten Überblick der im Museum dargestellten Themen bekommen soll. Die neue Nachwuchs-Kuratorin Lea-Sofie Scharf hat derweil für die Umgestaltung des Sakralraumes einen ersten Entwurf präsentiert, der anhand ausgewählter Exponate die verschiedenen kirchlichen Sakramente im Laufe eines Lebens darstellt. Beide Räume sollen der Öffentlichkeit bei der Eröffnung nach der Winterpause präsentiert werden.

Mitglieder und Förderer gefragt

Das Leitbild soll regelmäßig hinterfragt und aktualisiert werden. Für das Jahr 2021 strebt man an, eine Medienstation zu installieren. Zur Realisierung der medialen Bilderschau sucht man noch Spender, wobei man auch die Mitgliederwerbung forcieren will. "Bei einem Jahresmitgliedsbeitrag von 7.00 Euro sollte uns diese Unterstützungsmaßnahme gelingen", hofft Vorsitzender Jakob Scharf. Darüber hinaus bittet der HAK einmal mehr, keine alten Fotos oder Dokumente wegzuwerfen, sondern ins Museum zu bringen. Inzwischen verfügt man – neben einem Zeitungsarchiv von 1905 bis jetzt und einer Sterbebildsammlung fast aller Steinberger seit 1915 –über eine Fotodatei mit insgesamt mehr als tausend Bildern, die Einblick in das Leben der Bevölkerung in über 100 Jahren geben. 

Trotz des coronabedingten Rückschlages wird der Verein weiterhin neben dem Schwerpunkt Museum auch an der Publikation heimatgeschichtlicher Themen arbeiten. Der Jahresband „Gmoböichl/Gmoabladln vo Schdamberch und Wackerschdorf" ist nur ein Teil der bisherigen Veröffentlichungen. Das umfangreiche Dokumentationsmaterial wird auch von Schülern, Studenten, Professoren zu eigenen Studien und Arbeiten genutzt. 

Beim Museumsbetreiber hofft man sehnsüchtig auf das Ende der Corona-Pandemie, um den Besuchern im einzigen Braunkohlemuseum Süddeutschlands die Regionalgeschichte wieder näherbringen zu können. Darüber hinaus ist das Steinberger Museum durch einen Museumslehrpfad mit dem Heimat-und Industriemuseum Wackersdorf verbunden, mit dem man eng und vertrauensvoll zusammenarbeitet. Auch hier wird der Braunkohleabbau –mit teilweise anderen Schwerpunkten- sehr anschaulich den Interessenten präsentiert.

Blick auf die Kirche.
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