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Neunburger Akademie unterwegs in Eger

Neunburger Akademie unterwegs in Eger

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Das traditionsreiche Familienunternhemen Hart Keramik in Schirnding, Hersteller von Spezialproduktenwie Ziegelmantelsteine und Schornsteinrohre war das Ziel einer Exkursion der Akademie für den Natur- und Kulturraum in Ostbayern und Böhmen. Ein Stadtrundgang im benachbarten Eger und ein Besuch der Wallfahrtskirche Maria Loreto rundete die Tagesfahrt ab.

 

Im Rahmen des Jahresthemas „Erde“ führte die jüngste Exkursion ins Egerland. Die frühere Egerländer Flaschenfabrikantenfamilie Hart entwickelte sich hier im Laufe ihrer 300-jährigen Firmengeschichte vom Steinzeugflaschenhersteller zum Spezialhersteller von Lehmbauplatten und keramischen Produkten rund um Kamine. Hans Fischer von der Akademie für den Natur- und Kulturraum Ostbayern-Böhmen hatte die Fahrt nach Schirnding beziehungsweise Cheb, dem früheren Eger, organisiert. Auch Akademie-Vorsitzender Dr. Peter Deml hatte sich der großen Reisegruppe angeschlossen.

Im Grenzbereich von Schirnding steht das Ziegelwerk der Waldsassen AG, wo Firmeninhaber Anton Hart die Oberpfälzer zu einer Betriebsbesichtigung einlud. Über 300 Jahre lässt sich die Familiengeschichte der Töpferfamilie Hart zurückverfolgen. In Altkinsberg (heute in Tschechien), dem Geburtsort von Anton Hart, stehen noch Reste einer Ziegelei, in der die jüngere Geschichte ihren Lauf nahm. Einst stellte man Steinzeugflaschen für den Mineralwasserversand der Egerländer Brunnen her. Als die Glasflasche ihren Siegeszug antrat, musste die Produktion auf chemisch-technische und baukeramische Erzeugnisse umgestellt werden. Nach dem Krieg erfolgte die Enteignung und die Harts siedelten sich in Schirnding an, wo heute eines der modernsten Ziegelwerke Europas produziert, erläuterte Firmenchef Anton Hart zu Beginn der Firmenbesichtigung.

In der riesigen Fertigungshalle konnte die Besuchergruppe auf einem Rundgang die vollautomatisch rund um die Uhr laufende Formgebung von Mantelkaminsteinen und die Stapelung auf sogenannten Tunnelöfenwägen beobachten. Danach werden die Produkte einem Trocknungs- beziehungsweise Brennprozess, der mit rund 1000 Grad abläuft, unterzogen. Sebastian Hart, verantwortlich für die Steuerungszentrale, informierte, dass man täglich rund 250 Tonnen Material verarbeitet und dafür etwa 8000 Kubikmeter Erdgas benötigt. Das Rohprodukt Ton kommt unter anderem auch aus der Schwandorfer Gegend. Jüngstes Projekt ist die Herstellung von Lehmbauplatten als Alternative zu den Rigipsplatten, ergänzte der Juniorchef abschließend.

Zweite Anlaufstation der Exkursion war die Stadt Cheb, die einstige freie Reichsstadt Eger, wo Dr. Wolf-Dieter Hamperl die Neunburger auf einem kleinen Stadtrundgang begleitete. Der kunstbeflissene Mediziner erklärte Baustile und bedeutende aufwändig restaurierte Gebäude auf dem weitläufigen Marktplatz. „Hier hatte hat auch mein Vater Waren feilgeboten“, ergänzte Manfred Kindler, der im benachbarten Untersandau geboren wurde und an seinem fünften Geburtstag in einem Viehwagen die Heimat mit seinen Eltern verlassen musste. Höhepunkt der Stadtbesichtigung war die Begehung der Burganlage mit ihrem Schwarzen Turm aus der Zeit von Kaiser Friedrich I Barbarossa. Anziehungspunkt war hier der Keramikkachelofen des Künstlers Willibald Ruß. Der gebürtige Egerländer hatte 1942 einen beeindruckenden Ofen mit zahlreichen anmutigen Figuren und bodenständige bürgerliche Szenen geschaffen der seinesgleichen sucht.

Auf der Heimfahrt steuerten die Akademie-Kunstinteressierten die auf dem „Heiligen Berg“ stehende Kirche Maria Loreto (Stary Hroznatov) an. Nach dem Krieg stand das von den Jesuiten erbaute Gotteshaus mit seinen fünf Türmen zerschossen und total verfallen da. Der Wallfahrtsort mit seinen 27 Kreuzwegstationen von Altkinsberg hoch auf den Bergrücken, zog seit dem 16. Jahrhundert Pilger aus dem Egerland und dem benachbarten Stiftland an. Prunkstück ist die Schwarze Madonna mit einem Mantel aus Goldblech der mit Edelsteinen verziert ist.

Der Kunstmäzen Anton Hart sen. , der am Fuß des Berges wohnte, hatte in den 1990er Jahren die Vision die Gnadenstätte wieder zu einem Anziehungspunkt zu machen. Die im militärischen Sperrgebiet gelegene Kirche wurde in über zehn Jahren von dem Fabrikanten Hart großzügig unterstützt. Ein eigens gegründeter Verein sorgte für die Sanierung. Mit dem grenzüberschreitenden Projekt bekundete Anton Hart seine Liebe zur Heimat und wurde für von der Stadt Eger zum Ehrenbürger ernannt.

Nähere Information sind im Internet auf der Seite www.akademie-neunburg.de zu finden.

 

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