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Neuordnung gleich für mehrere Schulverbände?

Neuordnung gleich für mehrere Schulverbände?

4 Minuten Lesezeit (794 Worte)

Symbolbild: Michael Horn, pixelio.de

Bodenwöhr und Bruck haben sich über das Thema Schulverband verkracht (hier der Bericht vom November 2015), am Dienstagabend hat der Gemeinderat in Bodenwöhr einstimmig dafür gestimmt, bei der Regierung der Oberpfalz eine Umsprengelung des eigenen Mittelschul-Anteils nach Neunburg vorm Wald zu beantragen. Sieht man sich die möglichen Auswirkungen auf der Landkarte an, glaubt man zunächst, aus Versehen im alten Strategiespiel "Risiko" gelandet zu sein. Und erkennt, dass eine Neuordnung der Schulverbände eigentlich viele potentielle Sieger hervorbringen würde.

Generell gilt: Die Schülerzahlen werden nicht unbedingt höher, von daher brauchen die meisten Bildungseinrichtungen heute Partner, um eine Mittelschule anbieten zu können - gerade, wenn M-Klassen gebildet werden sollen, die heimatnah als Alternative zur Realschule (ohne "Auslesedruck" in kleineren Klassen) die mittlere Reife ermöglichen sollen. Nach der Schulreform entstanden vor etlichen Jahren Gebilde, die meist rein technisch-praktischer Natur waren. Da ging es um Schülerzahlen, räumliche Nähe und die Ausnutzung vorhandener Liegenschaften. Nun, nach bis zu acht Jahren Erfahrung, haben sich manche Partner wie Bruck und Bodenwöhr auseinander gelebt. Auch Bernhardswald liebäugelt mit einer neuen Konstellation, will weg aus dem Verband mit Wenzenbach, hin ins "Team Regenstauf", um die teuere Schul-Sanierung in Wenzenbach zu vermeiden (LINK). Der Antrag bei der Regierung der Oberpfalz läuft seit mehreren Wochen, bis Ende Oktober könnte eine Entscheidung vorliegen.

Wann hat ein solcher Antrag auf Umsprengelung Erfolg? Die "Scheidung" müsse einvernehmlich vonstatten gehen, sagt Regierungssprecher Markus Roth. Nur wenn alle Beteiligten für sich einen Vorteil sähen, gebe es entsprechende Perspektiven.

Nachdem nun in Bruck/Bodenwöhr und Bernhardswald/Wenzenbach an zwei verschiedenen Enden einer Kette Bewegung ins Spiel kommt, scheint eine Neuordnung nicht mehr so aussichtslos zu sein wie vor wenigen Wochen. Nittenau und Bruck dürften im Prinzip groß genug sein, um auch zu zweit eine Mittelschue zu bilden. Das würde zur Folge haben, dass Nittenauer Kinder auch nach Bruck zum Unterricht fahren müssten. Aber es gibt auch andere Alternativen.

Wenzenbachs Bürgermeister Sebastian Koch (SPD) bestätigte auf Nachfrage, dass es zwischen ihm und dem Nittenauer Bürgermeister Karl Bley bereits Kontakte für einen Zusammenschluss entlang der B 16 gegeben habe - ein Verbund, der das wechselwillige Bernhardswald auch bei der Stange halten könnte. Die Vorteile liegen auf der Hand: Größere Schülerzahlen minimieren die Kosten, die innerhalb eines Verbunds entstehen - einfach, weil durch eine höhere Anzahl von Köpfen geteilt wird. Außerdem treten Synergien auf, die ebenfalls kostendämpfend wirken. Entlang der B 16 sieht Koch wie auch sein Kollege Bley einen gravierenden Vorteil: Da die Vorwald-Gemeinden ihre Gymnasiasten mehrheitlich nach Nittenau schicken, existieren hier bereits "relativ gute" Schulbuslinien. Auch Altenthann könnte zurück in diesen Verband, nachdem die Schüler von dort nach der Aufgabe von Donaustauf inzwischen ins weit entfernte Neutraubling pendeln müssen.

Nittenaus Bürgermeister Karl Bley sagte im OK-Gespräch, er bedauere die Entwicklung an der Sulzbach-Achse. Er sei im bestehenden Verbund - also im Zusammenschluss für die Bildung von M-Klassen mit dem Schulverband Bruck/Bodenwöhr zufrieden und würde ihn gerne noch stärken - eben entlang der B 16 Richtung Wenzenbach, Bernhardswald, Altenthann. Dann würden  mehr Angebote für die M-Klassen möglich: besondere Mathematik- oder Sport-Kurse etwa. Das würde den M-Zug entlang der B 16 stärken. Einen Verband für die Mittelschule mit den B 16-Nachbarn strebt er aber nicht an - seine Mittelschule könnte Nittenau auch "nur" mit den eigenen Kindern halten, sagt er. Ihm liegt daran, dass die Kinder nicht weit Bus fahren müssen.

Im von Karl Bley beschriebenen Konstrukt würde sich Nittenau also nicht in die Mittelschule des bisherigen Verbandes Wenzenbach/Bernhardswald einbringen. Das hieße auch, dass die Stadt am Regen sich nicht an der Millionensanierung der Wenzenbacher Schule beteiligen müsste. Für Bernhardswald stellt dieser Verbund also keine Exit-Strategie aus der Sanierungsbeteiligung dar. Allerdings wäre auch die Mittelschule Regenstauf, in die der Bernhardswalder Bürgermeister Werner Fischer seinen Mittelschul-Anteil gern integriert hätte, baulich derzeit nicht in der Lage, all die "neuen" Kinder unterzubringen. Ein An- oder Neubau in Regenstauf wäre für Bernhardswald auch nicht zum Nulltarif zu haben.

Was würde aus dem Markt Bruck nach dem Schisma Bodenwöhrs? Denkbar wäre ein Zusammenschluss mit dem schulisch sehr gut aufgestellten Wackersdorf. Wie das von Bodenwöhr als neuer Partner favorisierte Neunburg vorm Wald kann die Mittelschule dort ein eigenes Leitbild und eigene Projekte vorweisen - Aspekte, die Bodenwöhrs Bürgermeister Richard Stabl dem OK gegenüber als anzustrebende Verbesserungen gegenüber dem bisherigen "Bruck-Bodenwöhr mit Nittenau"-Modell nannte. Die modernen Bauten für Schulbetrieb und Ganztagesbetreuung in Neunburg und Wackersdorf, von denen bereits die direkten Nachbargemeinden profitieren, könnten damit auch den weniger optimal ausgestatteten Gemeinden am Sulzbach zugute kommen. In Bodenwöhr war bisher stets auch ein Stein des Anstoßes, wenn anstelle der relativ modernen Doppelturnhalle daheim für den Schulsport in Bruck die von der dortigen Schule weit entfernte Halle des Freizeitzentrums genutzt wurde.

Eine Neuordnung scheint möglich - wenn die beteiligten Spieler am Tisch ihre Trümpfe erkennen und in der nächsten Zeit richtig ausspielen.

 

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