Neutraubling empfängt 110 Flüchtlinge

 

Am Mittwochnachmittag (13. Januar 2016) ziehen 110 Flüchtlinge aus der Realschul-Turnhalle Obertraubling um - in die Nachbarkommune, ins Stadtgebiet von Neutraubling. Dort stellt Unternehmer Alexander Deutsch die ehemalige Krontec-Halle in der Pommernstraße zur Verfügung. In den letzten Tagen und Wochen haben die Stadt Neutraubling, das Landratsamt Regensburg und die Regierung der Oberpfalz die notwendigen Vorkehrungen getroffen, um einen, wie am Dienstagabend bei einem Informationstreffen vor Ort deutlich wurde, möglichst guten Aufenthalt auch für betroffene Anwohner zu garantieren.

 Das Landratsamt betreibt diese Notunterkunft im Auftrag der Regierung. "Damen und Herren, Sie wollen sehen was hier passiert, wie die räumliche Aufteilung ist, wie es organisatorisch funktioniert": Landrätin Tanja Schweiger, die zum Informationstreffen eingeladen hatte, macht schnell deutlich, dass vor Ort alles ineinander greift - zum Wohle der Anwohner und der Flüchtlinge. Bemerkenswert: Mehrfach gab es Applaus für die Redner.

Arben Fetoshi (links) erhielt für den bisherigen Einsatz seiner Sicherheitsfirma großes Lob von Landrätin Tanja Schweiger.

Verteilt werden in den nächsten Tagen Informationszettel mit allen wichtigen Nummern (z.B. Stadt, Rotes Kreuz, Feuerwehr, Polizei), laufend präsent sind sechs Personen einer Sicherheitsfirma, dazu kommt ein schon vom Start weg großer Helferkreis, der sich zuvor bei Bürgermeister Heinz Kiechle getroffen hatte: "Ich bin begeistert", so Kiechle, der die 50 Helferinnen und Helfer "fast nicht untergebracht hat". Damit war dann doch nicht nicht zu rechnen. Oder?

 

Karl Frank, Leiter der Koordinierungsgruppe Asyl im Landratsamt, Landrätin Tanja Schweiger, Bürgermeister Heinz Kiechle.

Kiechle fasst nach: "Neutraubling ist eine Flüchtlingsstadt. Der Stadtrat hat sich mit großer Mehrheit dafür ausgesprochen." Natürlich: "Ich verstehe die Ängste mancher Anwohner", so Kiechle. Er baut hier - wie Landrätin Schweiger - auch auf den eingesetzten Sicherheitsdienst. Arben Fetoshi heißt der Inhaber, der sich den ganzen Abend über Lob von allen Seiten freuen konnte - er ist selbst aus Neutraubling und hat in den letzten Monaten verstärkt mit Regierung, Landratsamt und Kommunen zusammen gearbeitet und mehrere Standorte betreut; in Neutraubling erhalten die Anwohner in der Anfangszeit auf sein Angebot hin nach Wunsch Funkgeräte, um schnell Meldungen machen zu können, falls es etwas zu melden gibt.

 

Vom Kreistag: Maria Eichhorn im Gespräch mit Karl Frank vom Landratsamt.

Ein "Lagerkoller", so die Äußerung Kiechles, sei immer möglich. "Viele haben Krieg und Verfolgung hinter sich, da liegen die Nerven blank", so Karl Frank vom Landratsamt. Und da sei es eben wichtig, dass die Angestellten einer Sicherheitsfirma gezielt, aber auch mit dem nötigen Einfühlungsvermögen vorgingen - Tanja Schweiger: "Das ist weit mehr als ein Sicherheitsdienst, das sind mehrsprachige Männer und Frauen mit einem guten Gespür. Wir sind sehr gut mit Herrn Fetoshi gefahren und freuen uns, dass er den Weg weiter mit uns geht."

Der Weg scheint insgesamt am Standort Neutraubling gut geebnet - BM Kieche betont am Rande des Treffs, wie gut es sei, dass ihm gegenüber auch Kritik vorgebracht werde, denn diese Ängste seien da, und darum habe man sich eben auch zu kümmern. Gerade angesichts der bundesweiten Vorfälle in der Silvesternacht sei dies nachvollziehbar. Beruhigend sei da aber für ihn der Eindruck, den er von Besichtigungen in der Realschulturnhalle in Obertraubling erhalten hat: "Da herrschte eine sehr gelassene, freundliche Atmosphäre." Seine Bitte, insbesondere an die Anwohner: "Wenn Sie Angst haben - geben Sie uns eine Chance."

INFO

Blick in die Zimmerchen in der Krontec-Halle in Neutraubling.

Die Halle ist auf maximal 200 Personen ausgelegt und wird ab Mittwoch als Dependance zur Erstaufnahmeeinrichtung in der Pionierkaserne Regensburg genutzt. Das Treffen am Dienstagabend wurde angesetzt, nachdem im Rahmen einer Informationsversammlung in der Stadthalle Neutraubling Mitte Dezember der Wunsch nach einer Besichtigung geäußert worden war.

 

Blick in die sanitären Anlagen, die in Containeranbauten direkt an der Halle untergebracht sind.

Eingeladen waren nun direkt betroffene Anwohner, die Mitglieder des Neutraublinger Stadtrates und des Regensburger Kreistags, Vertreter der Polizeiinspektion Neutraubling und der FFW sowie Ehrenamtliche, die sich engagieren wollen. Einziehen werden am Mittwochnachmittag Männer, Frauen und Kinder aus Syrien, dem Irak und dem Iran, die ihr Mittagessen noch in der Realschulturnhalle Obertraubling einnehmen werden.