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Polizeiliche Fischwilderei und gemischte Streife

Polizeiliche Fischwilderei und gemischte Streife

5 Minuten Lesezeit (1012 Worte)

Bild: (c) Thorben Wengert_pixelio.de  -  Aus seinem reichen Erfahrungsschatz als Polizist berichtet OK-Reporter Franz Niebauer. Diese Mal stehen ein Fisch und eine beeindruckende Dame im Mittelpunkt des Geschehens.

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Ein Nachmittag wie dieser war uns schon lange nicht mehr untergekommen - sonnig und warm. Und dann noch in Nürnberg an der Pegnitz dösen, das hatte schon etwas. Lediglich Eines fehlte, die Getränke waren nicht alkoholisch. Kein Bier, nur Wasser oder vielleicht noch ein Cola, natürlich im Original. Wir wollten ja im Nachtdienst nicht einschlafen, und wir stimmten uns darauf ein.

Diesmal war es eine Nacht von Sonntag auf Montag; das dürfte ruhig werden. Die „Saufköpfe“ waren vom Samstag noch blau und mussten den Sonntag lang ausdünsten. Die mit den Kindern, die hatten sich einen schönen Nachmittag auf der Wöhrder Wies`n gemacht, wir bekamen das etwas leidvoll mittels Ohrensausen leibhaftig mit. Aber so gegen sechs wurde es leer und ruhig. Für uns - Fred, Erich, Bruno und mich - wurde es ebenfalls Zeit. Um halb acht fing die Schicht an und wir wollten unsere Kollegen nicht warten lassen. Unsere Decken und die Rücksäcke packten wir alle zusammen und waren bereit zum Gehen, aber...wo war Fred?

Fred stand unweit von uns im knietiefen Wasser der „rauschenden“ Pegnitz und hatte beide Arme bis zu den Ellbogen im Flüsschen. „Was machst denn da Fred?“, fragte ihn Bruno. Ein kurzes Kopfdrehen, ein „psst“, kam von Fred. Danach ging alles sehr schnell, Fred rutschte weg in die „Fluten“, hielt bei Arme doch und tauchte komplett unter. Nur- und das war das kuriose an Fred - dann wäre er nicht Fred, beide Arme hochgestreckt ragten aus dem Wasser. Wir glaubten nicht, was wir da sahen, Freds Hände umschlossen einen nicht gerade „mickrig“, so 30cm lang, geratenen Karpfen.

Erich war inzwischen samt T-Shirt und Hose zu Fred ins Wasser gesprungen um ihn aus seiner doch scheinbar misslichen Lage zu retten. Herausgezogen, heftig nach Luft japsend und etwas röchelnd, kam jetzt der ganze Kerl Fred wieder zum Vorschein. "Fred, Fred", trat ich ihm fast drohend entgegen, „Du weißt schon, dass das Fischwilderei ist?“ Fred stand inzwischen am Ufer, auf eigenen Beinen, fest im Griff den Karpfen. „Lass jetzt endlich den Fisch los und schmeiß ihn ins Wasser“, fuhr Bruno ihn an. Erich hatte da gleich eine Lösung, er machte einen kurzen Feger über die Beine von Fred - und während dieser zu Boden ging, flutschte der Fisch nach „Luft“ schnappend“ im hohen Bogen wieder in seine geliebte Pegnitz. Wie ein begossener Pudel saß Fred auf dem Rasen, rang ebenfalls noch nach Luft und raffte sich schön langsam hoch. „Bis viertel nach Sieb`n auf der Dienststelle“, rief uns schon beim Weggehen der Erich noch zu und radelte davon.

Ich hatte mich noch geduscht und kultiviert, zog diesmal meine Uniform an - und wie konnte es anders sein, ich wartete auf Fred, der im Obergeschoss des von uns gemieteten Reihenhauses hauste. Eine noble, ältere Dame von Welt hatte uns dieses Domizil für einen kleinen Obolus überlassen. Sie wohnte nebenan, auf dem gleichen Grundstück in ihrer kleinen Villa mit zwei liebevollen, großen Hunden, und mit ihren Meerschweinchen. Im „Fall Meerschweinchen“ wird später ermittelt. Das ist was „Eigenes“!

Mit Fred das zog sich ein wenig. Aber dennoch schaffte er es immer wieder, rechtzeitig zum Dienst zu kommen. Ich hatte fast nie auf ihn gewartet, denn das ging mir einfach auf den Geist. Diesmal war er schnell genug und wir fuhren zusammen zur Polizeiinspektion. „Wir haben heute Nacht mal wieder Uniformpräsenz - das hieß, alle Mann Öffentlichkeitsarbeit. Es war wieder mal Volksfest am Dutzendteich. Zusammen mit der Military Police, der MP der amerikanischen Armee in Deutschland, fuhren wir Mixed-Streife. Die GIs mochten damals gerne das bayerische Bier, wobei „a echt`s Kneitinger aus Rengschburg hätt ena a gschmeckt“. Je nach Wochentag war es teils ruhig oder auch noch ruhiger, am Wochenende und sogar am Sonntag war manchmal der Teufel los, aber eben nur manchmal.

Die Leute der MP kamen zu uns auf die PI und wir wurden einem amerikanischen Soldaten zugeteilt. Im Gegensatz zu unserer Polizei, die damals außer den weiblichen Kriminalerinnen keine Frauen bei Polizei kannten, gab es sehr wohl Frauen bei der MP. Betonung liegt auf dem Wort MP -Militärpolizei. Bei der MP mussten Kerle ein Mindestmaß von 2 Metern aufweisen. Die Mädels natürlich standen den männlichen Sheriffs in keinster Weise dem nach.

Fred bekam Madam Pompadour zugeteilt, und nein, das ist nicht negativ gemeint. Die Dame „trällerte“ ständig vor sich hin, da hättest kein Radio gebraucht. Fred war begeistert. Miss strahlte ihn mit ihren blendend weißen Zähnen an. „I am the driver, ok?“, sagte sie unmissverständlich. Fred mochte sowieso nicht gerne Auto fahren, das wusste ich ja. Jedoch, was er nicht wusste, ja nicht einmal ahnte, war, dass die Lady einen offenen Willys fuhr. Mit dem Jeep durfte Fred als Co-Pilot mitfahren. Keine Türen, keine Windschutzscheibe, nur purer Luftzug. Toll, herzlichen Glückwunsch Fred!

Aber was soll ich sagen, kurz nach der letzten Fahrt des Riesenrads, die „Wankelwütigen“ schwankten langsam und gemächlich aus dem Bierzelt, weil sie kein Bier mehr bekamen, kam ein Funkspruch von Fred. Abgehakt hört man ihn: „..verfolgen.....chrr...roten Fe..chrr..in Richtung.., dann brach der Funkverkehr gänzlich ab. Stille, kein Laut.

Was man an dieser Stelle wissen muss: Die Amis hatten ja ihren eigenen Funkkreis, der wiederum funktionierte. Keine Sekunde nach dem „Gehäcksel“ von Fred fuhren plötzlich alle Jeeps der GIs in eine Richtung davon. Wir mit unseren GM Opel hinterher. Dreigang-Handschaltung und 60 Pferdchen ohne Differtialsperre. DTM der 50er am Norisring ließ grüßen...

Am Mögeldorfer Plärrer angekommen suchte ich Fred. Wo war er nur? Da - ein einsam abgestellter Jeep in Nato-oliv. Daneben ein Mann, der Fred, ähnlich sah, wie ein begossener Pudel am Jeep stehend. Vornüber gebeugt ließ sich weiterhin eine kleine, sehr unscheinbare Gestaltausmachen. Aber dahinter die „Macht“ der trällernden MP-Dame. Sehr höflich und im gebrochenen Deutsch, forderte sie den kleinen Mann unmissverständlich auf, seine Arme auf seinen Rücken zu geben.

Wochen später kam aus dem dem amerikanischen Hauptquartier ein Schreiben, in dem der Beamte und Kollege, Polizeikommissar Fred, überaus gelobt wurde. Unterzeichnet von der Leiterin der Militärobersten in Deutschland. Fred, Fred... !

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