Oberpfälzer Friedensbewegung unterwegs

Mit einer Fahrradtour warb am Wochenende die Oberpfälzer Friedensbewegung für eine Umwidmung der beiden Truppenübungsplätze Grafenwöhr und Hohenfels. An zwei Tagen legte die kleine Radlergruppe der Deutschen Friedensgesellschaft - Vereinigten KriegsdienstgegenerInnen (DFG-VK) insgesamt 157 km zurück. Sie begannen in Weiden, machten in Grafenwöhr, Vilseck und Amberg Station, bevor es am Sonntag über Schmidmühlen nach Hohenfels ging. Ihre Aktion richtete sich gegen die Kriegsvorbereitungen auf den Truppenübungsplätzen und warb für eine zivile Nutzung.

Claus ist ein versierter Straßenmusiker. Im Zivilstand Betriebsrat einer sozialen Einrichtung in Regensburg weiß der Schreiner, wie man auch im Trubel des Weideners Wochenmarktes die Aufmerksamkeit der Passanten auf den kleinen Infostand und die mit Fahnen geschmückte Fahrräder lenkt. "Die ganze Strecke mitfahren, das machen meine Knochen nicht mehr mit. Aber ich kann ein paar freche Lieder mit dazu beisteuern." Mit seiner Frau wechselt er sich zwischen den Auftritten auf dem Fahrrad ab.

"Auf beiden Plätzen üben amerikanisches und anders NATO-Miltär, um das Gelernte dann in ineffizienten und teils völkerrechtswidrigen Kriegen anzuwenden." so Willi Rester, Sprecher der DFG-VK Oberpfalz. "Als Folge ist dann unglaublich viel Geld verbrannt, Länder zerstört und deren ehemaligen Bewohner bei uns als Flüchtlinge." Alleine die Kinderhilfe Afghanistan hat mehr nachhaltigen Frieden und Entwicklung dort erreicht als das ganze Militär - und das bei einem Etat von nur 0,001% der Kriegsausgaben. Bei einem so dürftigen Ergebnis trotz immens hoher Kosten spricht der 50jährige dem Militär das Besitzrecht auf die Fläche immerhin fast eines halben Landkreises ab. Er war als Soldat selbst auf beiden Truppenübungsplätzen und weiß um die landschaftliche Schönheit, der intakten Tier- und Planzenwelt. "Es ist paradox, aber weil das Miltär 90% des Fläche nur als 'Gelände dazwischen' braucht,  ist die Landschaft unzerschnitten und die Natur weitgehenst seit Jahrzehnten intakt. Mit nur einer Unterschrift wäre ein Nationalpark geschaffen, der jenen im Bayrischen Wald sofort in den Schatten stellt".

Trotzdem soll nach Willen der Pazifisten nichts überstürzt werden. Regensburg und Amberg haben 25 Jahre gebraucht, um das Militär abzubauen und sich anderweitig zu entwickeln. "Die Truppenübungsplätze bringen ca 650 Mio Euro im Jahr in die Region. Die ersetzt man nicht so hoplahopp schnell mal mit ein paar Touristen."  Aber Rester hat auch in Münsingen kundig gemacht. Der ehemals größte Truppenübungsplatz in Baden-Württemberg auf der schwäbischen Alb entwickelte sich seit 2005 zum Leuchtturm im Ländle.  Dort sind mittlerweile mehr Leute beschäftigt als das Militär je hatte und auch die Wertschöpfung ist höher. "Weder Amberg noch Regensburg noch Münsingen haben gezaubert. Das war politischer Wille und Geld. Wenn der vorhanden ist, dann kann auch die Konversion in der Oberpfalz gelingen, ohne daß ein jetziger Zivilbeschäftigter auf der Straße steht."

In Amberg werden die Friedensradler vom Landesvorstand der LINKEN besucht, die ihre Sitzung wegen der Friedensfahrradtour dort durchführten. Ates Gürpinar, deren Landesprecher,  freute sich, dass es immer mehr junge Menschen sind, die sich mit dem Thema Frieden beschäftigen. "Sie wissen, dass Deutschland einen entscheidenden Anteil daran hat, indem es Waffen in alle Welt liefert, auch in Krisengebiete und in Länder wie Saudi-Arabien und die Türkei. Es ist die Verantwortung Deutschlands, wenn die USA mit russischsprachigen Statisten in der Oberpfalz Kriege probt. Das heißt aber auch: Wir können einen Beitrag dazu leisten, dass die Welt friedlicher wird. Lasst es uns angehen." Zwar ist die DFG-VK parteipolitisch neutral, so Rester, aber die großen Parteien reagieren auf Gesprächsanfragen zum Thema Kriegsvorbereitung und Konversion lieber nicht. "Buissines als usual, Tote inclusive." Beim Abschluß in Hohenfels haben ebenfalls nur die Linken eine Infostand aufgebaut.