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„Sea-Eye“ in Rettungsmission

„Sea-Eye“ in Rettungsmission

2 Minuten Lesezeit (443 Worte)

Mit Günther Pirnke steht ein erfahrener und hochseeerprobter Kapitän auf der Brücke: Zahlreiche private Fahrten hat Pirnke auf seiner Jacht verbracht. Freizeit hatte er bei seiner letzten Fahrt vor der libischen Küste aber nicht. Die „Sea-Eye“ ist nämlich keine Luxusjacht, sondern ein ausrangiertes Frachtschiff, welches in diesem Jahr vom gleichnamigen Verein gekauft worden ist. Der Verein hat ein einziges Ziel:   über das Mittelmeer flüchtende Menschen vor dem Ertrinken zu retten.

Dies tut „Sea-Eye“ seit Beginn dieses Jahres, die Mission mit Kapitän Günther Pirnke ist die bislang siebte der Organisation. Vom 7. bis zum 22. Juli kreuzte Pirnke mit seiner Mannschaft in der Nähe der Zwölf-Meilen-Zone vor der Küste Libyens.
Da die Mannschaft sich meist erst am Tag vor Einsatzbeginn in Malta zum ersten Male persönlich trifft, ist dies alleine schon immer ein Wagnis. Im Gespräch mit dem Ostbayern-Kurier lobte der Kapitän jedoch seine Crew ausdrücklich. Es habe alles einwandfrei geklappt, so Pirnke. Das musste es auch, denn in der ersten Woche waren die Witterungsverhältnisse sehr schwierig, weshalb man sich verstärkt auch um die „Sea-Eye“ selbst kümmern musste.
In der zweiten Woche traf man dann auf Flüchtlinge - und zwar in mittlerweile leider zur Gewohnheit gewordenen Situationen: überbesetzte Schlauchboote, die von den starken Motorbooten der Schlepper bei günstigem Wind ins offene Meer hinausgezogen und dann ihrem Schicksal überlassen werden. Männer, Frauen - teils hochschwanger - und Kinder.
Hochseeuntaugliche Schlauchboote von sieben mal zweieinhalb Metern werden regelmäßig mit bis zu einhundertvierzig Menschen überladen. Wenn man dann auf ein Boot trifft, das „nur“ mit 112 Menschen besetzt ist, „kann man sich vorstellen, was mit dem Rest passiert ist“, heißt es im persönlichen Logbuch von Günther Pirnke, das dem Ostbayern-Kurier vorliegt.
Insgesamt wurden in der Zeit der Mission 7 aus dem Mittelmeer 3.600 Menschen gerettet. Günther Pirnke und seine Acht-Mann-Crew waren bei der Rettung von 244 Menschen persönlich beteiligt. „Nicht vergessen werde ich die übermäßige Freude in den Gesichtern. Ihre Gesten der Freude. Die Dankbarkeit beim Reichen der Rettungswesten“, schreibt Günther Pirnke in seinem Logbuch.
Der 63-Jährige empfindet nach seiner erfolgreichen Mission große Zufriedenheit und will bei weiteren Missionen der „Sea-Eye“ wieder als Kapitän zur Verfügung stehen. Allerdings zeigte er sich im ersten Gespräch mit unserer Zeitung nach seiner Rückkehr nach Malta auch nachdenklich. Ihn ärgert, dass er, der Verein „Sea-Eye“ und andere private Rettungsorganisationen offensichtlich ein fester Teil des Geschäftsmodells der Schlepper seien.

Zitate aus Günther Pirnkes Logbuch:
„Was muss einen Menschen treiben, um so eine tödliche Gefahr (der Flucht, die Red.) auf sich zu nehmen? Allerwidrigste Lebensumstände, totale Armut, Verfolgung, Trostlosigkeit.…

Mein Wunsch wäre natürlich, dass die großen Regierungen dieser Welt endlich aktiv was tun, um diesem Leiden ein Ende zu bereiten. Einigkeit wäre gefragt.“

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