Staatsministerin Huml: Pflegebedürftige langfristig stärken

Staatsministerin Huml: Pflegebedürftige langfristig stärken

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Wie sieht das Altern in der Zukunft aus? Können Menschen zu Hause versorgt werden? Ab wann ist eine Pflegeeinrichtung unumgänglich? Die Neutraublinger Ausstellerhalle zeigte verschiedene Gesundheitshilfen. Die Frauen-Union war Mitinitiatorin der Messe. Interessierte wurden auf verschiedene Veranstaltungsmöglichkeiten aufmerksam gemacht, wie etwa das "Café Alois", ein Demenzcafé, welches jeden 2.Donnerstag im Monat, in Regensburg stattfindet. Zur Informationsveranstaltung am Samstag in der Stadthalle kam Gesundheitsministerin Melanie Huml.

 Begrüßt wurde sie von der Kreisvorsitzenden der Frauen-Union Regensburg-Land Sylvia Stierstorfer (MdL). Staatsministerin Huml sprach darüber, wie Wohnen und Pflege in etwa 20 Jahren aussehen können, sie wolle Politik für Menschen machen, denen es nicht so gut geht. Wichtig sei, wie man die zu Pflegenden und deren Familien langfristig stärken könne.

Visionen von Wohnformen in der Zukunft von 10 – 20 Jahren wurden im Laufe dieser Informationsveranstaltung besprochen. Zentralisierte Wohngebiete für das Alter mit Lebensqualität, mit erreichbaren Arztpraxen, guten Busverbindungen, Einkaufsmöglichkeiten und altersgerechten Freizeitaktivitäten wurden ebenso besprochen wie auch eine Wende bei den Wohnmöglichkeiten. Ein mehrmaliger Umzug im Laufe eines Lebens ist vielleicht zukünftig erforderlich: Als Student zieht man in die Stadt, bei Familiengründung aufs Land, warum nicht im Alter wieder in die Stadt?

Vorab fanden einige Podiums-Diskussionsrunden statt, denn der Bereich Pflege und Wohnen im Alter scheint aktueller denn je zu sein.

Etwa beim Gedanken: Plötzlicher Pflegefall – was nun? erläuterten  die Beteiligten verschiedene Hilfsmöglichkeiten. Zum Beispiel könnte die Technik noch besser genutzt werden. Zum Beispiel wird die Person oder der Haushalt eines Hilfsbedürftigen, der noch in seiner eigenen Wohnung lebt, mit einer Zentrale vernetzt, die Alarm gibt, wenn der gewohnte Tagesablauf nicht startet, aber auch eine elektronische Herdabschaltung, wenn kein Topf darauf steht, oder die Übermittlung von Armband-Vitaldaten an Rechnungszentren mit Notruf wurden erörtert. 

Insgesamt wünsche man sich, dass die Bürokratie weniger undurchsichtig werde. Wenn man als Familienangehöriger mit einem plötzlichen Pflegefall konfrontiert wird, hätte man nicht die Nerven, einen mehrseitigen Antrag undeutlicher Fragen zu stellen. Ebenso erwarte man sich künftig bessere Hilfe bei Rechtsansprüchen der Betroffenen. Ein Zuhörer, der in der Altenpflege tätig ist, bemerkte, dass die Pflege wohl zu weiblich wäre, denn Mindestarbeitslohn bei verantwortungsvoller Arbeit wäre anderswo wohl kaum vorstellbar. Insgesamt wünschte man sich mehr Rückhalt in der Altenpflege, denn in die Aufstockung bei Personal, sowie Einrichtung  von Kindertagesstätten wurde in den letzten Jahren viel Geld gesteckt, wenigstens etwas mehr Angleich wünschte man sich auch in der Altenpflege.

In einer weiteren Diskussionsrunde wurde zum anderen ein Fragebogen der OTH Regensburg behandelt, welcher sich mit Wunschvorstellungen von „Wohnen im Alter“ befasste. Sowohl eine Senioren-WG, wie auch ein Alters-Bauernhof mit rüstigen Rentnern wurden als Ideen genannt. Frau Prof. Dr. phil. Dipl. Päd. Irmgard Schroll-Decker erklärte das Ergebnis. Ein Problem sei wohl, dass man sich heute mit 60 noch nicht alt fühle und sich vor allem keine Gedanken  über eine entsprechende Pflegeeinrichtung in der eigenen Zukunft machen will. Würde man doch akut eine plötzliche Hilfe benötigen, stünden die Angehörigen vor vielen Herausforderungen.

Helmut Steinberger vertrat die Nachbarschaftshilfe Pfatter bei der Diskussionsrunde. Ziel sei es grundsätzlich, so lange wie möglich zu Hause wohnen zu bleiben, doch zu Hause vereinsamen könne nicht das Ziel sein! Die Menschen wandeln sich zu Individualisten, dabei werden allerdings soziale Kompetenzen vergessen.


Bei den Zuschauerfragen meinte eine Zuhörerin, sie würde eine „Wohnraumtauschbörse“ vermissen. Vielleicht könne dies in Zukunft auch politisch ein mögliches Angebot sein.

Insgesamt drängte sich folgender Eindruck auf: Der Dienst am Menschen sollte an erster Stelle stehen, ob dies tatsächlich so ist, bleibt allerdings fraglich, wenn man den pflegenden Angehörigen Glauben schenkt.  Dennoch bleibt beruhigend zu bemerken: Die meisten von uns wissen, dass wir nicht jünger werden, aber nicht jeder wird im Alter pflegebedürftig werden, manche werden einfach nur alt!

Die Moderation der Diskussionsrunde wurde geführt von Sabine Wenng (Dipl. Psychogerontologin)

Zahlen – Fakten:

Demographischer Wandel in der Opf. Lkr. Regensburg. Im Jahr 2030 werden voraussichtlich 190.000 Personen (derzeit  knapp 180.000) sein. Der Anteil der unter 19- Jährigen wird auf 16,4 % sinken, der Anteil von 19 – 60 Jährigen  wird ebenfalls sinken auf 48,6 %, aber der Anteil von über 60-Jährigen wird auf 35,5 % steigen (im Jahr 2000: 19,5 %)


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