Trachten und königliche Hoheiten

Trachten und königliche Hoheiten

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„Die Wittelsbacher und ‚ihr‘ Volk im 19. Jahrhundert. Von der Reglementierung zur Pflege der Volkskultur“ – das ist am Mittwoch, 27. Juli 2016, um 19 Uhr im Bürgertreff am Europaplatz das Thema eines Vortrags von Prof. emer. Dr. Walter Hartinger aus Regensburg.

Hartinger hat an der Universität Regensburg und bis zu seiner Emeritierung 2005 als Ordinarius für Volkskunde und Europäische Ethnologie an der Universität Passau gelehrt und ist ein exzellenter Wissenschaftler mit den Arbeitsschwerpunkten rechtliche, religiöse und musikalische Volkskunde. Auch in Burglengenfeld hat er bereits mehrmals viel beachtete Vorträge, etwa zu der großen archäologischen Ausstellung 2008, gehalten. Besonders interessiert er sich seit seinem eigenen Studium bei den Professoren Torsten Gebhard, Leopold Kretzenbacher, Josef Dünninger und Karl-S. Kramer – der in Fachkreisen so genannten „Münchner Schule“ – für das Verhältnis zwischen Volk und Herrschern und die gegenseitigen Einflussnahmen.

Im Fall der Tracht in Bayern und besonders in der Oberpfalz wird dies ab 1806 sehr deutlich. Das 19. Jahrhundert gilt den Historikern als Epoche des Umbruchs in die neueste Zeit. Es hat auch das Verhältnis zwischen Untertan und Monarch grundlegend verändert. Betroffen davon waren in besonderer Weise die Kleidung des „gemeinen“ Mannes, seine Musikwelt und das Erzählgut. Der Vortrag von Walter Hartinger bietet spannende Einblicke in diesen Prozess am Beispiel von Altbayern.

So war etwa König Maximilian II. ein besonderer Freund und Förderer der Volkskultur und der „Nationaltrachten“. Es hatte ihm wohl großen Eindruck gemacht, dass zu seiner Hochzeit während der Oktoberfestes 1842 genau 35 Brautpaare mit Gefolge aus ganz Bayern nach München gekommen waren, um sich gleichzeitig mit dem Thronfolger trauen zu lassen. Mehr als 400 Teilnehmer bildeten einen farbenprächtigen Zug.

Auf fürstlichen Kostümfesten hatte man sich bei Hofe schon vorher ländlich gekleidet, hatte gern „Bauernhochzeiten“ und „Schäferszenen“ nachgestellt. Zugleich wurde dem Volk aus Sorge um Sitte und Anstand mit Hilfe von Kleiderordnungen Sparsamkeit angewiesen: Die Länge der Röcke, der Schnitt von Hosen und Ärmeln, der Besatz der Säume und die Verwendung von teuren Materialien wie Samt, Seide, Brokat und Silberknöpfen – all das wurde reglementiert.

Die königlichen Hoheiten erfreuten sich jedoch nicht nur am bunten Erscheinungsbild, sondern förderten auch die Erforschung und Pflege der Trachten – zumindest soweit man noch „echte“ Bauerntrachten vorfand. Das war in der Oberpfalz vielerorts schon nicht mehr der Fall: „Die Leute kleiden sich städtisch“, so hieß es meist. Billige und pflegeleichte Fabrikstoffe und modische Schnitte hatten die „fröhliche Tracht“ abgelöst, man zog sie allenfalls an Kirch- und Festtagen an.

Der Vortrag findet statt im Rahmenprogramm zur Sonderausstellung „Der Blick auf die Tracht – Kleidung als Zeichen“, es laden ein das Oberpfälzer Volkskundemuseum und der Freundeskreis des  Museums.  Der Eintritt kostet drei Euro  pro Person.


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