Traumhafte Landschaften und immer wieder Linsen

Traumhafte Landschaften und immer wieder Linsen

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„Der Weg ist das Ziel“, so hat Franz Bleicher, Haustechniker im Ensdorfer Kloster der Salesianer, seine Aufzeichnungen zu seiner Frankreichetappe auf dem Jakobsweg überschrieben. Begonnen habe alles 2009, als im Kloster Ensdorf eine dreitägige Jakobswegwanderung von Ensdorf nach Feucht angeboten wurde. Bleicher erinnert sich eine Blase am Fuß nach dem ersten Tag, „aber mich hatte das Fieber für den Jakobsweg gepackt“. Es folgten in den Jahren darauf mehrtägige Etappen mit wechselnden Teilnehmern bis Konstanz – insgesamt eine Strecke von 558 Kilometern.

Damit gaben sich einige Teilnehmer nicht zufrieden und so organisierte Bleicher in den Jahren 2013 und 2014 die Strecken von Konstanz nach Interlaken und von Interlaken nach Genf als zehn- und zwölf Tagesetappen mit einer Gesamtstrecke von 445 Kilometern. „Wir hatten dabei alles, was man sich vorstellen kann“, blickt er auf den Weg durch die Schweiz zurück. „Die schönsten Landschaften, duftende Almwiesen mit Almhütten, Berge und Seen mit den tollsten Panoramablicken. Allerdings auch Starkregen, der Wege wegspülte, und Sonnenschein, der uns zum Schwitzen brachte in der bergigen Landschaft“.

Am letzten Abend in der Schweiz beschlossen Franz Bleicher und vier weitere Teilnehmer – Karl-Heinz Cislaghi, Georg Wein, Edeltraud Roth und Evi Pirzer – „2015 beginnen wir mit Frankreich“. Im Frühsommer starteten die Fünf nach Anfahrt per Bahn in Genf. Probleme gab es bei der Tour durch Frankreich mit der Verständigung. Da halfen auch Wörterbuch, Englisch und Zeichensprache nicht immer. Dies musste die Gruppe gleiche bei der ersten Übernachtung in Frankreich feststellen, „aber bis auf wenige Ausnahmen waren die Leute nett und zuvorkommend“. Ohne Frühstück auf den Weg bei Regen und Wind, ein durch einen Virus geschwächten Teilnehmer und ein steiniger Berg, daran denkt Bleicher zurück an die ersten Tage in Frankreich zurück.

Aber auch an Reto, einen Schweizer Pilger, welcher sich der Ensdorfer Gruppe als Übersetzer zur Verfügung stellte. Weiter ging es auf steinigen Wegen, „mit Kieselsteinen so groß wie Kartoffeln“, und Anstiegen bis 900 Metern. Belohnt wurden die fünf Pilger durch die wunderbare Landschaft des Rhonetals. Auch führten die Wege durch unberührte Natur, Wälder die Uhrwäldern gleich kamen.

 

Steil waren auch Treppen zur Kathedrale im Ziel der letzten Etappe le Puy-en-Velay.

 

Sie durchquerten aber auch Städte, wo sich in Bistros ab und zu einen Kaffee gönnten. „Man kann so einiges erleben und erfahren“ blickt Franz Bleicher auf eine Unterkunft bei einer Künstlerin, deren Gemälde im Ganzen Haus verteilt waren, und bei einem Schriftsteller und Liedermacher zurück. Nach einer Hotelübernachtung mit reichlichem und gutem Essen ging es bei Regen und Wind weiter nach Revel-Tourdan, wo sie eine Dreier-Gruppe von Pilgern aus dem Allgäu trafen. Dabei sich heraus, dass der Sohn in der Nähe von Ensdorf geheiratet hatte und seine Hochzeitsgäste im Bildungshaus des Klosters übernachteten.

Der Übernachtung in einem 500 Jahre altem Haus folgte die Strecke durch die Obstplantagen der Region, eine Episode mit einer „Rasenmäherhexe“, der fast Georg Weins Schuhe zum Opfer gefallen wären, und nach steinigen steilem Aufstieg bei schwüler Hitze die Ankunft in St-Julien-Moli-Mollette, „wovor unseren Augen die einige Gastwirtschaft schloss“. Am nächsten Tag ging es wieder ständig bergauf bis 1205 Metern „wofür aber eine tolle Aussicht belohnte“. Australische Studenten und ein Schweizer Ehepaar teilten mit den Ensdorfern die nächste Unterkunft und Bleicher schreibt vom viergängigen Menü „wie können schon bald keine Linsen mehr sehen“.

 

Dann noch der mit 1276 Metern höchste Punkt der Tour, Übernachtung bei einer deutschen Familie „und wieder gab es Linsen“. Auf der 27 Kilometer langen Strecke zum Endziel Le Puy-en Velay wurden die Fünf nach von einem Wolkenbruch überrascht. Nach Besuch der Kathedrale von Le Puy-en Velay letzte Übernachtung in einem Priesterseminar „und wieder gab es Linsen“. Vor der Heimreise mit dem Zug war nach 375 Kilometern durch Frankreich war Bleicher und seinen Freunden klar: „Im nächsten Jahr geht es weiter. Wir haben noch ca. 750 Kilometer in Frankreich und knappe 800 Kilometer in Spanien vor uns bis zu unserem Endziel Santiago de Compostela“.

 


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