Wie ergeht es Patienten nach der Intensivstation?

Wie ergeht es Patienten nach der Intensivstation?

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Regensburg. Pilotprojekt für Deutschland – Eine Arbeitsgruppe von Universität und Universitätsklinikum Regensburg (UKR) entwickelt ein Konzept für eine Intensiv-Nachsorgeambulanz.

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Herbert S. (Name geändert) erleidet einen akuten Kreislaufzusammenbruch. Ursache ist ein Riss in der Hauptschlagader. In mehreren aufwendigen Operationen wird seine Aorta rekonstruiert. Damit sich sein Körper von den schweren Eingriffen erholen kann, wird Herbert S. auf der Intensivstation an eine Herz-Lungen-Maschine angeschlossen, die die Organfunktion zeitweise übernimmt. Nach drei Wochen wird er entlassen. Doch wie ergeht es Herbert S. nach dieser strapaziösen Zeit nun zu Hause? Und wie kommen seine Partnerin und seine Kinder mit der Situation zurecht? Bei diesen Fragen setzt eine neue Studie rund um das Forscherteam um Professor Dr. Christian Apfelbacher, Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg, und Professor Dr. Thomas Bein, Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Regensburg, an. In den nächsten 36 Monaten wollen sie den Versorgungsbedarf für Patienten und Angehörige nach einem Aufenthalt auf der Intensivstation erheben und darauf aufbauend eine IntensivNachsorgeambulanz entwickeln, die in einem Pilotmodell getestet werden soll.

Bild: Das Forscherteam rund um Professor Dr. Christian Apfelbacher (4.v.l.) und Professor Dr. Thomas Bein (4.v.r.). ©UKR/Ulla Lohse

Aufgrund des medizinischen Fortschritts ist es möglich, immer mehr Schwerstkranken und Schwerstverletzten zu helfen. Die Intensivmedizin und ihre Weiterentwicklung spielen dabei eine maßgebliche Rolle. Doch was passiert mit ehemaligen Intensiv-Patienten, nachdem sie aus dem Krankenhaus entlassen wurden? „Hier herrscht definitiv eine Versorgungslücke, die wir schließen möchten. Versorgungsmodelle, die über die Reha-Leistungen hinausgehen und auf einen kontinuierlichen Übergang von intensivmedizinischer Behandlung zur Betreuung zu Hause abzielen, sind in Deutschland bislang nicht etabliert“, erläutert Professor Apfelbacher die Intention des Forschungsprojekts. Patienten, die nach einem längeren Intensiv-Aufenthalt nach Hause entlassen werden, sind in den meisten Fällen nicht vollständig gesund und deshalb auf Hilfe angewiesen. Die Untersuchung schließt daher Patienten und Angehörige gleichermaßen mit ein. „Familie und Freunde sind in den wenigsten Fällen darauf vorbereitet, den Patienten zu Hause zu pflegen oder anderweitig in der Bewältigung seines Alltags zu unterstützen. Wir wollen den ambulanten Versorgungsbedarf und die Bedürfnisse ehemaliger Intensiv-Patienten und von deren Angehörigen spezifizieren und in der Nachsorge-Ambulanz adressieren“, führt Professor Bein aus. „Diese soll durch eine Verbesserung der Abläufe die gesundheitsbezogene Lebensqualität von Patienten und Angehörigen nach intensivmedizinischer Betreuung optimieren.“

In die Studie werden erwachsene Patienten mit einbezogen, die länger als fünf Tage intensivmedizinisch behandelt wurden und eine Organersatztherapie erhalten haben. Im ersten Schritt werden der Versorgungsbedarf und die Bedürfnisse von Patienten und Angehörigen eruiert. Hierzu werden in Kooperation mit der AOK die Versorgungsdaten ein Jahr nach Entlassung verfolgt und auf konkrete Behandlungen sowie Diagnosen von psychischen und körperlichen Erkrankungen hin ausgewertet. Zudem werden Patienten und Angehörige gezielt nach Versorgungsbedürfnissen befragt. Darüber hinaus wird mit an der medizinischen Versorgung beteiligten Akteuren (Hausärzte, Rehabilitation, Rententräger, ambulante und stationäre Pflege, Physiotherapeuten) in kleinen Gruppen der Versorgungsbedarf erhoben und über die Voraussetzungen einer Nachsorgeambulanz diskutiert. Auf diesen Ergebnissen aufbauend, entwickelt die Studiengruppe ein Konzept für eine partizipative Intensiv-Nachsorgeambulanz, die im nächsten Schritt in einem Modellprojekt geprüft werden soll. „Den Fokus dieser neuartigen Nachsorgeambulanz sehen wir dabei in Untersuchung, Diagnostik und Koordination der therapeutischen Leistungen, wobei die Zusammenarbeit mit niedergelassenen Ärzten und Therapeuten elementarer Baustein der Ambulanz sein wird“, erläutert Professor Apfelbacher.

Das Forschungsprojekt ist auf eine Dauer von 36 Monaten angelegt und wird in enger Kooperation vom Institut für Epidemiologie und Präventivmedizin der Universität Regensburg, hier vor allem durch den Fachbereich Medizinische Soziologie, von der Klinik für Anästhesiologie des Universitätsklinikums Regensburg sowie vom Fachbereich Pneumologie, angesiedelt an der Klinik Donaustauf und der Klinik und Poliklinik für Innere Medizin II des UKR, durchgeführt. Das Projekt wird aus Mitteln des Innovationsfonds zur Förderung der Versorgungsforschung mit einem Zuschuss von rund 590.000 Euro gefördert.


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