Wo fehlt es bei der medizinischen Versorgung?

Regenstauf. „Unsere Zukunftsaufgabe ist es, ausreichend Menschen wieder für Pflegeberufe begeistern zu können“, resümierte MdL Margit Wild (SPD) am Ende der Veranstaltung „Ist unser Gesundheitssystem gerecht?“ im Kultur- und Mehrgenerationenhaus in Regenstauf.

 

„Durchschnittlich verbleiben Pflegekräfte sieben Jahre in ihrem Beruf“, erklärte die gesundheitspolitische Sprecherin der SPD MdL Ruth Waldmann zu Beginn. Aufgabe der Politik sei es daher die Arbeitsbedingungen zu verbessern: „Wir wollen, dass es auch in Krankenhäusern einen Pflegeschlüssel gibt, so wie er in Pflegeheimen schon lange vorgeschrieben ist“.

Bisher würden Kosteneinsparungen hauptsächlich im Bereich des Pflegepersonals stattfinden. Dies müsse ein Ende haben, wenn es nach der gesundheitspolitischen Sprecherin der SPD geht. Das sahen auch die Zuhörer so, die zum Teil selbst betroffen sind oder waren. Durch das fehlende Personal könne das vorhandene kaum über einen Zeitraum über zwei Wochen im Voraus planen, so eine Bemerkung aus dem Publikum. Wenn wir wie in Regensburg Aufnahmestopps oder in Krankenhäusern Betten wegen Personalmangel sperren müssen, muss endlich etwas passieren, so die Abgeordnete Wild.

Die Hausärztin und Vertreterin der KVB, Dr. Marie-Luise Vogel, forderte ebenfalls mehr Gerechtigkeit im Gesundheitssystem: „Es kann nicht sein, dass man in München maximal zwei Stationen mit der U-Bahn fahren muss, um zum nächsten Arzt zu kommen, während man in der Oberpfalz zwanzig Kilometer und mehr mit dem Auto zurücklegen muss“. Auch die Menschen im ländlichen Raum hätten einen Anspruch auf eine wohnortnahe und qualifizierte medizinische Versorgung.

Margit Wild ergänzte, dass wie in Regensburg viele Ärztinnen und Ärzte nur noch Privatpatienten annehmen würden oder Kassenpatienten lange auf einen Termin beim Facharzt warten müssten. „Und das obwohl wir eigentlich als überversorgt gelten“, kritisiert Wild den veralteten Ärzteschlüssel. Auch darüber müsse man reden.

Bei der Diskussion mit dem Publikum wurde deutlich, dass eine wohnortnahe medizinische Versorgung – vom Hausarzt über Apotheken bis hin zur Altenpflege – ein zentraler Bestandteil für eine funktionierende Gemeinschaft und eine intakte Infrastruktur ist. Auch die Sorge um ein gutes und lebenswertes Älterwerden wurde geäußert.

Fred Wiegand stellte die Frage, ob es nicht nur die Bezahlung der Ärzte ist, die sie vom Land abhält, sondern auch die „weichen Standortfaktoren“, wie Einkaufen, Kultur, Schulen usw.

Der Vertreter des Apothekenverbands forderte, dass für die Internetarzneimittel die gleichen Kriterien wie für die Apotheken gelten müssen. Es könne nicht sein, dass minderwertig Arzneimittel über das Internet verschickt werden.

„Wir haben verstanden und wir müssen nun alles dransetzen um in den genannten Feldern endlich Verbesserungen zu erreichen", schloss Margit Wild die interessante Diskussion.