Zeit is woan: Hans Geistreiter-Ausstellung

Zeit is woan: Hans Geistreiter-Ausstellung

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„Zeit is woan“ soll Hans Geistreiter gesagt haben, als er 1989 im reifen Alter von 79 Jahren den Kulturpreis der Stadt Regensburg verliehen bekommen hat. Zeit is woan, 20 Jahre nach seinem Tod den wahrscheinlich bedeutendsten Künstler der Region mit einer Ausstellung zu würdigen. 50 Werke aus 60 Jahren hat der Kurator Martin Mayer zusammengetragen. Die wenigsten der ausgestellten Arbeiten wurden bisher öffentlich gezeigt, sie stammen zum großen Teil aus privaten „Rettungsaktionen“ von Kallmünzer Bürgern.Im Künstlerort Kallmünz wurde das Haus von Hans Geistreiter 1989 verkauft und leergeräumt. Ein Nachbar konnte nicht mit ansehen, was da im Container landete und rettete es. Beim Abbruch des Ateliers 1991 nahm sich ein Arbeiter noch die Zeit nachzuschauen. Bevor der Bagger einschlug rettete er wunderbare auch großformatige Werke, die im Atelier geblieben waren, buchstäblich in letzter Minute. Wessen Aufgabe wäre es gewesen sich darum zu kümmern? Das alte Rathaus in Kallmünz bietet einen passenden Rahmen um Weg des Künstlers von der Kallmünzergasse in Regensburg, wo er 1910 geboren wurde bis zum Ende seines Schaffens in Kallmünz nach zu zeichnen.
 
 
Die Enkelin Geistreiters Nina Geistreiter und die ehemalige Regensburger Oberbürgermeisterin Christa Meier.
 
Die frühesten Bilder sind von 1930, als er an der Kunstakademie in München bei Professor Gulbransson und Karl Caspar studiert hat. Der Einfluss der Lehrer, die noch im Stil des Impressionismus und Expressionismus arbeiten, ist unverkennbar. Die Arbeiten der 50er Jahre sind stark geprägt von existenziellen Erfahrungen: Liebe, Leid, Not, Tod. Der Tod seiner ersten beiden Kinder fiel in diese Nachkriegszeit. Lapidar schreibt er dazu in seinem Lebenslauf „1946 Tod unseres zweiten Kindes, 1947: deshalb viele Arbeiten über den Tod“. Noch sind seine Arbeiten realistisch expressiv, geprägt von persönlichen Erfahrungen. Z.B. „Ritter Tod und Teufel“, in Anlehnung an Albrecht Dürer, das Mädchen und der Tod. Ritzzeichnungen, Monotypien, Aquarelle, Kohle- und Bleistiftzeichnungen sind die Techniken, die er vorwiegend verwendet.
 
Aber Hans Geistreiter schwimmt sich frei und probiert nach dem zweiten Weltkrieg neue Stile und Techniken aus. Als erster Künstler in der Region stellt er abstrakte Arbeiten aus. Der Einfluss von Kandinsky, Paul Klee, Max Ernst oder Willi Baumeister ist zu erkennen, spätestens aber die Bilder aus den 60er Jahren zeigen einen ganz eigenen Stil und auch eine eigene Technik. Hans Geistreiter hat die Diskussion um die abstrakte Kunst genau verfolgt und kommentiert seine Einstellung: „„Im Laufe der Zeit hat mich das Naturalistische einfach nicht mehr interessiert.“ In den 1960er Jahren kamen die „wilden“ Jahre, gesellschaftlich, politisch, aber ebenso in der Kunst von Hans Geistreiter. Die großen Formate mit den farbenfrohen, manchmal düsteren aber unheimlich lebendigen Bildern sind vielleicht die stärksten Bilder seines Oeuvres. 1975 kaufte sich Hans Geistreiter ein Häuschen in Kallmünz, Vilsgasse 16. Seine Gaststätte „am Kamin“ in Regensburg gab er auf.
 
Einen Raum des benachbarten Bayerl-Saales konnte er als Atelier nützen, endlich Platz für großformatige Arbeiten! „Jetzt kann ich wieder freier atmen“ kommentierte er seine Zeit in Kallmünz. Vielleicht weil seine Malerei so lange zu kurz gekommen war, schaffte er gerade im Alter noch große, junge Werke, von unbändiger Kraft und Dynamik, mit thematischer und formaler Vielfalt und doch als Bilder von Hans Geistreiter unverkennbar. „Wenn ich Farbe ausschütte, die Farbe verfließt, da sehe ich Formen, entdecke Strukturen, assoziiere weiter…“, ob das nun Tachismus, Fauvismus oder Action Painting ist interessiert ihn nicht. Er benennt seinen Stil nicht, aber er schafft starke Bilder. In seinen späteren Arbeiten fand Hans Geistreiter wieder zurück zu figürlichen Darstellungen. Jetzt wimmeln Gesichter, Geister, fremdartige Wesen aller Art auf seinen Bildern, oft dem flüchtigen Blick nicht erkennbar.
 
musikalische Umrahmung durch Wanda Burghard und Simone Pinter.
 
Seine Zeit in Kallmünz bezeichnete Hans Geistreiter übrigens als die schönste Zeit seines Lebens. Dass er mit einer Ausstellung nach Kallmünz zurückkehrt ehrt ihn und die Veranstalter, den Bergverein Kallmünz in Zusammenarbeit mit den Museen der Stadt Regensburg und dem Markt Kallmünz. Es ist Zeit geworden Hans Geistreiter zu würdigen und mit einem kleinen Katalog zu ehren.
Die Ausstellung ist ab sofort bis zum 28. August im Alten Rathaus in Kallmünz zu sehen.
Geöffnet ist Samstag, Sonntag und an Feiertagen von 13.30 bis 18 Uhr.
Andere Termine und Führungen für Gruppen nach Vereinbarung; Anfrage bei Diese E-Mail-Adresse ist vor Spambots geschützt! Zur Anzeige muss JavaScript eingeschaltet sein!.
Ein von der Stadt Regensburg herausgegebener Katalog zum Werk von Hans Geistreiter ist in der Ausstellung zum Vorzugspreis von 12,80 Euro erhältlich.

 


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