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Salvator-Bräuer und prügelnde Kirchgängerin

Salvator-Bräuer und prügelnde Kirchgängerin

Auf eine Zeitreise der besonderen Art führte Kreisheimatpfleger Jakob Rester am Pfingstmontag die rund 45 Teilnehmer einer Kirchenführung in Fischbach. Beim Barnabas-Brunnen am Kirchplatz erinnerte Rester zunächst an den 1750 in Fischbach als Sohn des örtlichen Braumeisters geborenen Valentin Stephan Still, der 45-jährig an einem Magenleiden verstarb. Als Mitglied des Paulaner-Ordens hat dieser unter dem Namen Bruder Barnabas Eingang in die Geschichtsbücher gefunden.

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Barnabas braute erstmals das Salvator-Bier. Der alljährliche Starkbieranstich auf dem Münchner Nockherberg erinnert an ihn.

In Fischbach -so der Heimatpfleger – gebe es seit rund 900 Jahren ein Gotteshaus, wobei die derzeitige Kirche fast 300 Jahre alt sei. Während der Bauherr Georg Sigismund Christoph Graf von Thürheim bekannt sei, wisse man jedoch nicht wer der Baumeister gewesen sei. Baumängel und mangelnder Bauunterhalt führten dazu, dass die Kirche bereits 100 Jahre nach ihrer Erbauung in einem schlechten Zustand und der Turm einsturzgefährdet war. Die zur Kostentragung verpflichtete Gutherrschaft weigerte sich beharrlich für die Kirche aufzukommen. Auf Intervention des Bischöflichen Ordinariates bei der Regierung in Regensburg wurde zunächst die Turmkuppel, deren Hauptgebälk bereits gänzlich verfault war und sich bereits bedenklich in Richtung Westen geneigt hatte, abgebrochen und mit einem Notdach aus Brettern versehen.

Vier Jahre später war dieses Bretterdach ruinös und das Turmgebälk durch die Witterung bedeutend geschädigt. Um zu retten was zu retten war, wurde schließlich 1843 ein großer Teil der nördlichen und südlichen Turmmauer abgebrochen und mit einem vorläufigen Satteldach versehen. An diesem Zustand hat sich – nichts ist bekanntlich langlebiger als ein Provisorium – bis heute nichts geändert.

Im Inneren der Kirche ist bereits seit Beginn des 19. Jahrhunderts die Decke ein Sorgenkind. Diese war – so Rester – immer wieder schadhaft und ruinös. Glücklicherweise kam durch herunterstürzende Teile bislang niemand zu Schaden. Zeitweise musste das Gotteshaus im 19. Jahrhundert aus Sicherheitsgründen für den Gottesdienst gesperrt werden. Die Pfarrer der damaligen Zeit beschrieben den Zustand ihrer Pfarrkirche als verwahrlost oder sogar als „Räuberhöhle“.

Zur Decke konnte Rester mit einigen interessanten Details aufwarten. So sei der Unterputz mit oben aufliegender Bockshaut ausgeführt worden und der Kalkmörtel mit Kälberhaaren vermischt worden. Bei einer Befunduntersuchung habe man zwölf verschiedene Farbfassungen festgestellt. Im Jahr der 500sten Wiederkehr der Reformation ging Rester auch auf die Zeit von ca. 1570 bis 1625 ein, in der in Fischbach sechs nichtkatholische Priester ihren Dienst versahen.

Eine Begebenheit aus der guten alten Zeit rundete schließlich die überaus gelungene Kirchenführung ab: 1729 waren die Meßnerin Ederer und die Schmiedin Sperl über den ihnen jeweils gebührenden Sitzplatz in der Pfarrkirche in Streit geraten. Diese Auseinandersetzung gipfelte schließlich in eine Rauferei der beiden mit der Wirtin Niermaier in der Kirche. Das herrschaftliche Gericht verurteilte die beiden darauf zu Stock und Geige.

Nach Fürsprache durch den Kooperator und anderer wurden die beiden dann zu einem 24stündigen Arrest begnadigt. Weil aber die Schmiedin Sperl sich durch diesen Arrest sich nicht eines Besseren belehren ließ, so musste sie zum zweiten Mal und dann wegen Beschimpfung des Gerichtshalters zum dritten Mal in Arrest. Die anschließenden Prozesskosten kosteten dem Schmied letztendlich sein Anwesen. Alles wegen des Stolzes seiner lieben Ehegattin.

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