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60 Jahre bei der Familie: Der Weißbier-Pate

60 Jahre bei der Familie: Der Weißbier-Pate

4 Minuten Lesezeit (837 Worte)

Mit Wasser und Getreide hat er schon sein Leben lang zu tun. Als Sepp Hackl 1939 in Ammermühle / damaliger Kreis Kötzting zur Welt kommt, treibt der Bach das Mühlrad des Vaters an, mit dem er das Korn und den Hafer der umliegenden Bauern zu Mehl verarbeitet. 1956 kommt  ein entscheidendes Element dazu: Der Hopfen. Der junge Müllner findet eine Lehrstelle bei Friedrich Jacob in der gleichnamigen Familienbrauerei im weit entfernten Bodenwöhr. 60 Jahre später ist der Hackl Sepp immer noch da – er gehört hierher, genau wie das Sudhaus und der Läuterbottich.

Der Vater daheim im Bayerischen Wald, der hat schon gern ein Bier getrunken, erinnert sich Sepp Hackl an seine ersten Berührungspunkte mit Bayerns Lebenselixier. In Maß-Flaschen, wie es vor dem Krieg so der Brauch war. Nur das Dünnbier während der Not in den 40ern Jahren hat Hackl senior nicht gemocht – die modernen Zeiten von Leicht-Bieren und Kalorien-Reduzierung hätten ihm wohl nicht gefallen.


Gute Arbeitsstellen waren gefragt nach dem Krieg. Der junge Sepp, der inzwischen in der väterlichen Mühle arbeitete, ging durch Vermittlung einer Stallmagd, die aus seinem Dorf stammte und in Bodenwöhr eine Stellung gefunden hatte, zur Familienbrauerei nach Bodenwöhr. Drei Schulkameraden kamen hier unter, Sepp ist der Letzte von ihnen, der am Leben ist.


Brauer gelernt
Bei Friedrich Jacob senior erlernte er ab 1956 das Brauer-Handwerk – der Kontakt zu den Inhaltsstoffen war damals noch wesentlich intensiver, der Maßstab erheblich kleiner. Gerade einmal vier Mann versorgten Bodenwöhr und Umgebung mit dem „roten“ (hellen) und dem „blauen“ (Export) Jacob, dazu gab es Brause-artige Limonade im Sortiment. An der handbetriebenen Abfüll-Maschine, die heute im Vorraum des Saales im Brauereigasthof ausgestellt ist, hat Hackl noch selbst abgefüllt. „Wenn ich gut drauf gewesen bin, hab ich 60 Kistln in der Stunde geschafft.“ Also pro Minute 20 Flaschen.
Die Brauerei bestand damals bereits seit beinahe 200 Jahren, die Familie Jacob braut hier seit 1884. Den Vater seines Lehrherrn, ebenfalls mit Vornamen Friedrich und der zweite Jacob in Bodenwöhr nach Pionier Johann Baptist, den hat der Sepp noch persönlich gekannt.

Sepp Hackl (l.) im Kreise seiner Kollegen - die Bierkisten waren noch aus Holz, die Abfüllung lief per Hand.

Ende der 1950er/Anfang der 1960er baute die Brauerei den Betrieb aus – mittendrin in zentraler Rolle der Sepp. 1959 kam das erste Bierauto, ein 2,5-Tonnen-Borgward. Den durfte der junge Geselle mit seinem ersten Führerschein fahren. Bald kam ein Hanomag dazu. Sepp baute für einen 20 km-Radius einen Heimdienst auf, der in den nächsten Jahrzehnten stetig wachsen sollte – bis zum beeindruckenden Logistik-Betrieb von heute. Innerhalb kürzester Zeit hatte der Sepp jeden Tag eine andere Tour zu bedienen – Nittenau, Schwandorf, Neunburg und etliche umliegende Städte mehr. Friedrich Jacob baute in dieser Dekade den Brauereigasthof neu. Die neuen Zeiten brachten neue Sorten. Bereits in den 1960er Jahren kam das Pils ins Sortiment. Im Jahr 1966 kaufte die Brauerei den ersten 7,5-Tonner für den Heimdienst und engagierte einen zweiten Fahrer.


Sepp fand sein privates Glück: Ehefrau Waltraud „traute“ sich 1962 mit ihm, eine Tochter entstammt der Ehe. Hackl will kein großes Aufhebens um sein Privatleben machen. Nur, dass seine Waltraud die „beste Frau der Welt“ sei, das räumt er ein. In den 80er Jahren gab es zwei prägende Einschnitte im Betrieb der Brauerei, die so fest mit Sepp Hackls Leben verwoben ist. Zum zweiten Mal baute Friedrich Jacob einen quasi neuen Gasthof wie er seit 30 Jahren das Bild vom Ufer des Hammersees prägt. Und die Familie erkannte einen Trend, der sie schließlich in die erste Liga der kleinen Familienbrauereien führen sollte: Das Weißbier war im Kommen. 1985 gab es den ersten Sud. Die Leute nahmen das Experiment begeistert auf. Seit 1994 wird das „Jacob Weibier“ jedes Jahr von der DLG nach einem strengen Prüfverfahren mit Gold ausgezeichnet.


Der Siegeszug des Weißbiers ließ die Touren der Fahrer immer länger, die Zahl der Lkws ständig höher werden. Heute sind sechs große Lastwagen mit Jacob-Logo unterwegs.
Ende der 1990er Jahre gibt Sepp Hackl die Leitung des Fuhrparks ab. Gebraucht wird er aber mehr denn je: 1997 verstirbt plötzlich und unerwartet Friedrich Jacob. Die Söhne, Marcus und Dr. Fritz Jacob, waren und sind bis heute froh, von der Erfahrung, dem Fleiß von dem sonnigen Gemüt Hackls profitieren zu können. Auf die Frage, warum er denn nicht längst in Rente gegangen sei, zuckt Sepp Hackl mit den Schultern. Er gehört halt einmal hierher, meint er. Und: Der Marcus habe ihn halt noch gebraucht.


Erst in die Brauerei
Geschäftsführer Marcus Jacob ließ den Jubilar beim Weißbierfest im August zum 60-jährigen Betriebsjubiläum ganz besonders hochleben.  „Wenn der Sepp - was eh selten ist - einmal krank ist, dann lässt er sich nicht zuerst nach Hause fahren, sondern in die Brauerei, damit er schauen kann, ob da alles passt”, sagte er. Für ihn sei der Sepp „eine Art zweiter Vater“.
Wie lange will er denn noch bleiben in der Familienbrauerei am Hammersee? „Ich sag meistens: heuer noch. Oder nächstes Jahr“, lächelt das Jacob-Urgestein verschmitzt. Die Frage kennt er seit vielen Jahren. Seine Antwort ist immer die gleiche geblieben.

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